Netz für NABU-Aktive

Button Nabu-Intern/Netz für Aktive 

NABU intern - das neue Verbandsnetz für die NABU-Aktiven.

 


NABU Lampertheim
> Aktuelles


Aktuelle Infos finden Sie künftig auf unserer facebook-Seite >


Archiv


Die Luft ist raus

Geplante WKA-Pläne werden zu den Akten gelegt

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbach

Jetzt ist es amtlich: Die Verbandsversammlung des ZAKB spricht sich dafür aus, die Windkraft-Pläne auf der Deponie zu den Akten zu legen. Damit werden sich in Hüttenfeld keine Rotoren drehen.

Bergstraße. Das Windkraftprojekt des Zweckverbands Abfallwirtschaft (ZAKB) ist endgültig Geschichte. Die Verbandsversammlung hat sich gestern einstimmig dafür ausgesprochen, den Plan nicht weiter zu verfolgen. Vorausgegangen waren Ergebnisse von Windmessungen, die die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens infrage gestellt hatten (der BA hat berichtet). In der Verbandsversammlung wurde allerdings auch deutlich, dass in den führenden Etagen des ZAKB noch lange davon ausgegangen wurde, die Planungen zu realisieren. Laut Projektleiter Sascha Bocksnick schienen von Beginn an alle Voraussetzungen gegeben, um das Projekt zum Abschluss zu bringen.

So hatte der TÜV Süd für die Region eine Windstärke von 5,5 Metern pro Sekunde angenommen. Auch Gründung und Statik des Bauwerks schienen gesichert und hatten in der Karlsruher Mülldeponie ein vergleichbares Vorbild. Zudem war auch die Netzverträglichkeit gegeben. Nach einer Schätzung des TÜV wären Investitionskosten in Höhe von fünf Millionen Euro einzuplanen gewesen. Alle Gutachten zusammen hätten laut Bocksnick ausgereicht, um bei den Kreditinstituten auf offene Türen zu stoßen. Zumal dank dem "Anströmungseffekt", wie er auf Halden anzutreffen ist, sogar noch von höheren Windgeschwindigkeiten ausgegangen werden konnte. Um den Kreditinstituten einen weiteren "harten Fakt" zu liefern, habe sich der ZAKB dazu entschlossen, Windmessungen über das ganze Jahr 2014 durchzuführen.

Deftiges Defizit statt Gewinn

Immerhin sei davon auszugehen, dass bei einer Abweichung der Windhöffigkeitswerte von nur einem halben Meter Energieertragseinbußen um rund 30 Prozent hinzunehmen seien. Das Ergebnis ist bekannt: Statt der vom TÜV errechneten Windstärke von 5,5 Metern pro Sekunde wurden 100 Meter über dem Deponiegelände im Durchschnitt lediglich 4,71 Meter pro Sekunde gemessen. Berechnet auf einen Zeitraum von 20 Jahren, kamen die Gutachter somit auf eine durchschnittliche Windstärke von 4,98 Metern pro Sekunde. Statt des zu erwartenden Überschusses von jährlich 70 000 Euro hatte der Zweckverband damit auf einmal ein Defizit von 100 000 Euro auf der Rechnung. Damit war die Wirtschaftlichkeit des Projekts nicht mehr gegeben.

Kritische Fragen wurden in der gestrigen Verbandsversammlung in Hüttenfeld angesichts der entstandenen Projektkosten von rund einer halben Million Euro gestellt. ZAKB-Geschäftsführer Gerhard Goliasch beteuerte abermals, die Kosten fielen nicht den Gebührenzahlern zur Last, sondern würden mit Überschüssen aus Energieprojekten finanziert. Außerdem erklang aus der Versammlung der Vorschlag, den Bürgerinitiativen, die sich gegen das Windkraftprojekt gewehrt hatten, einen Teil ihrer Ausgaben zu erstatten. Ebenso wurde Verwunderung über die Diskrepanz zwischen den Berechnungen des TÜV und den tatsächlichen Ergebnissen der Windmessungen geäußert. Bei dieser Gelegenheit fiel auch der Begriff "Gefälligkeitsgutachten".

Dicker Schlussstrich

Dem Vorschlag, die bisherigen Projektplanungen dafür zu nutzen, das Windrad unter günstigeren Umständen irgendwann doch noch zu bauen, beschied ZAKB-Geschäftsführer Goliasch keine Zukunft. Alle 29 Stimmberechtigten hoben bei der Abstimmung die Hand und zogen damit einen dicken Schlussstrich unter das einst vom ZAKB mit großen Erwartungen vorangetriebene Projekt.

Freitag, 08.05.2015 /Sümo



Pflanzentauschbörse

18.04.2015/Südhessen Morgen

„Konkrete Einzelfallprüfung“

ENERGIEPROJEKT Regierungspräsidium nimmt Stellung zu Kritik von BUND und Gegenwind

LAMPERTHEIM - (ulm). Der BUND-Kreisverband Bergstraße und die Bürgerinitiative (BI) Gegenwind sehen das Projekt Winkraftanlage (WKA) auf dem Hüttenfelder Deponieberg kritisch. Unabhängig davon hat das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt dem Projektinitiator – dem Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) – kürzlich eine Genehmigung für das Windrad erteilt. In Kürze werden die Windmessungen auf dem Deponieberg abgeschlossen sein, die Grundlage für eine Entscheidung über das Projekt sein soll. Wir konfrontierten das RP mit der Kritik, der ZAKB wollte zu den Vorwürfen der BI im November keine Stellung nehmen.

Im November 2014 kritisierte die BI öffentlich „offensichtlich nachträglich am grünen Tisch vorgenommene Änderungen“ in Gutachten, die „ausgerechnet zu besonders kritischen Fragen des Artenschutzes“ erfolgt seien. Dies habe zur Folge, dass erhebliche Risiken, die noch in den Aussagen auf der Bürgerinfo (Gutachten Stand 12/2013) zutage getreten seien, im Gutachten 03/2014 nicht mehr auftauchten. Gegenwind urteilte auch: Es entstehe der Eindruck, dass die Beobachtungen des Gutachters über den Rotmilan „verharmlosend unzureichend sind, dass hierbei die Standards des Hessischen Leitfadens nicht eingehalten werden, dass die Bewertungen der Beobachtungen verharmlosend tendenziös sind und dass im Gutachten selektiv Informationen, die die Genehmigung gefährden könnten, ausgelassen werden“. Befremdlich sei, dass das Habitatgebiet des Rotmilans im Nachhinein in der Weise gekappt worden sei, dass genau der brisante Bereich im nahen Umfeld zur Deponie herausgeschnitten wurde. Aufgrund der „widersprüchlichen und falschen Aussagen des Gutachters“ könne die Gesamtbewertung, dass es keine Einwirkung der WKA auf den Rotmilan gibt, nicht aufrechterhalten werden.

Zugkorridor verlegt?

Weiter monierte die BI Gegenwind im November: „Der Flugkorridor für Großvögel, der auf der Bürgerinfo gezeigt wurde, verlief mittig genau über den Deponieberg und wies somit einen sehr risikoreichen Verlauf auf. Dieser Zugkorridor wird im späteren Gutachten gar nicht mehr gezeigt, er wurde ersatzlos gestrichen. Für Kraniche verlief der Zugkorridor auf der Bürgerinfo (Gutachten 12/2013) gemeinsam mit den anderen Großvögeln ebenfalls über den Deponieberg. Im späteren Gutachten 03/2014 wurde der Zugkorridor für Kraniche fünf Kilometer weit nach Norden verlegt, raus aus dem Risikobereich des Deponieberges“, so die BI.

„Die vom Regierungspräsidium Darmstadt getroffene naturschutz- und artenschutzrechtliche Entscheidung basiert auf den vom Vorhabensträger vorgelegten Antragsunterlagen in der zuletzt gültigen Fassung vom März 2014“, erläutert jetzt das RP auf Anfrage unserer Zeitung. Hierbei handele es sich um einen landschaftspflegerischen Begleitplan zur Beurteilung eingriffsrelevanter Fragestellungen, faunistische Untersuchungen relevanter Arten, ein Nachweis der FFH-Verträglichkeit des Vorhabens sowie eine Artenschutzprüfung. Damit seien alle genehmigungsrechtlich erforderlichen Unterlagen vorgelegt worden, die behördlicherseits eine Antragsbearbeitung nach den natur- und artenschutzrechtlichen Vorgaben ermöglichten. Diese Unterlagen entsprächen den Anforderungen des Leitfadens „Berücksichtigung der Naturschutzbelange bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen (WKA) in Hessen“ (Umwelt- sowie Wirtschaftsministerium 2012). Sie seien Bestandteil des Genehmigungsantrages und entfalteten insofern eine genehmigungsrechtliche Verbindlichkeit.

„Die Informationsveranstaltung für Bürger im Dezember 2013 wurde in Verantwortung des Vorhabenträgers – ohne Mitwirkung des Regierungspräsidiums Darmstadt – durchgeführt. Dies gilt auch für die Vorstellung einer mutmaßlichen Entwurfsfassung der Planunterlagen“, betont das RP. Die Behörde bewertet also nicht die ursprünglichen, sondern nur die ihr vorgelegten Gutachten.

Die BI Gegenwind kritisierte außerdem: Im Gutachten fehle auch ein Kapitel, in dem eine Gesamtbetrachtung der Deponie und des Umfeldes als Biotop und ihre Einbindung in das faunistische Leben in der Region erfolgt. Eine solche Gesamtschau dürfe nicht nur die einzelnen Vögel separat für sich betrachten, sondern müsste die von einer WKA ausgehende Gefährdung für alle Vögel in der Summe würdigen. In diese Gesamtschau müssten auch die Rohrweihe und der Eisvogel mit eingehen.

Dazu meint das RP: „Gemäß den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes ist von einem Vorhabenträger im Genehmigungsverfahren darzulegen, dass die artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände dem beantragten Vorhaben nicht entgegenstehen.“ Diesem Prüfverfahren sei entsprechend den Anforderungen des „Leitfadens für die artenschutzrechtliche Prüfung in Hessen“ (Hessisches Umweltministerium 2011) immanent, die jeweils relevanten Arten einzeln auf ihre Betroffenheit hin zu überprüfen. Sprich, eine Gesamtschau ist nicht vorgesehen.

„Enormer Zeitdruck“

Scharfe Kritik äußerte der BUND-Kreisverband Bergstraße Anfang dieses Jahres an der durch das RP erteilten Genehmigung für eine Windkraftanlage auf der Hüttenfelder Deponie. Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid verstoße damit gegen ihre eigenen Grundsätze, denn die vom Regierungspräsidium selbst veröffentlichte „Artenschutzrechtliche Bewertung der Suchräume für die Windenergienutzung in Südhessen“ vom Juni 2013 weise im Bereich der Flächen im Umkreis der Deponie für Vögel und Fledermäuse die jeweils höchste Stufe an Konfliktpotenzial auf. „In immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren findet eine konkrete Prüfung des Einzelfalls statt. Dies ist von dem Verfahren zur Aufstellung des Teilplans erneuerbarer Energien zu unterscheiden, welche im Übrigen noch nicht abgeschlossen ist“, befindet das RP hierzu kurz und bündig.

Der BUND übt auch Kritik am RP Darmstadt, weil es die Genehmigung am 9. Dezember 2014 erteilt habe und damit die ehrenamtlichen Naturschützer ebenso wie das in Weihnachtsurlaub befindliche Anwaltsbüro unter enormen Zeitdruck setze, der sich leicht hätte vermeiden lassen. „Für immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren ohne Öffentlichkeitsbeteiligung – wie vorliegend – sieht das Bundes-Immissionsschutzgesetz eine Genehmigungsfrist von maximal drei Monaten vor. Die Genehmigung ist, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind und alle fachbehördlichen Stellungnahmen vorliegen, schnellstmöglich zu erteilen. Darauf hat der Antragsteller einen Rechtsanspruch“, betont das RP und verweist darauf, dass derzeit noch die Klagefrist laufe.

Der BUND hat nach eigenen Angaben einen Rechtsanwalt damit beauftragt, die Möglichkeiten für eine Verbandsklage zu prüfen. Die Umweltschutzorganisation befürwortet Windkraftanlagen dort, wo genügend Wind weht (Windhöffigkeit) und das Konfliktpotenzial mit dem Artenschutz gering ist. Nur dadurch sei gewährleistet, dass die benötigte Menge an Windstrom mit dem geringstmöglichen Eingriff in Natur und Landschaft auskomme und bei den Menschen auf Akzeptanz stoße.

Lampertheimer Zeitung/14.01.2015

Archiv 2014

Die Arbeitsgruppe Fledermausschutz in Hessen (AGFH) hat in ihrem aktuellen 8. AGFH-news-Infoblatt interessante Themen zusammen gestellt; u.a. geht es um die Studie "Energiewende und Naturschutz, Windenergie im Lebensraum Wald, Statusreport und Empfehlungen v. Klaus Richarz" sowie Buchneuerscheinungen, Presseberichte, Veranstaltungstermine...

Die "AGFH-news" hier als download... > 8. AGFH-news Dezember 2014

Kobolde der Nacht suchen Wohnraum

Natur – Fledermäuse reagieren empfindlich auf Veränderungen –
Pappelreihe und Autobahnbrücke als Leitstrukturen

Heppenheim zeichnet sich durch eine Vielfalt von Biotopen aus – Steinbrüche, Weinberge, Gewässer, Wiesen und Laubmischwälder bilden eine abwechslungsreiche Landschaft. Das Stadtgebiet erstreckt sich über Teile des Odenwalds, Bergstraße und Ried. Dieser Abwechslungsreichtum erfreut nicht nur die Menschen, sondern bietet auch Lebensräume für seltene Tierarten. Das ECHO stellt sie in einer Serie vor.

Gesellige Tiere: Dicht drängen sich diese Fledermäuse auf dem Dachboden der katholischen Kirche Sankt Michael in Hambach zusammen. Etwa 200 Tiere stark ist dort die Kolonie Großer Mausohren. Wesentlich seltener ist das Graue Langohr, das Quartiere unter warmen Schieferdächern bevorzugt.
Etwa ein Dutzend Langohren leben unter dem Dach der Hambacher Kirche; eine weitere Population in der Kirche Sankt Peter in Heppenheim. Die Tiere hängen übrigens mit dem Kopf nach unten; das Bild ist senkrecht nach oben fotografiert.  
Foto: Dirk Bernd

HEPPENHEIM.

Fledermäuse hatten in der Vergangenheit nicht den besten Ruf. Bereits Ovid berichtet in seinen Metamorphosen davon, dass die Töchter des Königs von Böotien zur Strafe in Fledermäuse verwandelt wurden. Die Begründung klingt aus heutiger Sicht schräg: Sie hätten am Webstuhl gearbeitet und sich Geschichten erzählt, statt dem Gott Bacchus zu huldigen. Nur in China ist das Wort für Fledermaus gleichbedeutend mit Glück.

Nächtliche Lebensweise gilt als suspekt

Die nächtliche Lebensweise der Tiere machte sie insbesondere im Mittelalter suspekt. Auf vielen Bildern taucht das Böse in Form von Fledermäusen oder mit Fledermausflügeln auf. Auch im untoten Vampir-Mythos spielen die Fledertiere eine prominente Rolle. Dass Fledermäuse sehr soziale Tiere sind und sich auch im Stockdunklen mit Hilfe von Echoortung orientieren können, ist erst seit jüngerer Zeit bekannt. Als Insektenfresser haben sie zudem wichtige Funktionen im Ökosystem. Für die Echoortung erzeugen die Säugetiere Laute verschiedener Frequenzen im Kehlkopf. Die Brechung dieser Signale, die sich mit ihren hoch entwickelten, komplexen Ohren aufnehmen, liefert Informationen über die Position potenzieller Beutetiere im Raum.

Um Verständnis für die „Kobolde der Nacht“ zu wecken, veranstaltet der Nabu jedes Jahr bundesweit Ende August Fledermausnächte. Fledermäuse hätten zwar kaum natürliche Feinde, aber gehörten zu jenen Lebewesen, die am meisten unter intensiver Land- und Forstwirtschaft sowie der Vernichtung natürlicher Lebensräume durch den Menschen leiden, schreibt der Nabu auf seiner Homepage. Durch Modernisierung von Häusern samt Dämmung der Dachstühle fallen immer mehr Schlupfräume für die Tiere weg. Der Nabu vergibt Auszeichnungen als „fledermausfreundliches Haus“, um dem etwas entgegenzuwirken.

Etwa 30 Fledermausarten kommen in Mitteleuropa vor; 17 davon werden in Deutschland in der Roten Liste der gefährdeten Arten geführt. Alle Fledermausarten stehen in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) auch unter europäischem Schutz. Für sieben Arten, die im Anhang II aufgeführt werden, müssen sogar Schutzgebiete im Natura-2000-Netz eingerichtet werden.

Nabu-Mitglied Dirk Bernd hat sich als Verfasser vieler Umweltgutachten zu Bauvorhaben ausführlich mit Fledermäusen beschäftigt. Die Tiere bräuchten nicht nur möglichst ungestörte Rückzugsräume für den Tag, sondern reagieren auch empfindlich auf Veränderungen in ihrem, in einigen Fällen bis zu 20 Kilometer Radius umfassenden Jagdrevier. Fledermäuse orientieren sich zwar im Nahbereich mit Ultraschall; doch für die überörtliche Orientierung bräuchten sie Leitstrukturen jeweils in einigen Kilometern Abstand. Werden diese entfernt, irrten die Tiere herum. „Im Extremfall kann dann eine ganze Kolonie auseinanderfallen“, betont Bernd. Dazu kommt, dass Fledermäuse eine geringe Reproduktionsrate haben und viele Arten pro Jahr nur ein Junges aufziehen.

Charakterkopf: Großes Mausohr im Porträt  Foto: Dirk Bernd

Solche Eingriffe häuften sich zurzeit in Heppenheim. Bernd nennt die von Umweltschützern scharf kritisierte Fällung der Pappelreihe im Gewerbegebiet Süd als Beispiel. Die hohen Bäume hätten vielen Fledermausarten als Leitstrukturen gedient. Werden, wie vom Bürgermeister versprochen, neue Pappeln westlich der Autobahn gepflanzt, dauert es Jahrzehnte, bis diese am neuen Ort wieder Leitfunktionen erfüllen können.

Dass nicht nur hohe Bäume, sondern auch Autobahnbrücken wichtige Leitstrukturen sind, überrascht dagegen. Wasserfledermäuse, die am Bruchsee jagen, hätten die abgebrochene Autobahnbrücke an der Hüttenfelder Straße zur Orientierung genutzt, erläutert Bernd. Durch die Ausstattung der Tiere mit Sendern fanden die Biologen heraus, dass die Tiere in Baumhöhlen im Lampertheimer und Lorscher Wald leben. Eine vierspurige Autobahn könnten sie nicht ohne Weiteres überqueren. Ihr ganzes Leben hätten sie die Brücke zur Orientierung genutzt. Fehlt diese plötzlich eines Nachts, „lassen sich die Tiere fallen, fliegen in den Straßenbereich und kollidieren mit Autos“, so Bernd. Eigentlich hätte Hessen Mobil dies berücksichtigen müssen.

Auch die Pläne für neue Windkraftanlagen insbesondere in Waldgebieten stoßen auf Kritik. Besonders kritisch sieht Bernd die geplanten Windräder auf der stillgelegten Mülldeponie in Lampertheim-Hüttenfeld. Dort lebe in der Nähe die extrem seltene Große Bartfledermaus, von der es nur vier Kolonien in ganz Hessen gibt.

Seltenes Graues Langohr in Hambacher Kirche

Neben all den Negativbeispielen nennt Bernd aber auch Positives: Eine große Kolonie mit 200 Exemplaren des Großen Mausohrs lebt auf dem Dachboden der katholischen Kirche Sankt Michael in Hambach. In Hessen gebe es etwa 50 Kolonien dieser Art. Während das Mausohr noch relativ häufig ist, dient die Kirche auch als Unterschlupf für das seltene Graue Langohr. Die sehr wärmeliebende Art bevorzuge Schieferdächer und bildet Kleinkolonien mit knapp einem Dutzend Tieren. Eine weitere Kolonie lebt unter dem „Dach des Doms der Bergstraße“, der katholischen Pfarrkirche Sankt Peter in Heppenheim. Im Winter siedeln die Mausohren übrigens noch einmal um: Für den Winterschlaf bevorzugen sie das frühere Marmoritwerk in Hochstädten.

Kobolde der Nacht suchen Wohnraum (veröffentlicht am 14.11.2014 00:07 auf echo-online.de)

Naturschutzbund: Besichtigung der Überschwemmungsfläche am Rheindamm

Weg endet in der Wildnis

Lampertheim. Eine ganze Kolonne Radler fuhr am Sonntag auf dem Winterdamm in Richtung der neuen Auenlandschaft zwischen Lampertheim und dem Norden Mannheims. Ihr Ziel war die Besichtigung der neu gestalteten Überschwemmungsfläche, die mittlerweile viele Ausflügler anlockt. Der Lampertheimer Naturschutzbund hatte zur naturkundlichen Radtour diese Route ausgewählt, um neben der Besichtigung des Areals auch Informationen zur ökologischen Entwicklung zu geben.

Am ersten Halt an der alten Schließe konnten die Teilnehmer auf den neuen begrünten Sommerdamm blicken. Hinter dem bestehenden Rheinhauptdeich wurde dieser neue Hochwasserschutzdamm errichtet und der alte Deich teilweise abgetragen. "Dadurch entstehen wieder Überflutungsauen, die durch die Rheinbegradigung abgeschnitten worden waren", erklärte Nabu-Mitglied Dieter Melchior. Er faltete eine Karte aus, die als Orientierungshilfe diente und auch das neue Schlutensystem darstellte. "Diese Flachwasserrinnen wurden in die Überschwemmungsflächen eingebaut, so dass bei Hochwasser das Rheinwasser in den Überschwemmungsraum einfließen und das Becken ausfüllen kann", erklärte er. So blieben weitere Gebiete abwärts vom Hochwasser verschont.

Teiche für Amphibien

Zudem seien Teiche für Amphibien sowie Eiablageplätze für Sumpfschildkröten angelegt worden. Ein kleiner Weidenwald war entstanden. Da es noch einige städtische Flächen gibt, die bisher nur geplant, aber noch nicht gestalterisch umgesetzt wurden, wünschte er sich eher offene Flächen, wie Feuchtwiesenbiotope und Röhrichtflächen, anstatt weiterer Waldflächen. "So können auch hier wieder bedrohte Wiesenbrüter wie etwa der Kiebitz heimisch werden", erklärte Melchior.

Am Pumpwerk gegenüber von Kirschgartshausen erklärte er dessen Funktion. "Falls Wasser über den Damm schwappt, sammelt es sich in den angelegten Teichen und wird wieder zurückgepumpt", erklärte Melchior. Wie auch die Teilnehmer feststellten, sei die dortige Wegführung noch nicht ausgereift. So ende ein Weg abrupt und führe sozusagen in die Wildnis, was problematisch für die sich dort ansiedelnde Tierwelt sei. Kritisiert wurde, dass der Sommerdamm zum Teil so stark bewachsen ist, dass ein Fortkommen fast unmöglich sei.

Melchior teilte mit, dass mittlerweile schon Laubfrösche gehört wurden. Auch einige Watvögel wurden gesichtet. Bernd Schollenberger, ein Teilnehmer der Radtour, konnte dies bestätigen. Er hatte an mehreren Tagen eine Uferschnepfe beobachtet und fotografisch festgehalten.

© Südhessen Morgen, Mittwoch, 01.10.2014 /aha

Fledermäuse sind streng geschützt

Wasserfledermäuse, Flugsequenz
Foto: NABU/G. Mäscher

TIERWELT Naturschutzbund hat mehr als 50 Gäste bei der „Batnight“ am Altrhein

LAMPERTHEIM - (ulm). Der NABU-Ortsverband veranstaltete am Freitagabend wieder eine sogenannte „Batnight“, dabei werden Fledermäuse beobachtet. Die „Batnight“ bietet allen Interessierten die Möglichkeit, diese erstaunlichen Tiere aus nächster Nähe kennenzulernen. Sie findet traditionell Ende August statt – und das mittlerweile in über 30 europäischen Ländern. Mehr als 50 Personen fanden sich am Altrhein ein, um mit auf Fledermauspirsch zu gehen.

Gesichtet wurden anfangs einige Große Abendsegler, nach Einbruch der Dunkelheit etliche Wasserfledermäuse. Die Aktiven des Naturschutzbunds klärten die Gäste darüber auf, dass in Lampertheim 15 Arten nachgewiesen sind, deutschlandweit seien es 23 Arten. Man unterscheidet zwischen „Haus-“ und „Waldfledermäusen“. Hausfledermäuse leben in der Nähe des Menschen, Beispiele sind Breitflügelfledermaus, das Mausohr und die Zwergfledermaus. Waldfledermäuse leben in Wäldern, Beispiele sind Abendseglerarten, die Bechsteinfledermaus, die Wasserfledermaus und die Rauhhautfledermaus.

„Die Fledertiere werden in zwei Unterordnungen eingeteilt: Fledermäuse und Flughunde. Sie sind nahe verwandt und sind als einzige Säugetiere zu aktivem Flug fähig“, hieß es. Flughunde seien nur in wärmeren Regionen zuhause – den Subtropen und Tropen Afrikas, Südostasiens und Australiens. Fledermäuse gebe es weltweit außer in der Arktis und Antarktis. Erklärt und gezeigt wurden Fledermäuse anhand eines Plakates und Fledermäusen aus Stoff. Hierbei konnte auch die Anatomie aufgezeigt werden: Die Tiere haben fünf Fingerknochen, Ohren, Ohrdeckel (Tragus), Nase, Füße und Flughaut.

„Fledermäuse geben Schallwellen durch Mund oder Nase ab. Die hochfrequentierten Töne können mittels eines Bat-Detektors in für das menschliche Ohr hörbare Laute moduliert werden“, so der NABU.

Auch die Kinder wurden in den Programmablauf einbezogen – etwa bei der Darstellung eines Jagdfluges einer Wasserfledermaus, die ein treibendes Insekt von der Wasseroberfläche aufnimmt.

„Fledermäuse gehören europaweit zu den streng geschützten Arten, haben eine wichtige Funktion im Haushalt der Natur. Fledermäuse sind auf geeignete Quartiere angewiesen. Wichtig für sie sind Tagesschlaf, Paarung, Jungenaufzucht (sogenannte Wochenstuben), Winterschlaf, Schutz vor Witterung und Feinden. Fels- und Erdhöhlen, Felsspalten, Baumhöhlen und abgelöste Rindenstücke sind natürliche Unterschlupfmöglichkeiten“, erläuterten die Naturschützer.

In den 70er Jahren sei in Deutschland ein historischer Tiefstand der Fledermauspopulationen erreicht worden. Gründe seien gewesen: die Langzeitwirkung von DDT, das erst 1975 in Deutschland verboten wurde, die Umgestaltung der Landschaft im Namen des Fortschritts durch Trockenlegung von Feuchtgebieten, Flussbegradigungen und Flurbereinigungen.

Durch Schutzmaßnahmen hätten sich die Bestände teilweise leicht erholen können. Einige gelten jedoch in Süddeutschland weiterhin als ausgestorben: die Mopsfledermaus und die Kleine Hufeisennase.

Ersatz-Quartiere in Siedlungen seien an und in Gebäuden Dachböden, feuchte Keller, Zwischenräume zwischen Wänden und Fensterläden und Hohlräume unter Wandverkleidungen oder kleine Öffnungen im Mauerwerk. Dennoch seien Fledermäuse weiterhin bedroht: durch Quartiermangel, Einsatz von Insektiziden, Biotopverlust, Störungen, Zerstörung von Quartieren, Windkraftanlagen in Wäldern und an Waldrändern – es droht die Kollision mit den Rotorblättern oder durch das sogenannte Barotrauma (Unterdruck, es platzen die inneren Organe).

„Strukturreiche, naturnah bewirtschaftete Landschaften mit Gewässern und Feuchtgebieten bieten Fledermäusen eine gute Lebensgrundlage“, erklärten die Naturschützer.

Lampertheimer Zeitung / 02.09.2014

Biotop für die Feldlerche

NABU hat Ackergrundstück als Sand-Ökosystem für bedrohte Arten auserkoren

LAMPERTHEIM - (car). Mit dem Erwerb eines Grundstückes mitten in einem landwirtschaftlichen Umfeld möchte die Ortsgruppe des Naturschutzbundes (NABU) in Lampertheim eine Ausgleichsfläche schaffen. Dabei sollen vor allem die Pflanzen- und Tierarten eine Chance bekommen, die auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen, erklärt der Zweite Vorsitzende des NABU Lampertheim, Klaus Feldhinkel. So erhoffen sich die Naturschützer einen Erhalt der botanischen Vielfalt.

Die ehemalige Pferdekoppel, die dem NABU durch die Brüder Jürgen und Günter Hentschel aus der Pfalz zur Verfügung gestellt wurde, soll nun so effektiv wie möglich für den Naturschutz genutzt werden.

In diesem Rahmen wurden am Samstag, 28. Juni, erste Maßnahmen getroffen. Nach dem Kauf des Ackerstreifens im Gebiet „Auf der Heide“ musste zunächst die obere Bodenschicht abgetragen werden. Diesen Schritt übernahm die Firma Medert Recycling GmbH. Das überschüssige Erdreich umgab das Feld am Ende der Aktion wie ein Schutzwall, der vom Wind herbeigetragene Samen abschirmen soll.

Nach einer botanischen Oase sieht das umgegrabene Feld jedoch noch nicht aus. Dazu müssen natürliche Sukzession oder bestimmte, vom NABU verstreute Samenmischungen, beitragen. Wie man das weitere Vorgehen handhaben soll, ist noch nicht beschlossen. Die Natur soll dabei jedoch die entscheidende Kraft sein. Innerhalb eines Jahres seien erste Ergebnisse zu erwarten – ob das Projekt in Zukunft als Erfolg oder Misserfolg eingestuft werde, sei noch unklar, berichtet der Zweite Vorsitzende. Ebenso wenig wisse man im Vorfeld, welche Pflanzenarten das Gebiet einnehmen. Vor allem eine Sandmagerrasenflora wird aufgrund der gegebenen Bedingungen erwartet.

So natürlich wie möglich

„Das Gebiet wird weder bewässert noch gedüngt“, so Feldhinkel. Der nährstoffarme Sandboden sei somit ein Standort für Spezialisten. Nach zahlreichen Boden- und Pflanzenproben kann das Projekt beginnen – auch für die Mitglieder des NABU eine spannende und neue Angelegenheit. „Zunächst einmal wurde diskutiert, ob auf dem Ackerstreifen nicht eine Streuobstwiese angelegt werden könnte“, erinnert sich der Zweite Vorsitzende. Kassenwart Dieter Melchior ist mit der endgültigen Entscheidung für einen Sandrasen zufrieden: „Eine Streuobstwiese braucht viel Pflege. Außerdem müssten wir zunächst den Boden aufwerten und somit eingreifen. Das Gebiet soll so natürlich wie möglich belassen werden.“ An dieser Entscheidung war auch ein Botaniker der Technischen Universität Darmstadt beteiligt, von dem der Vorschlag ursprünglich stammt. Der Ideengeber steht auch in Zukunft mit Rat und Tat zur Verfügung.

Neben der ehemaligen Storchenstation und der Sandgrube Feuerstein kommt mit dem neu erworbenen Ackerstreifen ein drittes großes Projekt auf die Liste des Naturschutzbundes. Im Sinne der Biotopvernetzung bietet dieses einen weiteren Standort für spezialisierte und gefährdete Arten sowie eine neue Blühfläche für Insekten. Weiterhin bietet die Ackerfläche ein offenes und trockenes Gelände, was vor allem der Feldlerche zugutekommt, denn ihr Lebensraum wurde durch die intensive Landwirtschaft zunehmend eingeschränkt.

Lampertheimer Zeitung / 01.07.2014

25.05.2014/Botanische Exkursion im Lampertheimer Naturschutzgebiet

Botanische Exkursion - Essbare Wildpflanzen

Spannende Geschichten aus der Welt der Pflanzen erwarteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich bei strahlendem Sonnenschein um 10.00 Uhr an der Branntweinbrücke eingefunden hatten. „Besondere und essbare Pflanzen auf dem Biedensand“, so lautete der Titel der NABU-Exkursion, die von Gärtnermeister Klaus Feldhinkel geleitet wurde. Nur wenige Schritte waren nötig, um die ersten genießbaren Exemplare zu entdecken, darunter Spitzwegerich, Giersch, Kamille und Hundsrose. Doch selbst bei so bekannten Arten wie der Brennnessel wusste Klaus Feldhinkel Erstaunliches zu berichten: inzwischen werden Forschungen angestellt, um aus den Fasern der Brennnessel Kleidungsstücke herzustellen. Die Qualität verspricht besser zu werden als Baumwolle und soll sich, so der Gärtnermeister, wie Seide anfühlen.

Viele Pflanzen, die als giftig klassifiziert sind, wurden in vergangenen Zeiten als Heilmittel in der Apotheke verkauft, frei nach dem Satz von Paracelsus, des berühmten Arztes aus dem Mittelalter, "die Menge macht das Gift".

Doch nicht nur zum Essen eignen sich viele Arten, die meist unbeachtet am Wegesrand stehen. Die unscheinbare, aber giftige Weg-Rauke beispielsweise, diente in der Vergangenheit als Besen, das stabile Holz des Hartriegels wurde – wie der Name schon sagt – zum Verschließen von Toren verwendet. Bei einem kurzen Ausflug in die Tierwelt des Biedensands konnten die Gallen einer  Wespenart auf den Blättern einer Ulme bewundert werden. Die Gallwespe legt ihre Eier ins Innere von Blättern um Ihre Brut vor Witterungseinflüssen zu schützen. Doch eine Frage bringt selbst den Nabu-Experten immer wieder zum Staunen: Woher weiß die Klette, dass es Tiere mit Fell gibt, an denen sie sich mit ihren Widerhaken festhalten kann?

Die zwei Stunden vergingen wie im Flug. Eine gelungene und sehr abwechslungsreiche Reise durch die Pflanzenwelt, das war die einhellige Meinung der Teilnehmenden. Eine weitere Exkursion dieser Art findet am 15. Juni statt.

Text/Bild S. Ackermann

NABU: Pflanzentauschbörse auf dem Schillerplatz erfreut sich großer Beliebtheit /
Brauchbare Tipps für Gartenfreunde

Olivenkraut wechselt Besitzer

Von unserer Mitarbeiterin Rosi Israel

Lampertheim. Es scheint eine Vielzahl von Pflanzen- und Naturfreunden in Lampertheim zu geben. Immer neue Interessenten treten an den Stand der NABU-Vereinsmitglieder heran. Viele sind gezielt auf den Schillerplatz gekommen, andere machen nach ihrem Besuch des Wochenmarktes halt. Jedenfalls erfreut sich die Pflanzentauschbörse großer Beliebtheit.

Hier werden heimische Kräuter- und Zierpflanzen getauscht oder von den NABU-Mitgliedern gegen eine Spende abgegeben. Doch es wechseln nicht nur Pflanzen die Besitzer. Die Tauschgeschäfte beziehen sich auch auf gärtnerische Erfahrungen, und es wird so manche Anekdote erzählt. Die Naturschützer erklären, wie man eine prächtige Blütenkombination schaffen, einen Garten natürlich bestellen und eigenes Saatgut gewinnen kann.

Plädoyer für Naturgarten

Andrea Hartkorn, Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe Lampertheim, plädiert für einen Naturgarten. Er sehe nicht nur bunter aus, es sei eine wahre Oase für die heimische Tierwelt. Dort tummeln sich vor allem Insekten wie fleißige Bienen und Hummeln in den Blütenbeeten. Gartenfachmann und zweiter Vorsitzender Klaus Feldhinkel bringt viele Ideen für einen schönen, natürlichen und ertragreichen Garten ein. Und die Passanten lauschen gerne seinen Pflanzen- und Gartentipps. "Das ist ein Oldie", sagt er über die zarten Salatpflänzchen der Sorte "Altenburger Winter". Wie auch einige althergebrachte Erbsenarten soll dieser Salat die Hausgärten und Küchen erobern. "Es ist eine Wiedereinführung von alten Nutzpflanzen", erklärt der Gärtnermeister. Das Saatgut hat Klaus Feldhinkel vom Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen (VERN) in Brandenburg. Die historische Sorte sei extra gezüchtet worden und tolerant gegenüber Kälte.

Ein Gartenliebhaber ist auch Manfred Manske. Er hat Buchs und griechischen Flieder mit zur Tauschbörse gebracht. Besonders von der Spezialität aus Griechenland schwärmt der Lampertheimer: "Er blüht wunderbar und riecht betörend." Auch hat er gleich eine Rispe als Anschauungsmaterial dabei. Im Gegenzug nimmt Manske für seinen Kräutergarten Zitronenmelisse mit nach Hause. Christel Diehlmann greift zu Iris-Pflanze und Olivenkraut. Dieses erinnert an Rosmarin, nur die Blätter sind wesentlich graziler. Dafür hat sie Storchenschnabel frisch aus ihrem Garten ausgebuddelt und mitgebracht. Sie findet die Pflanzentauschbörse "eine super Sache". Ihr gefalle der Erfahrungsaustausch mit den Gartenliebhabern. Jeanette Müller fragt Klaus Feldhinkel, welche Pflanzen sich für einen sonnigen Standort eignen. "Probieren Sie es mal mit einer Baptisia", empfiehlt der Gartenfachmann. Und fügt hinzu: "Der japanische Ingwer braucht es ebenfalls hell und warm." Auch die Minzearten benötigen viele Sonnenstunden, und deshalb wandert bei Jeanette Müller auch Pfefferminze in das Pflanzenkörbchen.

Auch die Naturschutzjugendgruppe ist vor Ort. Maren Gerlach zeigt Nistkästen. Und Vater Ralf Gerlach erläutert die verschiedenen Arten der Nisthilfen. Auch die Nistkästen der Mini-THW-Gruppe wechseln den Besitzer, allerdings nicht im Tausch, sondern gegen eine Spende.

© Südhessen Morgen, Montag, 14.04.2014

NABU: Tag der offenen Tür an der Sandgrube Feuerstein

Molchmännchen machen Eindruck

Lampertheim. Wie schon in den vergangenen Jahren öffnete der Lampertheimer Naturschutzbund (NABU) seine Türen zur Sandgrube Feuerstein. Große und kleine Naturfreunde erfuhren dabei Wissenswertes über das schützenswerte Biotop sowie über die momentane Amphibienwanderung.

Bei der Begrüßung berichtete die Vorsitzende Andrea Hartkorn über die Grube, in der in früheren Zeiten Sand abgebaut wurde. Seit etwa 20 Jahren sei sie stillgelegt und mittlerweile ein gutes Beispiel dafür, wie frühere Wunden in der Landschaft verheilen und zu Rückzugsgebieten für bedrohte Tiere und Pflanzen werden können.

Das Biotop werde durch Grundwasser gespeist und biete zudem vielen Vogelarten ein ideales Rückzugsgebiet. So seien hier schon Eisvogel, Grau- und Seidenreiher sowie die seltene Rohrweihe gesichtet worden. Auch Blässrallen, Zwergtaucher, Stockenten und Teichrohrsänger fühlten sich hier wohl.

Kröten auf Wanderschaft

Gegenüber der Sandgrube am Waldrand stehen momentan noch die Amphibienschutzzäune, die aber demnächst wieder abgebaut werden sollen. "Letztes Jahr hatten wir im Frühjahr einen Kälteeinbruch. Er verursachte einen Rückgang von Kröten, Fröschen und Molchen", erklärte Mitglied und Amphibienschutzexperte Gerd Will. So seien nur etwa 500 Amphibien gezählt worden. "Es dauert ein paar Jahre, bis sich der Bestand wieder stabilisieren wird". Dieses Jahr habe es bessere Bedingungen gegeben und bisher hätten sich schon wieder viel mehr Tiere auf ihre Wanderschaft zu ihrem Laichgewässer in der Sandgrube begeben. Darunter auch die seltenen Kreuzkröten.

Zweiter Vorsitzender Klaus Feldhinkel führte die Besucher um die Sandgrube herum. Diese bietet mit ihrem typischen Mikroklima und einer Vielzahl von hoch spezialisierten Pflanzen und Tieren mit sehr geringen Ansprüchen einen optimalen Lebensraum. Borstige unscheinbare Gräser, die Hitze und magerem Sandboden trotzen, sind hier genauso vertreten wie die wärmeliebenden und auffallend gelb blühenden Nacht- und Königskerzen.

Bedürfnisse der Pflanzen

"Das Aussehen der Pflanze sagt schon viel über ihre Bedürfnisse aus", erklärte Feldhinkel in Bezug auf die Standortwahl. Einige Pflanzen schützten sich mit feinen Härchen und einer dünnen Wachsschicht vor der Sonneneinstrahlung, die die Blätter silbrig erscheinen lassen. Er zeigte auf eine Wertmutpflanze, die mit ihrem silbrigen Blattwerk auf dem Sandboden gut zu erkennen war. "Dies deutet darauf hin, dass sich die Pflanzen an sonnigen Standorten wohl fühlen und auch Trockenheit sehr gut vertragen", fügte er an.

Die kleinen Besucher konnten sich noch die Laichschnüre von Kröten in einem Glas ansehen. In drei Aquarien waren einige Amphibienarten zu betrachten, etwa Teich- und Bergmolche. Die Molchmännchen zogen die Besucher besonders in ihren Bann, denn sie zeigen nun während der Paarungszeit einen Rückenkamm und einen leuchtend orangefarbenen Bauch. aha

© Südhessen Morgen, Mittwoch, 09.04.2014

THW: Mini-Gruppe überreicht gebastelte Nistkästen an den NABU

Heimat für die Vogelwelt

Foto: Südhessen Morgen / sto

Lampertheim. Die ehemalige Storchenaufzugstation am Sandtorferweg ist der Stützpunkt des Naturschutzbundes (NABU) Lampertheim. Idyllisch gelegen, mit einem kleinen Teich mitten in der Wildnis, ist es der ideale Standort für Alles, was kreucht und fleucht. Auch Nistkästen für die Vogelwelt hängt der NABU hier gerne auf, wie die Vorsitzende Andrea Hartkorn erzählt. Bedarf an den Behausungen sei immer vorhanden.

Das dachte sich auch Jennifer Schollhof vom Technischen Hilfswerk (THW) Lampertheim, die eine Mini-Gruppe mit 24 Kindern im Alter von sechs bis neun Jahren betreut. Zweimal in der Woche findet ein Treffen statt, bei dem außer der Vermittlung von Grundwissen auch praktisch Hand angelegt wird. Dabei entstanden in mühevoller Kleinstarbeit auch die Vogelkästen.

Die Schlupflöcher ließen die Kinder bewusst weg, damit der NABU selbst entscheiden kann, welcher Vogelart die Behausung angeboten werden soll. Ferner wurde die Übergabe auch gleich genutzt, um etwas Naturkunde zu betreiben. Dieter Melchior erläuterte anhand von Schaubildern die verschiedenen Vogelarten, Andrea Hartkorn stellte Lurche und Frösche vor, die bei uns heimisch sind.

Zufrieden ging man danach auseinander: Der NABU hat neue Nistkästen und die THW-Kinder haben eine nützliche Tat vollbracht. sto

© Südhessen Morgen, Donnerstag, 03.04.2014

NABU Mitglieder bauen Schutzzaun für
Kröten, Teichmolche und Co.

Foto: Südhessen Morgen / bere

Von Carolin Jesussek

04.03.2014

LAMPERTHEIM - Mit diesem Ziel wandern jährlich Tausende Erdkröten, Teichmolche und Grasfrösche zum Naturreservat Sandgrube Feuerstein in der Lampertheimer Heide. Um den Amphibien diesen Weg so leicht und sicher wie möglich zu gestalten, trifft die Ortsgruppe des Naturschutzbundes Lampertheim auch Ende dieses Winters langjährig erprobte Maßnahmen.

Zur frühen Morgenstunde des vergangenen Samstags startet das Projekt, bei dem etwa zehn fleißige Helfer beim Aufbau des Amphibienschutzzaunes mitwirken. So erscheinen die geübten Mitglieder pünktlich und gut ausgerüstet mit Spaten, Gummistiefeln und wettergerechter Kleidung. Holzpfähle, Eimer und das Material zur Abgrenzung liegen schon bereit, als im Verlauf des Vormittages immer mehr Kinder und Jugendliche eintreffen. Eingewiesen werden diese von den fachkundigen Freiwilligen wie der Ersten Vorsitzenden Andrea Hartkorn und der Jugendleiterin Anke Diehlmann. Anhand von Bildern werden zunächst die verschiedenen Amphibienarten erklärt, damit die jungen Helfer sich ein Bild machen können, wem genau sie eigentlich helfen.

Geübte Handgriffe

Wie man einen Amphibienschutzzaun baut, machen Naturliebhaber Dieter Melchior, Gerd Will und Walter Liesewitch vor. Seit etwa 30 Jahren wird diese Maßnahme nun schon durchgeführt, durch geübte Handgriffe dauert der Aufbau nur zwei Stunden. Zuerst muss das zu verzäunende Gebiet abgesteckt werden, erklärt Hartkorn, „anschließend rollen wir den Schutzzaun am Straßenrand entlang auf, hacken einen Graben und befestigen den Zaun mithilfe von Holzpflöcken“. Zum Auffangen der Amphibien befinden sich in Abständen von zehn Metern Eimer, die in die Erde eingelassen werden. Morgens und abends werden diese von den engagierten NABU-Mitgliedern Will und Liesewitch nach statistischer Erfassung sicher auf die andere Straßenseite gebracht. Dort können die Amphibien die Gewässer der Sandgrube Feuerstein benutzen, um ihren Laich abzulegen.

Ohne den Schutzzaun ist ein sicheres Überqueren der Straße sehr risikoreich. Nachdem die etwa einen Meter tief vergrabenen Amphibien sich zum Frühlingsbeginn wieder an die Erdoberfläche begeben, werden sie vom Verkehr bedroht. Von der gegenüberliegenden Seite wird der Zugang zur ehemaligen Sandgrube bereits durch festinstallierte Krötentunnel, die unter der K 3 verlaufen, garantiert. Der Feldweg wird zur Hauptzeit der Amphibienwanderung durch einen mobilen Zaun gesichert, der nach einem Monat wieder abgebaut wird.

Eine bessere Lösung sehen die NABU-Mitglieder darin, die Straße für diesen Zeitraum zu sperren. Es bestehe die Möglichkeit, den Feldweg zu umgehen, so Hartkorn. Autofahrer gelangen weiterhin an ihre Ziele, und der Schutz der Amphibien wäre gewährleistet. Bisher konnte diese Idee noch nicht umgesetzt werden, obwohl sie den Naturschützern die Arbeit erleichtern würde.

Vor allem in diesem Jahr hofft Gerd Will wieder auf die gewohnten Zahlen der wandernden Amphibien. Unerwartete Rückkehr des Frosts hatte vor wenigen Jahren zum Erfrieren vieler Tiere geführt, eine Verringerung der Population gehe damit einher. „Dieses Jahr gab es noch keine richtige Frostperiode. Wenn das so bleibt, erholt sich die Population, und es wird ein gutes Jahr für die Amphibien.“

Diese positive Prognose motiviert die Helfer. Sie alle tun der Natur und den Amphibien etwas Gutes. So ist die Ortsgruppe Lampertheim auch weiterhin auf der Suche nach zum Verkauf stehenden Privatgrundstücken, die sie zu einem Rückzugsort für schutzbedürftige Tiere machen können. „Wir engagieren uns für mehr grüne Flecken in dieser Plastikplanenwelt“, fasst Diehlmann zusammen. Dieses Ideal vermitteln sie auch den jungen Helfern, die am Samstag anwesend sind. „Kinder sollten schon früh für die Natur sensibilisiert werden“, findet Hartkorn.

Dazu dient des Weiteren der Tag der offenen Tür in der Sandgrube Feuerstein im Frühjahr, bei dem Amphibienarten gezeigt werden und angefasst werden dürfen.

Archiv 2013

Auszeichnung für Familie/
Flattermänner in Hofheim eher selten

Von Petra Gahabka

Gerhard Eppler, Andrea Hartkorn und Dieter Melchior (von links) überreichen der Hofheimer Familie Engelhardt die Urkunde für ihr fledermausfreundliches Haus. Foto: AfP Asel

30.12.2013/HOFHEIM/RIED - Seit Jahren bietet das Haus der Familie Engelhardt in der Mainstraße Fledermäusen ein Zuhause. Am Samstagmorgen bekamen sie dafür vom Naturschutzbund Hessen und der Stiftung Hessischer Naturschutz im Rahmen der Aktion „Fledermausfreundliches Haus“ eine Urkunde verliehen.

Überbringer war kein geringerer als der NABU-Landesvorsitzende Gerhard Eppler, seine Unterschrift und die von Staatsministerin Lucia Puttrich zieren die Auszeichnung. Außerdem mit ihm Gepäck: Plakette, Buch und Poster. Begleitet wurde der gebürtige Hofheimer von Andrea Hartkorn, Erste Vorsitzende der NABU-Gruppe Lampertheim und Ansprechpartnerin in punkto Fledermausschutz und deren Vorstandskollege Dieter Melchior.

Dachböden und Hohlräume

Wie kaum eine andere Tiergruppe sind die kleinen Säugetiere in ihrer Wohn- und Lebensweise vom Menschen abhängig und auf überlebensnotwendigen Unterschlupf an Gebäuden angewiesen, wo sie vorzugsweise Dachböden und Hohlräume besiedeln – so wie bei der Familie Engelhardt.

Das Quartier zwischen Verblendung und Fassade misst nur wenige Zentimeter, den fünf Gramm schweren Zwergfledermäusen reicht das, erklärt Hartkorn. „Sie können sich flach machen und passen in jede Ritze.“ Als Christian Engelhardt vor rund sechs Jahren die kleinen Mitbewohner entdeckte, wollte er mehr über sie wissen. Auf der Internetseite des NABU fand er zahlreiche Informationen und wurde auf die fledermausfreundliche Aktion aufmerksam.

Per E-Mail nahm er Kontakt zu der Geschäftsstelle in Wetzlar auf und bekam daraufhin im September Besuch von Naturschützer Eppler, der anhand von Kotfunden die Art bestimmte. Das Quartier der Zwergfledermäuse ist für Eppler eine spannende Angelegenheit. Denn im Gegensatz zu den umliegenden Gemeinden sind in Hofheim nur sehr selten Fledermäuse zu beobachten.

Mit der Urkundenverleihung stehen die Engelhardts in einer honorigen Reihe, wenige Tage zuvor hatte der NABU-Mann das Kloster Eberbach ausgezeichnet. Über 800 Gebäuden in Hessen wurde diese Ehre bisher zuteil. Die Flattermänner haben Sympathiewerbung dringend nötig, um keine anderen Tiere ranken sich so viele Mythen wie um sie. Verdient haben sie das schlechte Image nicht, denn Fledermäuse zählen zu den bedrohten und daher unter Schutz gestellten Tierarten. Sie sind ein wichtiger Teil der Ökosysteme, regulieren Insektenbestände und verbreiten Pflanzen, indem sie Blüten bestäuben oder Früchte fressen und die Samen weitertragen. Weltweit gibt es etwa 900 Fledermausarten, davon 37 in Europa und in Deutschland 24. Im Kreis Bergstraße sind 14 Arten beheimatet. Eppler berichtet von der größten Kolonie Hessens auf dem Kühkopf mit 800 Mückenfledermäusen und Privathäusern mit 200 Tieren.

Vier Familien

In der Mainstraße 7 haben sich mittlerweile vier Fledermausfamilien einquartiert. „Es ist ein Spektakel im Sommer“, berichtet Alexandra Engelhardt. Dass es im Juni in der Kinderstube gehörig quietscht freut auch die Söhne David und Justin. Seit Ende August herrscht unter der Metallverblendung jedoch Funkstille. Ob die Tiere in ein Winterquartier geflogen sind oder noch vor Ort sind, vermochte keiner der anwesenden Experten zu sagen. Wie auch immer, die vier Fledermaus-Freunde freuen sich schon jetzt auf den Frühling, denn erfahrungsgemäß geht es ab Ende April im Quartier wieder rund.


GATTUNG
Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) gehört zur Familie der Glattnasen und ist die meistverbreitete europäische Fledermausart. Sie gehört zu den kleinsten Vertretern der Säugetiere und ist neben der Mückenfledermaus eine der kleinsten innerhalb ihrer Gattung.

Vergiftung ist Ursache



LAMPERTHEIM - (olo). „Im Juli dieses Jahres wiesen über 40 Bienenvölker in Lampertheim Anzeichen einer Vergiftung auf. Die Imker hatten alle ihre Flugbienen verloren und waren bis auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Volksstärke geschrumpft“, teilt der Lampertheimer NABU am Mittwoch mit. Der Pflanzenschutzdienst sei daraufhin eingeschaltet worden. „Es wurden Bienen- und Pflanzenproben entnommen und an das Julius-Kühn-Institut (Bundesforschungsanstalt für Kulturpflanzen) geschickt. Die auffälligen Proben wurden auf rund 250 verschiedene Wirkstoffe untersucht. Die Laborergebnisse bestätigten, dass die Bienen durch Pflanzenschutzmittel vergiftet worden waren. Sie kamen mit den bienengefährlichen Substanzen Dimethoat und Clothianidin in Kontakt, berichet das Deutsche Bienen-Journal in seiner Dezemberausgabe“, so der NABU.

Dimethoat, das gegen Spargelfliegen ausgebracht werde, habe sich zudem auf allen untersuchten Spargelproben befunden. Es dürfe jedoch nicht während der Blüte verwendet werden. Clothianidin sei in einer Probe gefunden worden. Der Einsatz von Clothianidin sei im Spargelanbau generell nicht zugelassen. „Der Verursacher wurde bisher noch nicht ermittelt. Die Imker teilten dem NABU mit, dass sie sich momentan mit den örtlichen Landwirten in einem konstruktiven Dialog befinden, so dass künftig Fehler bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ausgeschlossen werden können“, so die Naturschutzorganisation. Die Imker seien nicht auf eine Entschädigung aus. Ihr Hauptanliegen sei nun die Vermeidung erneuter Vergiftungen.

Gerd Knecht, Vorsitzender des Ortsbauernverbandes, sagte auf Anfrage unserer Zeitung, die Landwirte betrieben noch Ursachenforschung und betont: „Das hatten wir noch nicht erlebt. Auch wir brauchen die Bienen zum Bestäuben.“ Die Landwirte informierten sich stets über das Internetportal des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit über zugelassene Pflanzenschutzmittel und ihre Anwendung – darauf habe man vertraut. „Wir haben Clothianidin genutzt, uns war nicht bekannt, dass das für Bienen gefährlich ist. Aber das Mittel wird im nächsten Jahr vom Markt genommen“, sagt Gerd Knecht und bestätigt den Dialog mit den hiesigen Imkern in dieser Sache.

Lampertheimer Zeitung v. 12.12.2013

> siehe auch Bericht "Mysteriösem Bienensterben auf der Spur" v. 05.08.13

Exkursion über den Biedensand


Viel Spaß und viel zu entdecken gab es bei einer Exkursion über den Biedensand mit der NAWI AG6. Begleitet von Biologielehrerin Monika Preis und Frau Lenz vom LGL Lampertheim konnten die Schüler und Schülerinnen einiges über das Naturschutzgebiet erfahren.
Sie werden nächstes Jahr im Sommer am Explore Science Event im Luisenpark Mannheim teilnehmen. Das Thema ist "Biodiversität und Artenvielfalt".


Hochwasser am Entensteg auf dem Biedensand, 12.11.2013

Herbstlaub ohne Hightech räumen

Laubsauger schaden der Natur im Garten


Laubsauger schaden Nützlingen - besser Rechen und Besen verwenden
Bild: hr online


Der NABU Hessen ruft dazu auf, bei den jetzt anstehenden Gartenarbeiten auf die Natur schädigende Laubsauger zu verzichten. „Mit einer Luftgeschwindigkeit von bis zu 160 Stundenkilometern saugen die Geräte nicht nur Blätter, sondern auch unzählige für den Boden und die Vogelwelt wichtige Kleinlebewesen auf“, gibt der Landesvorsitzende Gerhard Eppler zu Bedenken. Wer im nächsten Jahr Singvögel in seinem Garten genießen wolle, solle die Motorheuler in der Ecke stehen lassen. „Selbst für junge Igel, die jetzt noch letzte Nahrung suchen, können die modernen Luftbesen lebensbedrohlich sein, da die Saugkraft zu gefährlichen Verletzungen führt“, so Eppler. Sinnvoller sei es, Laubhaufen für die Tierwelt anzulegen oder die Blätter zu kompostieren.

Laubsauger verwüsteten Grünanlagen und Gärten, so Eppler. “ Wo sie ein paar Jahre lang alle Blätter weggeputzt haben, wird man kaum noch Meisen, Schmetterlinge, Käfer und Igel sehen.“ Die Laubsauger ließen nicht nur Blätter und Pflanzensamen verschwinden, sondern auch viele Kleintiere, die auf dem Boden leben und eine wichtige Rolle im Nährstoff-Kreislauf der Natur spielen. Tiere wie Regenwürmer, Spinnen, Asseln, Tausendfüßler, Springschwänze und Milben verwandeln Laub und Pflanzenreste in Humus und dienen Vögeln und anderen Tieren als Nahrung. „Für Igel, Spitzmaus und Kröte bietet die Laubschicht Schutz vor der Winterkälte. Auch Schmetterlingspuppen überwintern gerne unter den wärmenden Blätterhaufen“, so Eppler. Unter Sträuchern und Stauden sollten Blätter unbedingt liegen bleiben, da sie als natürlicher Wintermantel den Boden vor dem Austrocknen und Pflanzenwurzeln sowie Blumenzwiebeln vor Frost schützten.

Auch die Nutzung der Geräte als Laubbläser sieht der NABU als problematisch an. Da die Geräte bis in die kleinste Ecke gelangen könnten,  seien selbst Hecken, Gartennischen und Randbepflanzungen nicht mehr sicher. Der NABU Hessen appelliert an Gartenbesitzer, auf Laubsauger zu verzichten und lieber zu Besen und Rechen zu greifen oder das Laub auf Beeten und Rabatten einfach liegen zu lassen. Sinnvoll sei es zudem, Laub- und Reisighaufen anzulegen. Laubhaufen seien ein wichtiger Bestandteil eines naturnahen, lebendigen Gartens. Igel, die im Herbst auf der Suche nach einem Platz für den Winterschlaf seien, nutzten sie gerne als Schutz in der kalten Jahreszeit. „Wer für Laub- oder R eisighaufen nicht genügend Platz in seinem Garten hat, kann einen kleinen Komposthaufen anlegen“, rät der Biologe Eppler. So könne das Herbstlaub dem Nährstoffrecycling zugeführt und im nächsten Frühjahr als wertvoller Kompost wieder auf Pflanzbeete ausgebracht werden.

21.10.2013

Natur: Lampertheimer Hobby-Imker berichtet NABU von verendeten Tieren /
Verbotenes Insektizid als Ursache?

Mysteriösem Bienensterben auf der Spur


Die Hobby-Imker Julia Riesner und Thomas Jung, Bienenseuchensachverständiger Bruno Weingärtner sowie
Andrea Hartkorn und Dieter Melchior vom NABU.
Foto: B. Jakob


Lampertheim. Bienen liegen dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) am Herzen - schließlich tragen sie wesentlich zur biologischen Vielfalt bei. Deshalb wollten die Ortsgruppenvorsitzende Andrea Hartkorn und Kassenwart Dieter Melchior alles wissen über ein mysteriöses Bienensterben im Juli, von dem die Hobby-Imker Julia Riesner und Thomas Jung berichteten - und statteten ihnen einen Besuch ab.

Als Julia Riesner nämlich vor gut zwei Wochen ihren Garten betrat, traute sie ihren Augen nicht. Vor den Stöcken lagen Tausende tote Bienen. Sie fragte bei anderen Lampertheimer Imkern nach und überall das gleiche Bild: vom Bruch bis zum Ortsausgang Richtung Bürstadt.

Nur Flugbienen betroffen

Da nur die Flugbienen betroffen waren und nicht ihre Schwestern vom "Innendienst", kam schnell die Vermutung auf, dass die Sammlerinnen mit einem Gift in Berührung gekommen waren. Anhand übereinstimmender orangefarbener Pollen stellten die Imker fest, dass die Tiere offenbar dieselbe Trachtquelle aufgesucht hatten. Bienen sind blütenstet, sie wechseln, anders als Hummeln, nicht dauernd zwischen verschiedenen Pflanzen. Außerdem kommunizieren sie untereinander und teilen den anderen Tieren besonders ergiebige Futterplätze mit.

Die Imker informierten den zuständigen Bienenseuchensachverständigen Bruno Weingärtner, der eine amtliche Entnahme von Proben in Form von Bienen, Pollen und infrage kommenden Gewächsen durch den Pflanzenschutzdienst Hessen in die Wege leitete. Diese fand drei Tage später statt. Nun wird untersucht, ob sich der Verdacht erhärtet, dass die Bienen ein B1-Insektizid, das verbotenerweise auf blühende Pflanzen ausgebracht wurde, aufgenommen haben. Die Ergebnisse werden in absehbarer Zeit ausgewertet sein.

Man wolle damit jedoch keinen Konflikt vom Zaun brechen, sondern vielmehr den Dialog mit dem möglichen Verursacher suchen, betont Imker Thomas Jung. Schließlich seien Landwirte und Bienenzüchter aufeinander angewiesen: "Honig kann man importieren, Bestäubung nicht!"

Schon jetzt lasse sich jedoch sagen, so Jung, dass mindestens 1,5 Millionen Bienen aus 40 Völkern verendet seien. Auch ihre Brut sei betroffen. Daneben dürfte eine ebenfalls große Zahl von Hummeln, Schmetterlingen, Wildbienen und anderen Insekten gestorben sein.

Ob sich die Lampertheimer Bienenvölker davon erholen und den Winter überstehen werden, kann derzeit noch niemand sagen. Die Bienenköniginnen, dies haben die beiden Imker beobachtet, legten derzeit zwar im Rekordtempo Eier, doch gebe es möglicherweise gar nicht mehr genug Ammen, um den Nachwuchs zu versorgen.

In Sachen Honig können Riesner und Jung jedoch Entwarnung geben. Da das Bienenjahr bereits um die Sommersonnenwende dem Ende zugeht, war schon lange vor dem Bienensterben der letzte Honig geschleudert worden. Wer also bereits ein Glas von dem Lampertheimer Bienenerzeugnis erworben oder geschenkt bekommen hat, kann dessen süßen Inhalt ganz unbesorgt genießen. Ja

© Südhessen Morgen, Montag, 05.08.2013

Naturschützer „verstört“


Biogasanlage: Sprecher der Initiativgruppe gegen das Projekt bleiben auch nach der Anhörung
bei ihrer kritischen Haltung

An dieser Hecke vorbei soll der Verkehr zur Biogasanlage rollen.

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbach

Lampertheim. Die Bedenken der Gegner der geplanten Biogasanlage an der Wormser Landstraße sind nicht kleiner geworden. Im Gegenteil. Äußerungen von Landwirt Werner Hartmann, der die Anlage auf seinem Grundstück bauen will, und die Ergebnisse aus der Beteiligung der Öffentlichkeit haben die Vertreter der "Initiativgruppe gegen die agrar-industrielle Biogasanlage in Lampertheim" alarmiert.

Der Ort für das gestrige Pressegespräch, das Vereinsheim des Angelclubs Freundschaft (ACF) am Heideweiher, wirkt idyllisch. Doch die Atmosphäre am Tisch ist gespannt. Denn die Sprecher der Initiativgruppe, die auch Verbänden wie dem Naturschutzbund (NABU) und dem Bund für Umweltschutz Deutschland (BUND) angehören, sehen ihre Bedenken nach dem Abwägungsverfahren keineswegs ausgeräumt. Ihre Hoffnung setzen sie nun auf einen Meinungsumschwung in den parlamentarischen Gremien, die sich in der nächsten Sitzungsrunde noch einmal mit dem Projekt befassen werden.

Hecke mit 22 Vogelarten

Als "bestürzend" und geradezu "verstörend" wertet BUND-Sprecher und Grünen-Mitglied Dieter Melchior das Anhörungsergebnis, wonach die Haupterschließungsstraße zur künftigen Biogasanlage weiterhin am Bahndamm und an einer ökologisch wertvollen Hecke entlang führen soll. Dort nisteten 22 Vogelarten. Mit dem Rebhuhn und der Feldlerche seien zwei besonders schützenswerte Vogelarten gesichtet worden - allerdings nicht vom lediglich standardisierten Gutachten, wie Melchior bemängelt.

Lediglich die landwirtschaftlichen Fahrzeuge würden auf einem Feldweg zur Biogasanlage geleitet, der von der Landesstraße an den Feldern von Landwirt Rigo Strauß entlang verläuft. Die Naturschützer hatten laut NABU-Sprecherin Andrea Hartkorn aber gehofft, dass der gesamte Straßenverkehr in Zusammenhang mit der Biogasanlage nicht an der Hecke entlang geführt werde. Sie sorgt sich zudem um Äußerungen Werner Hartmanns in dieser Zeitung, der beim Verwertungsmaterial von "Bioabfällen" gesprochen hatte ("SHM" vom 24. Mai). Damit aber, so Hartkorn, würde die Biogasanlage zum "reinen Entsorgungsbetrieb", der sich einem völlig neuen Genehmigungsverfahren stellen müsste.

Beklagenswert finden die Sprecher der Initiativgruppe auch, dass die Naturschutzverbände keinen Einfluss auf die Art der landwirtschaftlichen Produktion haben. Dies sei mit dem Argument der "unternehmerischen Freiheit" abgewiesen worden. Nun befürchten sie eine zunehmende "Vermaisung" auf den Feldern rund um Lampertheim, weil Biogasanlagen stark auf Maisprodukte angewiesen seien.

Biotop "aufgehübscht"

Dass zur Kompensation der Baumaßnahme ein benachbartes Biotop aufgewertet werden solle, ist in den Augen der Naturschützer wenig wert. Dieses werde lediglich "aufgehübscht", findet Dieter Melchior. Die Ausräumung der Landschaft und die Vertreibung von Lebensarten könne damit nicht verhindert werden.

Auch mit der Beimischung von Hühnerkot in die Gärreste können sich die Sprecher der Initiativgruppe nicht anfreunden. Und auch mit Blick auf die derzeit hohen Grundwasserstände befürchten sie zusätzliche ökologische Konflikte, worauf ACF-Vorsitzender und Mitglied der Initiativgruppe, Karl-Heinz Barchfeld, hinweist. Auch den Anwohnern am Kreisel Wormser Landstraße, Alexander Morawetz und Iris Henkelmann, schwant mit Blick auf das geplante Projekt in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft nichts Gutes.

Für ein Bürgerbegehren liegen nach Einschätzung der Naturschützer die Hürden zu hoch. Sie wissen aber in etlichen Punkten auch die Untere Naturschutzbehörde an ihrer Seite, die im Anhörungsverfahren durchaus kritische Positionen bezogen habe. Geklärt werden soll nun, ob Einspruch gegen die Planfeststellung erhoben werden soll.

© Südhessen Morgen, Freitag, 21.06.2013

Hochwasser ist keine Naturkatastrophe
sondern menschengemacht

NABU fordert mehr Raum für Flüsse in Hessen

Wetzlar; „Jammern hilft nicht – Taten sind gefragt!“ fordert Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU. Mehr Raum für Bäche und Flüsse fordert der Naturschutzbund Hessen zur Vorsorge gegen Hochwasser. Fast alle Gewässer seien heute „in ein Korsett eingezwängt“. Die Folge sei, dass das Wasser rasend schnell abwärts fließe und an großen Flüssen zu Hochwasser führe. Die einzige dauerhafte Lösung seien Gewässerrandstreifen zur Verbreiterung der Bäche und Auen.

„Land und Kommunen müssen systematisch Randstreifen entlang der Gewässer aufkaufen“, so der NABU. Dann könnten die Verbauungen des Ufers entfernt werden. Bäche und Flüsse machen dann kostenlos den Rest: Seitenerosion und Uferabbrüche führen zur Verbreiterung der Gewässer. „Je breiter das Gewässer, desto langsamer der Abfluss“ erläutert Eppler. Natürliche Bäche seien häufig 3mal so breit, wie die heutigen „Abflussrinnen“. Ein verlangsamter Abfluss hat auch den Vorteil, dass sich die Bäche weniger tief eingraben. Das Wasser kann dann häufiger über die Ufer treten und sich in der Aue ausbreiten. Leichte Überschwemmungen in den Oberläufen sind die natürliche Wasser-Rückhaltung, der Katastrophen an den großen Flüssen verhindern könnte. Gleichzeitig entstehen auf diese Weise wertvolle, artenreiche feuchte Lebensräume in der Aue.

Auf dem Papier verfolgt das Land schon lange das Ziel, Flächen zur Bach-Renaturierung zu kaufen. Allein in Hessen hält das Land den Kauf von 4460 ha Flächen für nötig, um Auen zu renaturieren und Uferrandstreifen zu schaffen. In den letzten Jahren wurden aber erst etwa 100 ha erreicht. „Eine verheerende Bilanz“ urteilt der NABU. Wer es mit Hochwasserschutz ernst meine, müsse statt Sonntagsreden endlich den Flüssen ihren Raum zurück geben. Eigentlich sieht eine Europäische „Wasserrahmenrichtlinie“ vor, bis 2015 alle hessischen Gewässer in einen „guten ökologischen Zustand“ zu überführen. Hessen hat hier bei der Aufstellung seines Maßnahmenprogramms bereits alle Fristverlängerungs-Möglichkeiten ausgereizt und will dieses Ziel erst bis 2027 erreichen. In den Jahren 2009-2015 soll daher nur etwa ein Drittel der nötigen Maßnahmen umgesetzt werden, doch selbst dies droht zu scheitern.

------------------------------------------------------------------
Mark Harthun
Stellv. Landesgeschäftsführer
NABU Hessen

Friedenstraße 26
35578 Wetzlar
Tel. 06441-67904-16
Twitter: www.twitter.com/NABUHessen 
Facebook: www.facebook.com/NABU.Hessen      

 

Von der "Wiese auf den Teller"


Blüten, Blätter und Wurzeln

28.05.2013 - LAMPERTHEIM

Von Carolin Jesussek

EXKURSION NABU informiert über Verwendungsmöglichkeiten von Wildkräutern


Obwohl das Wetter einige abschreckte, so Andrea Hartkorn, Erste Vorsitzende der Lampertheimer NABU-Ortsgruppe, waren sehr zur Freude der Organisatoren trotzdem Besucher in wetterfester Kleidung erschienen. Bereits nach einigen Metern stieß die kleine Gruppe auf bekannte Pflanzen wie Brennnesseln, Strahlenlose Kamille und Löwenzahn.

Zweiter Vorsitzender Klaus Feldhinkel gab als ehemaliger Gärtnermeister Auskunft über essbare Teile der Pflanzen sowie deren medizinische Eigenschaften. Diese entnahm Feldhinkel neben eigenen Kenntnissen Bestimmungsbüchern, mit denen die gefundenen Pflanzen nicht nur identifiziert werden konnten, sondern weitere nützliche Informationen geliefert wurden. Neben Baldrian und Spitzwegerich fand die Exkursionsgruppe weißen und violetten Beinwell, kommt an Weißdornbüschen vorbei und erfährt, dass dessen Blätter ebenfalls essbar sind. Schon bald war den Anwesenden klar, wie viele Möglichkeiten es gibt, diese Pflanzen in der Küche zu verwenden. Klaus Feldhinkel wies auf den Vitaminreichtum einiger Pflanzen hin, vor allem bei frischen Pflanzen sei der Vitamingehalt besonders hoch, erklärt er seinen Zuhörern.

„Zu dieser Jahreszeit sollte bereits alles wachsen und blühen“, so Feldhinkel. „Aufgrund der Kälte dieses Jahr hat sich die Blütezeit einiger Pflanzen jedoch ein wenig verzögert“, weiß der Experte zu berichten. „Nicht nur Blüten kann man in der Küche verwenden, auch Blätter und Wurzeln eignen sich hervorragend. Samen beispielsweise bieten dem Körper wertvolle Nährstoffe und Öle“, informierte Feldhinkel die Anwesenden, die sich aufgrund seiner Erklärungen bereits über die vielseitige Verwendung einiger Samenarten bewusst sind.

Essbarkeit hängt vom Zeitpunkt der Ernte ab

Viele Anregungen erhielten diejenigen, die trotz des nassen Wetters an der botanischen Exkursion teilgenommen haben. Das Lampertheimer Naturschutzgebiet bietet eine Vielzahl verschiedener Kräuter und anderer essbarer Pflanzen. So kam die Gruppe gegen Ende ihrer Exkursion an der Klette vorbei, deren Stiel vom Aussehen her dem Rhabarber ähnele, so Hartkorn. Richtig zubereitet könne die Pflanze eine Mahlzeit ergänzen.

Abschließend wies Hartkorn darauf hin, dass es bei vielen Pflanzen bei der Essbarkeit auf den Zeitpunkt der Ernte ankomme. Diese Zeiten seien für jede Pflanze individuell, jedoch helfen an dieser Stelle wieder die Fachbücher, die Klaus Feldhinkel immer zur Hand hatte. Wie viele genießbare Wildpflanzen letztendlich auf die Teller wandern, ist unklar. Und doch wurden die Beteiligten auf anschauliche Weise aufgeklärt, und haben eine lehrreiche Wanderung hinter sich. „Bei besseren Bedingungen wären wir noch viel weiter gelaufen und hätten sicherlich noch andere Pflanzen entdeckt“, so Hartkorn, die auf die wenigen Hundert Meter blickt, die die Gruppe insgesamt zurückgelegt hat. Sie freute sich dennoch, dass auf so einer kurzen Strecke und in so kurzer Zeit so viel Wissenswertes erzählt wurde. „Die Exkursion war sehr lehrreich“, lobte sie.

Neue Lebensräume


30.04.2013 - LAMPERTHEIM

GARTEN NABU lädt auf dem Schillerplatz zum Pflanzentauschen ein / Heimisches Grün beliebt

(mpr). Pfefferminze gegen Günsel, Fingerhut gegen Stockrose. Am Samstag veranstaltete der Naturschutzbund NABU Lampertheim eine Pflanzentauschbörse auf dem Schillerplatz. Einheimische Gewächse, von Wildblumen über Bauerngartenpflanzen bis hin zu Teichpflanzen hatte man auf dem Stand bereitgestellt, Interessierte konnten Pflanzen von zu Hause mitbringen, sich beraten lassen und munter tauschen.

„Wir möchten eine Biodiversität anbieten und verbreiten“, sagte Klaus Feldhinkel, Zweiter Vorsitzender und Gärtnermeister, über die Aktion. Gartenbesitzer sollten dazu animiert werden, weniger exotisches Einheitsgrün zu pflanzen und mehr vielfältige, bunte Lebensräume für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten zu schaffen. Besonders Töpfe mit heimischen Wildpflanzen seien zurzeit stark im Trend. „Raum ist in der kleinsten Hütte, und es ist nicht nur etwas für die Insekten, sondern auch etwas fürs Auge“, so Feldhinkel. Denn wer viele verschiedene Pflanzen in seinem Garten hat, könne auch die Jahreszeiten viel bewusster wahrnehmen, und auch Kiesgärten könnten sehr vielfältig gestaltet werden.

Die Pflanzen der Besucher wurden weitergetauscht oder werden zum Beispiel für die Storchenstation verwendet. Die Größe der Pflanzen spielte dabei keine Rolle. „Manche kommen mit einer großen Staude und finden Gefallen an einer Dachwurz“, erklärte Feldhinkel.

„Es gibt viele nackte Flächen, die man begrünen könnte“, möchte der NABU möglichst viel Farbe in die Städte bringen. In erster Linie sollte man einheimische Pflanzen verwenden, da viele Tiere darauf spezialisiert sind. „Jeder kann in seinem Umfeld etwas machen“, findet der Zweite Vorsitzende. Gemeinsam mit seinen Kollegen begeisterte er die Tauschinteressierten mit dem Fachwissen. Ob Goldfelberich oder Wegwarte, die einheimischen Pflanzennamen klingen nicht minder interessant als manches exotische Gewächs.

Naturschutzbund: Infotag mit Tour durch die Grube

Frösche begeistern Kinder


Helen, Emily und Maren entdecken beim Tag der offenen Tür des NABU Lampertheim ihre Vorliebe für Frösche und Kröten.


Lampertheim. Die Sandgrube Feuerstein des Lampertheimer Naturschutzbundes (NABU) ist für Kinder ein echter Abenteuerspielplatz. Als dort am Wochenende der Tag der offenen Tür ausgerichtet wurde, hatte der Nachwuchs wieder seinen Spaß.

Viele Besucher nutzten das Angebot zu einer Radtour in die Lampertheimer Heide, wo sie ein Nabu-Team um den zweiten Vorsitzenden Klaus Feldhinkel empfing.

Der Gärtnereimeister selbst führte die Besucher durch die Grube. Auf den 17.000 Quadratmetern gab es einiges zu entdecken. Gerd Will zeigte Erdkröten, Kreuzkröten, Grasfrösche, Teich- und Bergmolche. Besonders die jungen Gäste hatten mit den Amphibien ihren Spaß. Will erzählte ihnen vom Amphibienschutzzaun, der vor wenigen Wochen aufgestellt wurde. Etwa 500 bis 600 Tiere konnten so behutsam über die Straße und in die Grube gebracht werden. "In den zurückliegenden Jahren waren es bei dieser Gelegenheit 2000 bis 3000 Amphibien. Aber der spät einsetzende harte Winter 2012 hat die Bestände sehr dezimiert."

Auch die Vogelfreunde bekamen etwas geboten: Ein Grauganspärchen nistet zurzeit auf dem Gelände und zeigte sich mitsamt seinen Küken den begeisterten Besuchern. Außerdem waren Kanadagänse und Blesshühner zu sehen.

Für die Naturschützer bedeutete der Tag der offenen Tür den Start in die neue Saison. Die nächste Aktion, die Pflanzentauschbörse des NABU, findet am Samstag von 10 bis 12 Uhr auf dem Schillerplatz statt. jkl

© Südhessen Morgen, Montag, 22.04.2013

Kröten noch im Winterschlaf:
Amphibienschutz durch Lampertheimer NABU


Foto: AfP Asel


25.03.2013 - LAMPERTHEIM

NATURSCHUTZ NABU stellt am Waldrand Amphibienschutzzäune auf

(tdi). Wenn Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Teichmolch oder Grasfrosch nach dem Winter aus der Kältestarre erwachen, sind sie direkt der nächsten Gefahr ausgesetzt. Bei ihrer Wanderung zu den nächstgelegenen Laichgewässern finden viele Tiere den Tod beim Überqueren von befahrenen Straßen und Wegen. Um den Amphibien ein sicheres Erreichen ihres Zieles zu ermöglichen, hat der Naturschutzbund (NABU) Lampertheim am Samstag wieder an der Sandgrube Feuerstein (Nähe Gasthaus „Heide“) und am Sandtorfer Weg Amphibienschutzzäune aufgebaut.

Die ersten Wanderer hatten sich bereits vor zwei Wochen beim ersten, kurzzeitigen Temperaturanstieg in Bewegung gesetzt. Der große Ansturm steht aber noch aus. Dann werden mehrere Tausend Amphibien den angrenzenden Wald verlassen und einen Weg zur Sandgrube Feuerstein oder den Gewässern am Sandtorfer Weg suchen. Deshalb haben die fleißigen Mitglieder des Naturschutzbundes Lampertheim mit tatkräftiger Unterstützung der eigenen Jugendgruppe, interessierter Kinder und Helfer einen Amphibienzaun errichtet.

Auf 200 Metern ist nun eine Kunststofffolie aufgestellt. Diese dient dazu, dass die Tiere in Eimer getrieben werden, die alle 15 Meter in den Boden eingelassen wurden. Darin werden die Tiere zunächst gesammelt, und schließlich werden die Eimer zweimal täglich, früh morgens und spätabends, geleert. Über die Anzahl der Tiere und ihre verschiedenen Arten wird ein Protokoll geführt, das zur Dokumentation und Kontrolle über die Bewohner des Teiches dient. Nach der Identifikation der Arten werden sie in den Teich gelassen, um zu laichen.

Eigentlich Mitte Februar

Über das rege Interesse der aktiven Mitglieder freute sich die Erste Vorsitzende des NABU Lampertheim, Andrea Hartkorn. „Es ist wichtig, dass wir genügend aktive Helfer haben.“ Darunter waren erneut einige Kinder, die trotz niedriger Temperaturen mit großem Eifer zu Werke gingen und gerne beim Aufstellen des Zaunes halfen. Nach zirka zwei Stunden war das Werk getan.

Normalerweise wird der Amphibienzaun bereits Mitte Februar angelegt, doch in diesem Jahr musste der Bau aufgrund der anhaltenden Kälteperiode um einige Zeit verschoben werden. Sobald Regen einsetzt und das Klima wieder milder wird, werden sich die Tiere in Bewegung setzen. Innerhalb eines Monats sollten alle die Laichgewässer erreicht haben. Die ehemalige Sandgrube ist zum Beispiel zu einem schützenswerten Lebensraum vieler Vogel-, Frosch- und Molcharten geworden. So kommt es, dass jährlich etwa 2000 bis 3000 Amphibien zum Frühlingsanfang dort ablaichen.

Die Aufstellung des Amphibienschutzzaunes ist gleichbedeutend mit dem Startschuss ins neue Jahr für die NABU-Gruppe. Für den 7. April ist der Tag der offenen Tür an der Sandgrube Feuerstein geplant. Hier können Interessierte das Areal betreten und sich die verschiedenen Amphibien ansehen. Womöglich wird sich die Veranstaltung witterungsbedingt aber auch noch ein bis zwei Wochen nach hinten verschieben. Hier wird der NABU nochmals informieren.



Werkeln für die Natur

23.03.2013 - LAMPERTHEIM

von Marco Partner

SPENDE Neue Nistkästen für Vögel dank Kooperation zweier Schulen

Der Frühling ist da – zumindest kalendarisch –, und in Kürze können sich auch die Vögel in Lampertheim über 14 neue Nistkästen freuen. Im Fach „Holztechnik“ fertigten Schüler der Biedensandschule in der Werkstatt der Elisabeth-Selbert-Schule die kleinen Vogelhäuschen an, am Freitag wurden sie an die NABU-Gruppe Lampertheim übergeben.

Seit 15 Jahren besteht eine kontinuierliche Kooperation zwischenden beiden Lehrinstitutionen in der Carl-Lepper-Straße. „Andreas Dähn war damals Förderschullehrer an der Berufsschule und später Schulleiter der Biedensandschule“, erklärte Abteilungsleiter Horst Saemann das Zustandekommen. In der vom Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten „Praxisklasse“ sind die Schüler im Sommer mit dem Gartenbau und einem Gewächshausbeschäftigt. „Als dann der Winter kam und es draußen kalt wurde, haben wir uns etwas überlegen müssen, und so kam es zu der Idee“, wusste Gerhard Braun, Fachlehrer für Holztechnik, mitzuteilen.

Von Ende Januar bis Anfang März arbeiteten die Schülerinsgesamt 25 Stunden an den aus Fichtenholz gefertigten Kästchen. „Das Projekt sollte in Verbindung mit Umwelt und Naturstehen. Bei der Anfertigung der Nistkästen konnte man ein Arbeiten mit Holz und Metall verknüpfen. Die Dächer bestehen aus verzinktem Blech“, verriet der Fachlehrer.

Zunächst einmal mussten die Schüler einen Arbeitsplan erstellen,dann musste gesägt, gefeilt, geschmirgelt, gebohrt, geklebt unddie Sitzstangen eingedübelt werden. „Die Schiebetürchen können entnommen und die Kästen somit gereinigt werden“, machte Saemann auf die besondere und pflegeleichte Anfertigung aufmerksam.

Da der Abteilungsleiter selbst Mitglied beim Naturschutzbund ist, war der Kontakt zu dem Verein, in welchem sich ehrenamtlicheMitarbeiter für den Erhalt und Schutz der Natur und Landschaft in Lampertheim einsetzen, schnell hergestellt. Andrea Hartkorn, die Vorsitzende des NABU-Ortsverbandes Lampertheim, nahm die Nistkästen mit großer Freude entgegen. „Zunächst einmal werden sie auf die Storchenstation gebracht, dann werden wir beraten, für welchen Zweck wir sie einsetzen“, erklärte Hartkorn das weitere Vorgehen.

„Ich finde es toll, dass es unterschiedliche Lochgrößen gibt, für Blau- oder Kohlmeisen, je nach Vogelart“, lobte die Vorsitzende die Aktion der Schüler. Diese hatten bei dem Projekt viel dazugelernt und hoffen nun, dass die Nistkästen den heimischen Vögeln bei der Aufzucht ihrer Brut dienlich sein können. „Ich habe auch einen Nistkasten für mich gemacht“, fand Özcan Bagci wie alle Schüler großen Gefallen an dem Werkeln für einen guten Zweck.


Klimaschutz und biologische Vielfalt nicht gegeneinander ausspielen!



Natur: Pflegemaßnahmen am Teich an der ehemaligen Storchenstation / Schlamm wird entfernt

Totes Holz lässt neues Leben entstehen

Lampertheim. Trotz Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt kamen die Aktiven des Lampertheimer Naturschutzbundes ganz schön ins Schwitzen. Am Wochenende standen Pflegemaßnahmen an der ehemaligen Storchenstation auf dem Programm. Dabei wurden mit Motorsägen und Astscheren am vorderen Teich teilweise Bäume entfernt und Sträucher zurückgeschnitten.

Diese Arbeiten wurden notwendig, da der Teich aufgrund Laubfall und abgestorbener Pflanzenteile zu verlanden drohte. Auch soll bei geeigneter Witterung ein Bagger demnächst einige Kubikmeter Schlamm entfernen. Zunächst allerdings musste erst einmal ein Zugang zum Teich geschaffen werden. Schon im vergangenen Jahr wurden im vorderen Bereich des Geländes einige vergreiste Sträucher "auf den Stock gesetzt". Bei dieser Verjüngungskur werden die Gehölze bis knapp über dem Boden zurückgeschnitten. "Dabei wird eine neue Triebbildung angeregt. Somit erhöht sich auch mittel- bis langfristig die Vitalität der Laubgehölze", erklärte NABU-Mitglied Klaus Feldhinkel.

Aus dem angefallenen Schnittgut wurden seitlich am Grundstückszaun Benjeshecken angelegt. "In der aufgestapelten Totholzschicht kann sich in den nächsten Jahren reges Treiben entwickeln", so Feldhinkel. Denn Käfer, Wildbienen und zahlreiche andere Insekten, aber auch Spinnen, Würmer und viele weitere Tiere erobern diesen Kleinlebensraum und machen sich an die Zersetzungsarbeit.

Zudem wurden auf dem Gelände hier und da lockere Totholzhaufen angelegt. Auch darin werden Eidechsen, Igel und Kleinsäuger und Vögel wie der Zaunkönig diesen Lebensraum schnell für sich entdecken. aha

© Südhessen Morgen, Dienstag, 22.01.2013

Archiv 2012

Expertenworkshop
„Windkraft und Fledermäuse“

Fledermausexperten sehen die dringende Notwendigkeit, Belange des Fledermausschutzes beim Ausbau der Windkraft mehr zu beachten.

Hier die Ergebnisse des Expertenworkshops (pdf-Datei)

Ansprechpartner: Dirk Bernd, Tel. 0176 / 234 31 557

Naturschutz: Herbst-Aktion beim NABU/Kinder basteln und lernen
etwas über ihre Umwelt

„Bäume werfen Blätter zum Schutz ab“

Lampertheim. Maren, Helen und Sophie haben bunte Blätter aufgesammelt. Dabei hatten sie eine reiche Auswahl, und gemeinsam bewundern sie nun die Farbenpracht des Laubs. Maren hat Blätter von Ahorn, Ginkgo und Haselnuss gesammelt und gepresst und Helen das Laub vom Bambus und der Pappel.

Die Vorsitzende der Lampertheimer Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu), Andrea Hartkorn, macht auf die Blätter vom Wilden Wein aufmerksam, die eine wunderschöne rote Färbung haben. Andrea Hartkorn und Anke Diehlmann, die Leiterinnen der Kindergruppe, wollen Kinder für die Natur begeistern und haben deshalb zu einer Aktion rund um den Herbst eingeladen.

Während die kleinen Naturfreunde kreativ werden und Windlichter mit aufgeklebten Blättern basteln oder Spritzbilder fertigen, bringt ihnen Anke Diehlmann die Naturprozesse näher. Bei frühlingshaften Temperaturen kann die Bastelwerkstatt sogar im Freien aufgebaut werden.

"Was wisst ihr über den Herbst?", fragt Anke Diehlmann. Die fünfjährige Sophie hat beobachtet: "Die Blätter fallen runter." Maren, neun Jahre alt, zeigt ein gelbes Ahornblatt: "Die Blätter werden bunt." Und die achtjährige Helen weiß: "Manche Tiere verstecken sich, manche fliegen in den Süden." Zuerst einmal änderten sich die Temperaturen, erklärt Anke Diehlmann. Und dass die Bäume in wenigen Wochen ihr ganzes Laub verlieren. "Die Laubbäume werfen im Herbst ihre Blätter zu ihrem eigenen Schutz ab", erläutert die Kindergruppenleiterin. Also nutzten die Bäume die dunklen und kalten Tage des Jahres als Ruhepausen, erfahren die Mädchen.

Anke Diehlmann hebt auch hervor, dass die meisten Pflanzen im Winter nicht nur ein Kälteproblem haben, sondern vor allem ein Wasserproblem. "Denn im Winter gefriert der Boden, deshalb kann kein Wasser nachfließen und der Baum versorgt werden", so die Naturschützerin. Und Laubbäume brauchen viel Wasser, wissen die Mädchen.

"Was würdet ihr machen, wenn ihr ein Baum wäret?", fragt Anke Diehlmann. "In den Urlaub fahren?" - nur ein Scherz. Die Naturschützerin will hören, dass der Baum einen geschickten Plan hat, um gut über den Winter zu kommen: Er wirft die Blätter ab. Die Kinder wissen auch, dass manche Tiere Winterschlaf machen, andere Winterruhe halten, wieder andere in Winterstarre verfallen. Und manche Tiere bekommen ein dickes Fell als Kälteschutz.

"Wir haben mit einfachen Mitteln gebastelt, die nichts kosten, die auf einem Sonntagsspaziergang mitgenommen werden können", sagt Diehlmann. Im Anschluss an die Bastelaktionen kommt der gemütliche Teil: Andrea Hartkorn lässt die Rollläden im Haus herunter, damit der Raum abgedunkelt ist. Die Kerze im Blätter-Windlicht flackert hell. Dazu liest die Naturschützerin aus dem Buch "Bruder Löwenzahn und Schwester Maus" vor. roi

© Südhessen Morgen, Donnerstag, 29.11.2012

Naturschutz: Vier junge Helfer unterwegs
NABU wirbt an Haustüren um Unterstützung


Lampertheim. Der Naturschutzbund ist auf der Suche nach Unterstützung: Um seine Arbeit für die Umwelt weiterhin leisten zu können, benötigt der Verein genügend Mitglieder. Daher sollen in den nächsten Wochen auch in Lampertheim neue Unterstützer geworben werden, wobei junge Leute von Tür zu Tür gehen und über den NABU informieren.

Andrea Hartkorn, Vorsitzende des NABU Lampertheim, hat zum Pressegespräch eingeladen, um die vier jungen Leute vorzustellen. Nachdem sie bereits in Bürstadt, Heppenheim und Hirschhorn unterwegs waren, kommen sie nun nach Lampertheim.

"Ohne die Unterstützung der Bürger könnten wir unsere Arbeit vor Ort nicht machen", betont Andrea Hartkorn. Besonders freut sich der NABU über Menschen, die selbst aktiv werden möchten oder sich im Vorstand engagieren wollen. In Lampertheim kümmert sich seit 1974 eine Gruppe von ehrenamtlichen Naturschützern um den Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt. Auch eine Kindergruppe gibt es seit zwölf Jahren und seit kurzem eine Jugendgruppe. Die Mitglieder bauen Amphibienschutzzäune auf, pflegen 200 Nistkästen, betreuen mehrere Biotope, bieten Führungen über den Biedensand und Veranstaltungen für Schülergruppen in der ehemaligen Storchenstation an.

Bereits zum dritten Mal werden via Gespräch an der Haustür nun weitere Unterstützer gesucht, bei der letzten Werbeaktion hatten sich 100 Neumitglieder gefunden. "Wir holen dabei vor allem die Leute ab, die ohnehin schon am Naturschutz sehr interessiert sind", weiß Philipp Schall. Aktuell hat die Lampertheimer Gruppe rund 270 Mitglieder. Mitglieder genießen verschiedene Vorteile, etwa freien Eintritt in eines der über 70 Naturschutzzentren. Außerdem erhalten sie viermal jährlich das Magazin "Naturschutz heute".

Spenden in Form von Bargeld dürfen die vier Studenten, die sich ausweisen können, nicht annehmen. Einzelspenden können direkt auf ein Konto der Naturschützer überwiesen werden. Weitere Informationen gibt es auch unter www.nabu-lampertheim.de oder unter der Telefonnummer 06206/3728. Ja

© Südhessen Morgen, Mittwoch, 07.11.2012

Kraniche über Südhessen

Alljährlich im Oktober und November können Naturfreunde das großartige Schauspiel ziehender Kraniche am Himmel beobachten.

Nico Chalwatzis (NABU-Mitglied aus Auerbach) fotografierte am 27.10.12 um
12.42 Uhr diesen Kranich-Schwarm, der in Richtung Bensheim flog. Hier hatten sich mehrere Formationen getroffen, die aus verschiedenen Richtungen zusammen kamen.

Hier noch eine sehr schöne Kranich-Formation über Lampertheim. Aufgenommen am 26.10.12 von Berno Nix, Fotograf.

NABU: Naturschutzjugend auf dem Biedensand unterwegs

Auf der Suche nach der
eben erst versteckten Nuss

Lampertheim. Rot gefärbte Sträucher des Hartriegels sowie buntes Laub von Pappel-, Ahorn- und Eichenbäumen säumen den Weg durch den morgendlichen Auwald: Die Lampertheimer Naturschutzjugend hat zu einer herbstlichen Exkursion auf den Biedensand eingeladen. Die Teilnehmer sammeln dabei allerlei Dinge auf, die der herbstliche Wald bietet. "Damit möchten wir später gemeinsam einen Biedensand-Waldgeist gestalten", erklärt Nabu-Kindergruppenleiterin Anke Diehlmann.

Schon binnen kurzer Zeit entdecken die Kinder auf dem Waldboden einige Eicheln sowie die länglichen, geflügelten Früchte der Esche, einer heimischen Baumart. Auch heruntergefallene kleinere Zweige von Pappeln, Moose und Aststückchen mit Flechten in gelben, grauen und blaugrünen Farben sammeln die Spaziergänger auf. Dabei spüren sie auch kleine und große Schneckenhäuser auf.

Ab und zu treffen die kleinen Naturfreunde auf orangerote Nacktschnecken sowie auf langbeinige Weberknechte. Einige Kinder beobachten ein flinkes Eichhörnchen, das im Herbstwald auf Nahrungssuche nach Beeren, Nüsse und anderen Früchten sowie Samen Ausschau hielt. Auf der Heegwasserwiese veranstalten die Leiterinnen ein Riech- und Tastspiel mit herbstlichen Naturmaterialien. Die Kinder bekommen die Augen verbunden, sie erschnuppern und ertasten Fichten- und Kiefernzapfen, Wal- und Haselnüsse, Sonnenblumenkerne, Pilze und getrocknete Kräuter.

Kinder basteln Waldgeist

Bei einem Nussspiel ist es ihre Aufgabe, sich in die Rolle eines Eichhörnchens zu versetzen. Dieses versteckt im Herbst unter anderem Nüsse, um dann mit den Vorräten über den Winter zu kommen. Dabei stellen die Kinder fest, dass die von ihnen in Büschen und unter Laub versteckten Nüsse schon nach einiger Zeit gar nicht mehr so leicht aufzuspüren sind.

"Was passiert denn mit den eingegrabenen Samen und Früchten, die die Eichhörnchen vergessen haben oder nicht mehr finden?", fragt Anke Diehlmann die Kinder. "Daraus werden neue Sträucher und Bäume!", tippen die kleinen Naturfreunde richtig. Abschließend formen sie auf einer weißen Decke mit den aufgelesenen Materialien einen Waldgeist.

© Südhessen Morgen, Donnerstag, 04.10.2012, aha

Lessing-Gymnasium: Fünftklässler auf Exkursion im Naturschutzgebiet
Schüler erkunden Biedensand

Lampertheim. In der letzten Unterrichtswoche vor den Sommerferien stand für die 5a des Lessing-Gymnasiums eine Exkursion ins Grüne auf dem Programm. Die Klasse von Deutsch- und Ethiklehrer Andreas Klingspohr hatte sich für das Lampertheimer Naturschutzgebiet entschieden, das direkt vor den Toren der Schule liegt.

Ausgerüstet hatten sich die 25 Schüler mit Rucksack, Ferngläsern, Pflanzenbestimmungsbuch und Becherlupen. Bevor sie in Richtung Naturschutzgebiet marschierten, wurden ihnen noch Bögen für ein Natur-Suchspiel und eine Natur-Farbenrallye von Andrea Hartkorn vom NABU Lampertheim verteilt.

Die Naturschützerin sowie die Lehrkräfte Sven Hofmann und Florian Hedrich begleiteten die quirlige Truppe, die sich in vier Gruppen aufteilte. Mitgekommen waren neun Oberstufenschüler, die die Fünftklässler bei den Suchspielen unterstützen wollten.

Kaum war die Biedensandbrücke überquert, notierten die Kinder die ersten Funde aus der Tier- und Pflanzenwelt. So gab es Schmetterlinge, bunte Blumen, Moos, Blätter, Steine und auch einige Vogelfedern zu entdecken. Auch Anzeichen dafür, dass Menschen im Gebiet waren, sollten sie aufschreiben. Neben Reifenspuren und Schuhabdrücken sichteten sie auch Müll wie etwa Plastiktüten, Flaschendeckel und Zigarettenkippen.

Einige Schüler hatten sich aus Pappe Blütenpaletten gebastelt. Auf ihnen rieben sie die Blütenblätter von einigen Wildblumen, die sie am Wegrand fanden. Nach und nach erhielten sie dabei eine bunte Mischung aus allerlei unterschiedlichen Farben. An der Streuobstwiese machten sie ihre erste Exkursionspause und lasen ihre aufgeschriebenen Ergebnisse der Suchspiele vor.

Weiter ging es Richtung Aussichtsplattform am Rallengraben, wo sie ihre Ferngläser auspackten und den einen oder anderen Vogel beobachten konnten. Am "Kleeblatt", einem Häuschen mit einer betonierten Wasserstelle in Form eines Kleeblattes, entdeckten sie eine Wasserpumpe. Während diese sogleich von den Schülern eifrig in Betrieb genommen wurde, erfuhren sie, dass sie als Tränke für Vögel und andere Tiere dient. Am Entensteg verschafften die Schüler sich noch einen Blick zum Welschen Loch, bei dem sie Gänse, Enten und Schwäne sichteten. Bevor sie den Rückweg antraten, wanderten sie noch ein kurzes Stück zur Bonaue hinüber. Hier erblickten sie zahlreiche Kopfweiden. Über die Infotafel erfuhren sie etwas über deren besondere Nutzungsform, bei der durch Rückschnitt immer wieder Zweige für Weidenkörbe und Feuerholz gewonnen werden konnten. aha

© Südhessen Morgen, Samstag, 30.06.2012

NABU: Naturschützer kontrollieren Nistkästen

Mit Moos wird’s kuschelig

Lampertheim. Der Trauerschnäpper ist ein hübscher kleiner Vogel. Er und viele andere Vogelarten haben sich in den Nistkästen, die im Lampertheimer Wald hängen, ein Nest gebaut und eine Familie gegründet. In einem Vogelquartier sind bereits Junge geschlüpft, in einem anderen liegen noch sieben hellblaue Mini-Eier.

Die Mitglieder des Naturschutzbundes (NABU) der Ortsgruppe Lampertheim kontrollieren in Etappen jeden nummerierten Nistkasten, um die Vogelarten zu bestimmen und zu erfassen, mit dem Ziel die Bestände zu fördern und zu sichern.

Am Wochenende waren sie im Vorderwald nahe der Gaststätte Waldesruh bis hin zum Querweg Neuschloß/Lorsch unterwegs. Das bedeutete für die Naturschützer, 100 Kästen von den Bäumen zu nehmen und hineinzuschauen, wer sich darin niedergelassen hat.

Die Nistkästen stelle der Forst. Seit rund 20 Jahren sei der NABU für die Kontrolle und Dokumentation der Vogelgattungen zuständig, erklärte Gerd Will, der zweite Vorsitzende der Ortsgruppe Lampertheim. Im März, rechtzeitig vor der Brutsaison, sei er mit Walter Liesewitch unterwegs gewesen, um die Kästen zu reinigen, damit sie eine Heimat für die verschiedenen Vogelarten werden können.

Der Ornithologe Will weiß aus Erfahrung, dass dort in der Waldregion unterschiedliche Meisenarten, der Kleiber, die Trauerschnäpper und Fledermäuse nisten. Er erläutert den NABU-Mitgliedern und Gästen auch, aus welchem Material die Vögel ihre Nester bauen: "Die Kohlmeise aus Moos, die Sumpfmeise verwendet noch zusätzlich Tierhaare, der Kleiber baut grundsätzlich aus Blättern, er mauert den Kasten regelrecht zu und der Trauerschnäpper nimmt feine Gehölze."

Eidechse ohne Beine

Beim Nistkasten mit der Nummer eins, dessen Nest mit Moos kuschelig ausgepolstert ist, schlussfolgert Gerd Will, dass darin Kohlmeisen wohnen, die Jungvögel aber schon ausgeflogen sind. Und Blätter in einem anderen Quartier geben ihm Auskunft darüber, dass dort ein Kleiber-Pärchen genistet hat. "Durch die Kontrolle der Nistkästen wissen wir, was sich hier für Vogelarten aufhalten", sagt Vorsitzende Andrea Hartkorn. "Wir leisten ihnen Unterstützung und sehen jetzt: Die Nisthilfen werden angenommen, denn alle sind besetzt."

Während ihrer Exkursion durch den Wald konnten die Naturschützer noch zwei Blindschleichen entdecken und kurz in die Hand nehmen, zur Freude der teilnehmenden Kinder. Denen die Naturschützer erklärten, dass Blindschleichen zwar aussähen wie Schlangen, sie aber Eidechsen ohne Beine seien. roi

© Südhessen Morgen, Dienstag, 22.05.2012

Besuch beim
Imkerschnuppertag in Nordheim

Imkerverein „Lampertheim und Umgebung“ und die NABU-Ortsgruppe Nordheim laden gemeinsam zum zweiten Imkerschnuppertag ein


Imkerschnuppertag 2012 auf dem Gelände des NABU Nordheim


Julia Riesner und Bruno Weingärtner öffnen Bienenstöcke


Julia Riesner zeigt Bienenstock mit Königin


Naturschutzbund: Pflanzentauschaktion lockt am Samstag
Gartenfreunde auf den Schillerplatz

Abwechslung fürs Blumenbeet

Lampertheim. Frühlingszeit ist Pflanzzeit und viele Gärtner nutzten schon fleißig das milde Wetter, um ihre Beete oder Balkonkästen vorzubereiten, sie mit neuen Pflanzen zu bestücken oder ältere zu teilen und zu verjüngen. Und deshalb bietet die Lampertheimer Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu) mit ihrer Vorsitzenden Andrea Hartkorn in diesem Zeitraum ihre Pflanzentauschbörse an. So auch am Samstagvormittag während des Wochenmarkts.

Naturnahen Lebensraum schaffen

"Die Pflanzenbörse ist gleichzeitig der Startschuss für den Wettbewerb Blick über den Gartenzaun", erklärte Andrea Hartkorn. Mit dieser Aktion für einen naturnahen Garten möchte die Nabu-Ortsgruppe die Menschen für mehr Natur in ihren Gärten begeistern. Denn jede neue Gestaltung eines naturnahen Lebensraums werde Grundlage einer nachhaltigen und lebensfrohen Umwelt. Und Tiere wie Vögel, Insekten, Schmetterlinge, Fledermäuse, Igel und Eidechsen profitierten von den heimischen Pflanzen, sind sich die Naturschützer sicher.

Auch erklärte die Vorsitzende, dass das Anlegen eines Komposthaufens, auf dem organische Reststoffe aus Garten und Haushalt gesammelt werden, für den Kleingärtner eine gute Möglichkeit sei, die Umwelt zu schonen. Kompost sei ein natürlicher Dünger und Bodenverbesserer.

Dass für einen Blütenzauber kein großer Garten nötig ist, sondern schon ein Balkon ausreichen kann, erläuterte Naturschützerin Anke Diehlmann: "Ein Biotop kann man auch auf einer kleinen Fläche schaffen." Wichtig sei, dass die Pflanzen blühen. "Denn was blüht heutzutage noch?" bedauerte Diehlmann und fügte sogleich dazu: "Als Wildbiene hat man da echt gelitten!"

Zahlreiche Gartenfreunde blieben am Stand des Nabu stehen und hörten den Ausführungen der Naturschützer aufmerksam zu. Fast alle Pflanzen gingen im Tausch oder gegen eine Spende über den Tisch. Beispielsweise brachte das Naturschützer-Ehepaar Christiane und Wolfgang Schnaiter aus seinem Garten Herbstastern, Christrose und Dachwurz sowie die Heilpflanze Frauenmantel mit. "Vor allem die echte Goldrute ist eine wahre Bienenweide", erläuterte Christiane Schnaiter.

Ihr Mann Wolfgang hatte Teichpflanzen wie Rohrkolben und Schachtelhalm geteilt und bot sie nun zum Tausch an. Auch diese waren heiß begehrt und alsbald vergriffen. Im Sommer spenden die Teichpflanzen Schatten und dienen zum Beispiel als Laichplatz für Amphibien.

"Sympathische Veranstaltung"

Edith Sperling-Sesin hatte von der Tauschbörse im "Südhessen Morgen" gelesen und befand: "Tolle Sache". Die Gartenfreundin brachte ebenfalls Pflanzen zum Tausch mit. Auch Wolfgang Gruber fand das Pflanzenangebot interessant: "Damit man mal etwas anderes in den Garten kriegt." Und er sprach den Naturschützern ein dickes Lob aus: "Eine sympathische Veranstaltung!" Von Andrea Hartkorn ließ er sich noch über den Wettbewerb "Blick über den Gartenzaun" informieren. Bei den vielen Naturfreunden, die Pflanzen mitnahmen, kann nun wohl der Freude im Garten oder auf dem Balkon nichts mehr im Wege stehen - außer vielleicht noch ein paar Stunden intensive Gartenarbeit.

© Südhessen Morgen, Montag, 16.04.2012 / Text + Foto: Rosi Israel

Wenig bekanntes Refugium
SANDGRUBE Tag der offenen Tür des NABU mit Amphibienvorstellung


  Foto: AfP Asel

Viele Lampertheimer wissen gar nicht, dass ganz in ihrer Nähe ein Biotop liegt, das zum Rückzugsort für viele Tiere und Pflanzen geworden ist: Das zumindest hat der NABU festgestellt - und lädt daher seit einiger Zeit zu einem Tag der offenen Tür an die Sandgrube Feuerstein ein, bei dem Interessierte Amphibien und Insekten, Wasservögel und Pflanzen hautnah erleben können. So auch am vergangenen Sonntag.

Gerade jetzt zeigt sich die Bedeutung der stillgelegten Sandgrube als Refugium: Molche, Frösche und Kröten nutzen das vorhandene Gewässer, um nach dem Winter darin abzulaichen. Viele Tiere müssen dazu erst aus dem naheliegenden Wald über eine vielbefahrene Straße gelangen, der Grund, weshalb die Naturschützer regelmäßig zur Zeit der Wanderungen Amphibienschutzzäune aufbauen. Mindestens 2 000 bis 3 000 in Eimern aufgefangene Tiere bringen sie jedes Jahr über die Straße. Besucher des Tags der offenen Tür erhielten dadurch die Gelegenheit, zum Beispiel Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch aus nächster Nähe zu sehen - ein Erlebnis besonders für die Kinder, die sich begeistert mit den Tieren beschäftigten, und eine Möglichkeit, Hemmungen oder Ängste abzubauen.


    Foto: Rosi Israel/SüMo


Gerd Will, Zweiter Vorsitzender der Lampertheimer NABU-Ortsgruppe, stellte die Amphibienarten, die alle unter Schutz stehen, näher vor und beantwortete Fragen: So ist der Grasfrosch der erste Frosch, der sich ab Mitte Februar auf den Weg in die Laichgebiete macht, so früh manchmal, dass die Gewässer wieder zufrieren können und der Frosch nicht mehr an die Luft gelangt. Die Erdkröte ist zur Wanderungszeit oft im Paar zu sehen; die Männchen suchen sich bereits unterwegs ein Weibchen, klammern sich an dieses und lassen es nicht mehr los bis zur Ablage der Eier, auf die sie dann ihr Sperma sprühen. Der Bergmolch ist früher nur in den Bergen beheimatet gewesen und dann auch in die Rheinebene vorgedrungen. Zumindest in der Sandgrube Feuerstein verdrängt er mittlerweile, so vermutet Will, den gefährdeten kleinen Teichmolch. Bislang konnten erst wenige Amphibien eingesammelt werden. „Die Nächte sind einfach noch zu kalt und es ist zu trocken“, erklärte Will.

Erste Vorsitzende Andrea Hartkorn führte in einem Rundgang um die Sandgrube herum und stellte unter anderem Pflegemaßnahmen vor. Die Naturschützer wollen das Areal als Sandgrube erhalten und schneiden Sträucher zurück, weil vom angrenzenden Wald viele Samen herübergelangen. Statt große Bäume zu fällen - in der Sandgrube wachsen viele Kiefern - werden diese häufig geringelt, das bedeutet, Stammmaterial wird entfernt und der Nährstoffstrom im Äußeren der Bäume unterbrochen. Die Bäume sterben dann langsam ab. Ein Problem seien die Fische im Gewässer, eingetragen von Enten: Sie fressen den Laich der Amphibien und trügen auf diese Weise zu deren Gefährdung bei. Daher planen die NABU-Mitglieder, das Gewässer künftig zu befischen.

Für Sonntag, 6. Mai, lädt der NABU zu einer naturkundlichen Exkursion ein.
Beginn ist um 9.30 Uhr am Amphibienschutzgebiet am Gelände des Turnvereins. Endpunkt ist das Lampertheimer Bruch.

03.04.2012 - LAMPERTHEIM/von Benjamin Joneleit

Vorsicht Krötenwanderung

05.03.2012 - LAMPERTHEIM

Von Carolin Jesussek/Fotos: AfP Asel

NABU Naturschützer stellen Amphibienschutzzaun auf

„Vorsicht Krötenwanderung!“ steht auf einem Schild geschrieben, das neben Werkzeug und Holzpflöcken im Gras liegt . Hier möchten fleißige Mitglieder des Naturschutzbundes Lampertheim und ihre Helfer einen Amphibienzaun aufbauen. Sowohl gefährdete als auch eher unscheinbare Amphibienarten sollen mit dieser Methode vor dem Straßenverkehr geschützt werden.

Nachdem bereits ein permanenter Schutz durch den Bau eines Amphibientunnels parallel zum Bau der Umgehungsstraße K3 gegeben war, engagierten sich die Naturschützer zusätzlich. Ein weiterer provisorischer Amphibienzaun sollte gebaut werden, sodass die Amphibien, die zum Teich in der Sandgrube Feuerstein wandern, vor dem Verkehr geschützt sind. Beim Einschlagen der Holzpflöcke halfen neben den Mitgliedern des Vereins auch die Naturschutzjugend des NABU sowie naturverbundene freiwillige Helfer. Auf 200 Metern sollte eine Kunststofffolie, die dazu dient, dass die Tiere in Eimer getrieben werden, aufgestellt werden. Die Eimer sind alle 15 Meter in den Boden eingelassen worden. Geplant ist, dass diese zweimal täglich, früh morgens und spät abends, geleert werden. Über die Anzahl der Tiere und ihre verschiedenen Arten wird ein Protokoll geführt, das zur Dokumentation und Kontrolle über die Bewohner des Teiches dient. Nach der Identifikation der Arten werden sie in den Teich gelassen, um zu laichen.



So schützen die Vereinsmitglieder die Tiere in Form einer „lebenden Brücke“, wie Anke Diehlmann es ausdrückt. „Nachdem wir Menschen den Tieren stellenweise ihren natürlichen Lebensraum nehmen, müssen wir einen Weg finden, um sie vor den von uns ausgehenden Gefahren zu schützen“, erklärt sie das Vorhaben. Normalerweise, wie auch in den Vorjahren, wird der Amphibienzaun bereits Mitte Februar angelegt, dieses Jahr musste der Bau jedoch aufgrund des Bodenfrosts um einige Zeit verschoben werden. „Geplant ist, dass der Zaun etwa einen Monat aufgestellt bleiben soll, erste Frösche und Kröten werden jedoch bereits in den nächsten Tagen erwartet“, so der Zweite Vorsitzender des NABU Gerd Will. „Sobald der Regen einsetzt, geht der Amphibienzug los“, erklärt er, „auch in anderen Ortschaften ist der NABU derzeit mit solchen Schutzmaßnahmen beschäftigt“, erläutert er. Finanziert würde das Projekt mit Mitgliedereinnahmen der zirka 250 Mitglieder, so Will.


Die ehemalige Sandgrube, die im Jahr 1974 von der Firma Feuerstein angelegt und seit 2002 von der Stadt Lampertheim dem Nabu übergeben wurde, ist zu einem schützenswerten Lebensraum vieler Vogel-, Frosch- und Molcharten geworden. So kommt es, dass jährlich etwa 23 000 Amphibien zum Frühlingsanfang dort ablaichen. Die Sandgrube Feuerstein ist also „ein Beispiel dafür, wie frühere Wunden in der Landschaft verheilen und zu Rückzugsgebieten für bedrohte Tiere und Pflanzen werden können“, wie es auf einer Anzeigetafel in der Nähe der Sandgrube treffend beschrieben wird.

Trotz der Tatsache, dass die Tierbestände seit wenigen Jahren rückläufig sind, konnten die Naturschützer bereits einige Erfolge verzeichnen. So wird beispielsweise besonderes Augenmerk auf die vom Aussterben bedrohte Knoblauchkröte gelegt. Sobald von jeder in dem Umfeld vertreten Art einige Exemplare in dem Teich leben, möchte der NABU Mitte März zum Tag der offenen Tür einladen, wo Gäste die verschiedenen Amphibien bewundern können. Nach getaner Arbeit hoffen die fleißigen Helfer bereits nach wenigen Tagen auf erste Erfolge: ob Kreuzkröte, Teichmolch oder Grasfrosch - ein jedes geschütztes Tier macht die Naturschützer glücklich.


Naturschutzbund: Maria und Alfred Zerhau gewinnen Naturgarten-Wettbewerb

Paradies für Fledermäuse

NABU-Naturgartenwettbewerb-Preisverleihung
NABU-Mitglied Wolfgang Schnaiter (links) übergibt den ersten Preis an Alfred und Maria Zerhau

Lampertheim. Vorsichtig schneidet Alfred Zerhau den Karton mit einem kleinen Messer auf und entfernt die Folie. Gespannt schaut auch seine Frau Maria in den Karton und vermutet richtig: Der rechteckige, flache Kasten aus stabiler Naturkeramik ist eine Schlaf- und Nisthöhle für Fledermäuse. Die Eheleute Zerhau sind begeistert. Dieser Fledermauskasten wird ein weiteres Element in ihrem naturnahen Garten werden.

Neben allerlei selbst gebauten Insektennisthilfen und einem Steinkauzkasten haben sie vor allem mit Teich, heimischen Pflanzenarten, Trockenmauern, Kräuterspirale und Fassadenbegrünung sowie natürlichem Pflanzenschutz für den Naturgarten-Wettbewerb "Blick über den Gartenzaun" gepunktet. Dieser wurde bereits zum zweiten Mal im vergangenen Jahr vom Lampertheimer Naturschutzbund (NABU) gemeinsam mit der Stadt Lampertheim veranstaltet.

Da der Garten von Ehepaar Zerhau alle Kriterien des naturnahen Gartens erfüllt, erhalten sie vom NABU den ersten Preis. "Ihr Garten schafft vielfältige, bunte Lebensräume für Mensch und Tier", bestätigt Erste Vorsitzende Andrea Hartkorn bei der Preisübergabe. Gemeinsam mit einigen aktiven NABU-Mitgliedern wurden im vergangenen Jahr Gärten, die sich für diesen Wettbewerb angemeldet hatten, besichtigt. Zusammen mit Anke Diehlmann, Klaus Feldhinkel und Dieter Melchior war auch Wolfgang Schnaiter als Jurymitglied unterwegs. Er hat selbst einen naturnahen Garten und kennt sich besonders gut aus.

Besonders die vielen Nisthilfen in Zerhaus' Garten haben es ihm angetan. "Ein Naturgarten bietet Tieren Nahrung, Nist- und wichtige Versteckmöglichkeiten an. Gerade Kinder beobachten gern die Vorgänge in der Natur", erklärte er. Neben dem Fledermauskasten überreicht er Ehepaar Zerhau eine Urkunde sowie ein Buch über Fledermäuse. Platz zwei und drei des Wettbewerbs belegen Christel Diehlmann und Lieselotte Fendrich. aha

Südhessen Morgen
3. Februar 2012

Pflegemaßnahmen
an NABU-Storchenstation
Verjüngungskur für Gehölze

Überalterung von Gehölzen und Verbuschung an der ehemaligen NABU-Storchenstation riefen die Lampertheimer NABU-Aktiven auf den Plan. Dabei wurden etliche Hecken "auf den Stock" gesetzt, so dass sie im Frühjahr wieder neu austreiben können.

28.01.2012






Archiv 2011

Tiere: Lampertheimerin macht Entdeckung im Garten

Großes Hornissennest im Spielhäuschen

Lampertheim. Karin Karb staunte nicht schlecht, als sie vor einigen Tagen in das ehemalige Spielhäuschen ihres Enkels schaute. Sie blickte auf ein etwa 60 Zentimeter breites und hohes Hornissennest. Es hängt am oberen Rand der Wand, ist unten offen und besteht aus einer papierartigen Masse. "Den ganzen Sommer sind die Tiere durch das kleine Fenster des Häuschens ein- und ausgeflogen", berichtete sie.

Obwohl sie mit einer Größe von durchschnittlich 25 Millimetern, bei der Königin sogar 35 Millimetern, durchaus furchteinflößend sind, hatte die Lampertheimerin keine Angst vor den bassartig brummenden Insekten. "Sie waren die ganze Zeit überhaupt nicht angriffslustig. Auch mein Enkel Luis konnte sie beobachten, wie sie in sein früheres Spielhäuschen flogen", erzählte sie. Sie erklärte ihm jedoch, dass er sie nicht stören sollte, damit sie nicht in Panik geraten und friedlich bleiben.

Allgemein gelten Hornissen als sehr friedvoll und stechen nur im Notfall, um ihr Nest zu verteidigen. Verwechselt werden die sozialen, unter Artenschutz stehenden Tiere gern mit Wespen, die jedoch mit etwa 20 Millimetern etwas kleiner sind. Ein Hornissenvolk kann aus 600, im Extremfall sogar aus bis zu 1000 Tieren bestehen.

Die Königin bildet quasi das "Herz" des Staates und beginnt ab Mai mit dem Bau des Nestes. Anfang Juni schlüpfen dann die ersten Arbeiterinnen, die sich sofort dem Weiterbau, der Jagd und der Fütterung der Larven widmen. Als Nahrungsquelle dienen ihnen Insekten. Auch naschen sie im Herbst gern an Fallobst. Hornissenstaaten sterben erst zwischen Mitte Oktober und Anfang November ab. Daher können Karb und ihr Enkel auch jetzt noch an warmen Tagen die eine oder andere Hornisse beobachten, die im Garten umherschwirrt. aha

Südhessen Morgen
09. November 2011

NABU: Pflanzenbörse lockt Naturfreunde an / Experte gibt Ratschläge / Wettbewerb "Blick über den Gartenzaun" gestartet

Hobbygärtner tauschen sich aus

Lampertheim. Gerade im Frühling stehen viele Arbeiten im Garten an. Blumen oder Stauden werden gepflanzt, Hecken gestutzt und der Rasen gemäht. Der richtige Zeitpunkt also für eine Pflanzentauschbörse und um einen "Blick über den Gartenzaun" zu werfen, das heißt den Wettbewerb 2011 für einen naturnahen Garten zu starten.

In Lampertheim scheinen viele Naturliebhaber zu leben. Jedenfalls hatte die Pflanzentauschbörse am Samstagvormittag einen wahren Ansturm zu verzeichnen. Diese Börse mit unzähligen Sorten einheimischer Pflanzen bot die Lampertheimer Ortsgruppe des Naturschutzbundes (NABU) an. Außerdem fiel gleichzeitig der Startschuss für den NABU-Naturgartenwettbewerb, der in Kooperation mit der Stadt Lampertheim ausgetragen wird. "Dieser wird in diesem Jahr zum zweiten Mal durchgeführt", erklärte NABU-Vorsitzende Andrea Hartkorn.

Flyer wirbt für Wettbewerb

Mit Hilfe von Flyern und persönlichen Gesprächen machten die Naturschützer Werbung für den Wettstreit und erklärten die Notwendigkeit eines naturnahen Gartens. Hier hakten viele Naturinteressierten ein und berichteten über ihre Erfahrungen im eigenen Garten. Der Expertenrat des NABU-Mitglieds und Gärtnermeisters Klaus Feldhinkel kam dabei gut an.

Die am Samstag angebotenen Pflanzen, die aus dem heimischen Teich oder Garten der Spender stammten, waren kurz vorher ausgegraben und zum Schillerplatz gebracht worden. Und schon während die Gewächse am Stand auf Abnehmer warteten, wurden sie bereits von Insekten angeflogen. So steuerten Hummeln und Bienen die zarten Blüten einer Akelei an, um sich am Nektar zu laben. In einem Naturgarten könnten auch Kinder Interessantes entdecken, betonte Andrea Hartkorn. Beispielsweise, dass es nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen gebe. Die Vorsitzende leitet mit Anke Diehlmann die Jugendgruppe bei der NABU-Ortsgruppe. "Wir wollen die Jugend weg vom Fernseher, hinaus in die Natur bringen", sagte Biologin Diehlmann.

Tiere und Pflanzen im Garten

"Insekten sind wichtig für die Bestäubung der Pflanzen und Obstbäume," sagte Hartkorn. Andererseits profitierten Tiere, wie Vögel, Schmetterlinge und Insekten von den heimischen Gartenpflanzen, da sie sich von ihnen ernährten. So sei die Wildrose eine wertvolle Insektenweide. "Jeder kann dazu beitragen, Lebensraum für die heimische Tierwelt zu schaffen", unterstrich die NABU-Vorsitzende. Gärtner könnten Trockenmauern errichten, in deren Ritzen heimische Wildpflanzen wachsen und die Lebensräume für Wildbienen und Eidechsen bieten. Auch an den Igel sollte im Herbst mit Laubhaufen gedacht werden.

Die NABU-Mitglieder und Besitzer eines naturnahen Gartens, Christiane und Wolfgang Schnaiter, hatten ihren Teich geplündert und Rohrkolben, Seerosen, Wasserlilien und vieles mehr mit zur Börse gebracht. Das Ehepaar berichtete stolz von zwei Ringelnattern in seinem Teich und konnte aus eigener Erfahrung vielen Hobbygärtnern Auskunft über Pflanzenarten geben.

Anni Meinen kam geradewegs aus ihrem Garten zur Börse und ließ wissen: "Ich denke immer an die Insekten und ich achte auch auf Ruhezonen. Mein Garten ist Natur pur und das liebe ich." Schwer zu buddeln hatten Christa Irrgang und Dieter Strassner, die in ihrem Vorgarten große Teile der Yuccalilie ausgegraben hatten. Doch auch für Balkongärtner bot die Börse vieles. Denn auch sie können auf kleinem Raum einen Lebensraum für Nützlinge schaffen, sind sich die Lampertheimer Naturschützer sicher.

Südhessen Morgen/Rosi Israel
09. Mai 2011

NABU: Pflanzaktion an der Sandgruppe Feuerstein

Gehölz bietet Tieren Schutz

Lampertheim. Allerlei heimische Sträucher hat die Lampertheimer NABU-Gruppe an der Sandgrube Feuerstein eingepflanzt. Im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen an der K 3 stellte die Stadt Lampertheim den Naturschützern 100 Pflanzen zur Verfügung. Schon im Jahr 2009 pflanzten die Mitglieder außerhalb des Zaunes heimische Arten wie Haselnuss, Hartriegel, Schneeball, Weide, Heckenkirsche, Holunder, Pfaffenhütchen sowie Wildrosen an. Mit fachgerechter Unterstützung von Gärtner und NABU-Mitglied Klaus Feldhinkel schlossen sie nun Lücken und hoben weitere Pflanzlöcher aus. Lichthungrige Arten wie etwa Wildrosen oder Weiden bekamen dabei ein Sonnenplätzchen zugewiesen.

Zudem bieten Gehölze nun einen zusätzlichen Schutz zur Umzäunung. Mittels Schubkarren verfrachteten die Helfer sie an die entsprechenden Stellen und gossen sie mit Wasser aus der Sandgrube. NABU-Mitglied Gerd Will mähte zuvor noch altes Gras zurück, um Platz für die aktiven Helfer zu schaffen. "Insekten benutzen Blätter, Blüten und Holz als Nahrungsquelle. Für Vögel ist das dichte Gezweig ist ein idealer Nistplatz", erklärte er. Auch die am Boden wohnenden Kleintiere wie Laufkäfer, Blindschleichen und Igel finden unter den Sträuchern Nahrung und Unterschlupf. Insektenfressende Tiere wie Spinnen, Vögel oder Fledermäuse gehen dort auf die Jagd. Auch im Herbst und bei Eis und Schnee im Winter bieten die heimischen Sträucher immer noch einen reichlich gedeckten Tisch mit vielen Beeren. aha

Südhessen Morgen
5. April 2011

Tag der offenen Tür: Naturschützer laden in die Sandgrube Feuerstein / Zum Rückzugsgebiet für bedrohte Arten gemausert

Molche näher kennen gelernt

Lampertheim. Auf dem Gelände der Sandgrube Feuerstein war am Wochenende viel los. Der Naturschutzbund hatten die Bürger dazu eingeladen, sich beim Tag der offenen Tür einem Überblick über seine Aktivitäten zu verschaffen.

Zur Erinnerung: Bis 1983 baute an jener Stelle die Firma Feuerstein Sand ab. 2002 wurde die Grube aus naturschutzrechtlichen Ausgleichsausgaben der Stadt gekauft und dem NABU übertragen. Das Ergebnis konnte nun erneut bewundert werden. "Die Sandgrube ist zum Rückzugsgebiet für bedrohte Arten geworden", informierte Andrea Hartkorn, Erste Vorsitzende des NABU-Lampertheim, die zahlreichen Besucher. Das sind allerlei Vögel wie die Zwergtaube, der Pirol, die Uferschwalbe oder gar der Eisvogel, aber auch Amphibien und Reptilien, wie der Teich- und der Bergmolch oder die Kreuz- und die Knoblauchkröte.

Viel haben die Naturschützer auf der Anlage und um sie herum geleistet. Das Gelände wurde entrümpelt und eingezäunt. Davor hat man inzwischen einen mehrere hundert Meter langen Amphibienschutzzaun errichtet. Der soll die Frösche und Kröten schützen, die nach der Überwinterung im Wald im Frühjahr zum Ablaichen zur Grube wollen. Und dafür müssten sie die benachbarte - und für sie lebensgefährliche - Straße überqueren.

Natürlich sind besonders Kinder und Jugendliche willkommen. Sie möchte der NABU rechtzeitig für die Belange des Umweltschutzes sensibilisieren. Dieser Tage ist man dabei, eine Jugendgruppe ins Leben zu rufen. Unter der Leitung von Hardy Ruckdeschel soll der Nachwuchs im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren Erfahrungen im Umgang mit der Natur machen. Nach den Osterferien wird es losgehen, Neuzugänge sind ausdrücklich erwünscht.

Am Rande der Veranstaltung zeigte sich Hartkorn mit der Entwicklung der Lampertheimer Ortsgruppe zufrieden. 290 Mitglieder zählt sie zurzeit und entgegen dem landläufigem Trend kann die Vorsitzende vermelden: "Tendenz steigend."

Selbst das Wetter meinte es gut mit den Veranstaltern. Bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen führte Amphibienschutzexperte Gerd Will über die Anlage. Vom Landratsamt gab es eigens eine Ausnahmegenehmigung, die es erlaubte, sich den Tieren zu nähern und einige sogar in die Hand zu nehmen.

Südhessen Morgen
29. März 2011/Jürgen Klotz

Ideen für die Zukunft

NABU Lampertheimer Ortsgruppe wählt neuen Vorstand / Eugen Aefelein ist Ehrenmitglied


Die Lampertheimer Ortsgruppe des NABU hat am Donnerstag seine Jahreshauptversammlung abgehalten. Im Mittelpunkt stand die Wahl eines neuen Vorstands, doch abseits davon wurden im Gasthaus „Zur Krone“ von den Mitgliedern des Naturschutzbunds auch viele Ideen und Ziele für die Zukunft angesprochen.

Die bisherige Führung der Ortsgruppe wählten die Mitglieder auf zwei weitere Jahre. Andrea Hartkorn bleibt Erste Vorsitzende, Zweiter Vorsitzender ist weiterhin Gerd Will. Dieter Melchior bleibt auch in Zukunft Kassenwart. Zur Schriftführerin wurde Anke Diehlmann bestimmt, und als Beisitzer wurden Walter Lisewitsch, Wolfgang Schnaiter, Kirstin Schmitt und Klaus Feldhinkel gewählt. Eugen Aefelein verließ den Vorstand altersbedingt und wurde für seine langjährige Mitarbeit zum Ehrenmitglied ernannt. Die NABU-Ortsgruppe ehrte außerdem Birgit Reiner-Appelt für 30 Jahre und Werner Geil, der nicht anwesend war, für 20 Jahre Mitgliedschaft.

Vor den Wahlen verlas Dieter Melchior den Kassenbericht und entlasteten die Mitglieder den Vorstand. Bei einigen tiefergehenden Themen, die die Finanzen betreffen, verständigten sich die Anwesenden darauf, diese in Zukunft noch weiter zu verfolgen. Gerd Will gab einen Überblick zu den Naturschutzarbeiten rund um Vögel und Amphibien im vergangenen Jahr. Fast 190 Nistkästen für Vögel hat der NABU zurzeit im Wald. „Bewohnt mit Vögeln waren im letzten Jahr 170“, erläuterte Will. Der NABU erfasst die Zahl der in den Kästen nistenden Vögel regelmäßig und auch, welcher Art diese angehören. So nutzten unter anderem Kohl- und Blaumeisen die Nistgelegenheiten, aber auch Kleiber und sogar einige Fledermäuse. Für Ende März ist eine Reinigung der Nistkästen angesetzt.

Die Bestände der Amphibien, so Will, seien überall ein wenig rückläufig. Die größten Wanderungen stellen die Naturschützer auf dem Weg vom Wald zur Grube Feuerstein fest, einem Biotop, das vielen Tieren und Pflanzen als Rückzugsort dient. Da die Tiere auf diesem Weg eine viel befahrene Straße überqueren müssen, errichtet der NABU dort Amphibienschutzzäune.

Andrea Hartkorn berichtete von der Arbeit der Naturschutzjugend und der Agenda-21-Arbeitsgruppe „Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen“, in der der NABU auch aktiv ist. Die Jugendgruppe des Vereins werde gut angenommen. „Die Kinder kommen gerne zu unserer Gruppe“, bilanzierte Hartkorn. Dort können sie unter anderem mithelfen, die erwähnten Amphibienschutzzäune aufzubauen. Positiv wertete Hartkorn, dass viele Schulen und Kindergärten sich für Naturschutzprojekte öffneten. Mehr Einsatz wünschte sie sich noch von den Elternhäusern, um einer Entfremdung der Kinder von der Natur entgegenzuwirken.

Schnell zeigte sich bei der Versammlung, dass die Naturschützer viele Ideen und Ziele für die Zukunft haben. So wollen sie sich zum Beispiel für mehr Blühflächen in der Lampertheimer Heide einsetzen und versuchen, Landwirte für diese Idee zu gewinnen. Denn Blühflächen gebe es nur wenige. „Wo nichts blüht, da summt auch nichts mehr“, betonte die Erste Vorsitzende. Auch der Naturgarten-Wettbewerb, in den Augen der NABU-Mitglieder erfolgreich verlaufen, soll seine Fortsetzung finden. Eine weitere Idee geht dahin, der Bevölkerung anzubieten, bei Projekten des Vereins mitzuhelfen, ohne diesem gleich beizutreten.

12.03.2011 - LAMPERTHEIM/Von Benjamin Joneleit

Aufbau der Amphibienschutzzäune

Die Amphibienschutzzäune sind nun an der Sandgrube Feuerstein sowie am Sandtorfer Weg aufgebaut worden.

Vielen Dank an die vielen großen und kleinen Helfer, die dabei waren!

26. Februar 2011

Alle Teilnehmer waren Gewinner
Siegerehrung beim Naturgarten-Wettbewerb „Blick über den Gartenzaun“

Die Preisträger und die Veranstalter des Naturgarten-Wettbewerbs trafen sich zu einer kleinen Feier mit Siegerehrung am Donnerstag im Sitzungssaal des Alten Rathauses in Lampertheim. Foto: Vanessa Heß


LAMPERTHEIM – "Blick über den Gartenzaun": Zu diesem Naturgarten-Wettbewerb hatten der NABU Gruppe Lampertheim und die Stadt Lampertheim FB 70 Technische Betriebsdienste eingeladen. "Mit dieser Aktion möchten wir die Menschen für mehr Natur in den Gärten begeistern. Jede neue Gestaltung eines naturnahen Lebensraumes wird Grundlage einer nachhaltigen und lebensfrohen Umwelt", erklärten die Organisatoren den Gedanken hinter dem Projekt. Aus diesem Grund hatten sie den Wettbewerb "Blick über den Gartenzaun" ins Leben gerufen. Insgesamt sechs Teilnehmer hatten sich beworben und ließen ihre Gärten von der Jury bewerten. Zu den Merkmalen von Naturgärten zählen, dass die Anlage und Pflege des Gartens nach ökologischen Geschichtspunkten erfolgt, vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen entstehen sowie eine standortgerechte, möglichst auch landschaftstypische Bepflanzung, zu finden ist. 

Am Donnerstag kamen die Teilnehmer zu einer kleinen Feier im Sitzungssaal des Alten Rathauses zusammen, um ihre Urkunden und Geschenke entgegenzunehmen. Die Veranstalter des Naturgarten-Wettbewerbs waren froh zu verkünden, dass es insgesamt drei erste Plätze und drei zweite Plätze gab. Auch Bürgermeister Erich Maier war gekommen, um den Gewinnern zu gratulieren. Einen ersten Platz belegte Volkmar Heinemeyer mit seinem Schrebergarten. Neben einer Urkunde erhielt er eine Hummelburg. Einen weiteren ersten Preis gab es für die Familie Ohlow und ihr Ackergrundstück. "Es ist wirklich erstaunlich was man mit einem solchen Grundstück machen kann", erklärtre Andrea Hartkorn, Vorsitzende der NABU Gruppe Lampertheim,  während der Preisverleihung und überreichte Markus Ohlow eine Urkunde sowie einen Gutschein für ein Igelhaus.

Der dritte erste Platz ging an Christiane und Wolfgang Schnaiter für ihren naturnahen Hausgarten. Unter anderem ein Teich, Hecken und Nistmöglichkeiten für Vögel sind hier zu finden. Für sie gab es eine Nisthilfe für Insekten. Über ihr Geschenk freuten sich die Preisträger besonders: "Das wäre unser nächstes Projekt gewesen", erklärten sie. Jeweils eine zweiten Platz belegten Hans und Christel Schlatter, Maria Schnell und Aloisia Schulz. Für die Zweitplatzierten gab es jeweils neben einer Urkunde einen Wildbienenniststein. "Wir möchten uns auch weiterhin für Naturgärten einsetzen. Dies war ein guter Beginn", betonte Andrea Hartkorn am Ende der Siegerehrung.

TIP-Verlag, 3. Dezember 2010
Vanessa Heß

Mitmach-Projekt 2010

Natur-Erlebnisgarten

Weg vom "TTRE-Garten": Tannen, Thujas, Rhododendron und Englischer Rasen. Immer schön aufgeräumt - aber leider auch weitgehend tot.

Was also ist ein Öko-, Bio- oder Naturgarten? Es ist die Einstellung zum Garten und seinen Bewohnern und es sind die Methoden, die den Ökogärtner von "Normalgärtner" unterscheiden:
Die Pflege des Bodens und des Bodenlebens, chemische Kunstdünger und Pestizide sind tabu.
Stattdessen werden Naturdünger, Kompost und biologische Mittel verwendet. Gegen Krankheiten und Schädlingsbefall soll vor allem die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gestärkt werden. Hilfe zur Selbsthilfe also. Durch die Anlage von heimischen Sträuchern und Gehölzen soll der Garten Lebensräume für Tiere bieten. Lebensräume für Tiere und Pflanzen sind zugleich Erlebensräume für den Gartennutzer.


Folgende Aktionen sind übers Jahr geplant:

"Blick über den Gartenzaun"-Wettbewerb!:

Wer hat in Lampertheim naturnahe Elemente oder sogar einen Ökogarten vorzuweisen?
Auch Brutmöglichkeiten für Vögel sowie Bienenhölzer - bzw. Steine, Hummelburgen oder naturnahe Teiche sowie Unterschlupfmöglichkeiten für Igel, Eidechse oder Fledermäuse können dabei gezeigt werden.
Jeder, der für mehr Natur im Garten sorgt, kann sich bei uns melden. Prämiert werden dabei die naturfreundlichsten Gärten. > Kontakt
 
"Tauschbörse für Pflanzen":

NABU-Stand auf dem Schillerplatz mit eigenen, vorgezogenen Pflanzen wie Kräutern oder bienenfreundliche Stauden für den Garten. Diese werden zum Tausch gegen andere, mitgebrachte Pflanzen angeboten.

"Pflanzung heimischer Sträucher im Herbst an der Sandgrube Feuerstein":

Hierbei können sich Interessierte beteiligen. Wer mitmacht, darf auch einen Strauch seiner Wahl mit nach Hause für seinen Garten mitnehmen. Die heimischen Sträucher dienen Vögeln und Insekten als Unterschlupf und Nahrungsquelle.

"Ansprechpartner für Infos rund um den Natur-Erlebnisgarten":

Gärtnern soll in erster Linie Spaß machen und entspannen. Auch ohne das ganz große Umkrempeln geht es Schritt für Schritt Richtung Naturgarten: Hier wollen wir interessierten Gärtnern Infos zum Ökogarten bieten. Der Naturgarten lädt ein zum spielen, riechen, schmecken und ist daher auch für Familien mit Kindern ein Erlebnis. Aber auch "Balkongärtner" kommen auf ihre Kosten. 

Alle Aktionen werden vorher in der Presse bekannt geben.

Zum Thema Naturgarten gibt es mittlerweile auch jede Menge guter Literatur - hier einige Buchempfehlungen:

Natur Erlebnis Garten

sowie weitere Informationen:

NABU Hamburg - Naturnaher Garten

Naturnaher Gartenbau

Bücher/Broschüren:

Bücher zum Thema Garten

NABU-Broschüre "Gartenlust" zum bestellen (1,50 Euro/Stck.) > Suchbegriff "Gartenlust" eingeben!


Interesse am Wettbewerb? Dann kontaktieren Sie uns >per Mail oder >Telefon

Archiv > März 2010


Amphibienwanderung hat begonnen


Fleißige Helfer beim Einsammeln


Volle Eimer: am Samstagabend, 20. März, waren bis 21.00 Uhr
schon über 600 Amphibien eingesammelt.



Erdkrötenpaar am Amphibienschutzzaun


Agenda-Gruppe: Welsches Loch droht zu verlanden / Naturschützer wollen erreichen, dass alte Schließe instand gesetzt wird

"Die Lage hat sich dramatisiert"

Von unserem Redaktionsmitglied Katja Nicklaus

Lampertheim. Im Herbst und Frühjahr herrscht am Welschen Loch viel Betrieb. In zum Teil großen Schwärmen nutzen Durchzügler auf ihrer Reise in den Süden oder auf dem Rückweg zu ihren Brutplätzen diesen Flachwassersee als Raststätte. Kanadagänse und Graugänse sowie viele Entenarten aus dem Norden, die auf ihrer Reise von Russland, Schweden oder Dänemark ein paar Tage ausruhen, futtern sich hier eine Grundlage für den Weiterflug an. Doch Hochwasser hat in den vergangenen zwei Jahrhunderten eine meterdicke Sedimentschicht angespült: Das Welsche Loch droht allmählich zu verlanden.

"Die Lage hat sich in den letzten Jahren dramatisiert", bringt es Andrea Hartkorn, Sprecherin des Agenda 21-Arbeitskreises Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen, auf den Punkt: "Im heißen Sommer von 2003 ist das Welsche Loch erstmals ganz ausgetrocknet." Derzeit betrage der Wasserstand nur rund 50 Zentimeter. Während das Gewässer trocken lag, habe sich zudem die Silberweide großflächig ausgesät und fördere noch die Verlandung. Damit den Zugvögeln aber dieser wichtige Rastplatz erhalten bleibt, bemüht sich die Agenda-Gruppe um die Genehmigung, die alte Schließe, die zwischen Altrhein und Welschem Loch liegt, instand setzen zu lassen.

"Die Schließe hat damals der Steuerung der Wasserdynamik gedient, ist aber kaputt", erläutert Hartkorn. Zudem sei der Damm löchrig - man habe sogar bewusst ein Loch in den Damm gemacht, um den Wasserdurchlauf zu gewährleisten. "Damals war die Problematik nicht so konkret." Nun aber drohe zusätzlich noch, dass sich die Silberweide zu einem Wald ausbreite, der dann seinerseits unter Schutz gestellt werde. Funktioniere die Schließe hingegen wieder, könne man Wasser im Welschen Loch zurückhalten, was - wie bei den hohen Wasserständen im vergangenen Frühjahr und Sommer - zu einem Absterben der Weiden führen würde. Damit bliebe Wasserfläche und somit Lebensraum für Zugvögel erhalten.

Alexander Ochmann vom Fachdienst Umwelt und Stadtentwässerung bestätigt, dass die Stadt eine Instandsetzung der Schließe im Sinne der Hochwasserregulierung gerne finanziell unterstützen würde - wenn das für das Naturschutzgebiet zuständige Regierungspräsidium Darmstadt dem grundsätzlich zustimme. Um an das Regierungspräsidium herantreten zu könne, müsse man sich aber auf ein Gutachten stützen können. Ein solches gewässerökologisches Gutachten zur Regenerierung der Auengewässer habe das Institut für Umweltstudien (IUS) Weibel & Ness erstellt - darin fehle aber noch eine Aussage über die Steuerung der Wasserdynamik. Selbst dann bleibe aber noch die Frage, ob man in den natürlichen - wenn auch menschlich verstärkten - Prozess der Sedimentation eingreifen oder vielmehr der Natur ihren Lauf lassen solle. "Da streiten sich Naturschützer mit Naturschützern", weiß Ochmann. Aber er sieht auch das Problem: "Es entstehen kaum neue Wasserflächen, es gibt kaum Alternativen für die Zugvögel."

Südhessen Morgen
14. Januar 2010

Erfolg für den Naturschutz

Naturschutz / Kein Gift gegen Maikäfer / Ministerinnen-Entscheid

Bunte Artenvielfalt bleibt im Riedwald erhalten

NABU Hessen begrüßt Ministerinnen-Entscheid gegen Gifteinsatz

Wiesbaden/Bensheim. Der NABU Hessen begrüßt die Entscheidung der hessischen Umweltministerin Silke Lautenschläger, den geplanten Gifteinsatz in den Wäldern des hessischen Rieds abzusagen. „Wir freuen uns, dass sich die Ministerin gegen das Gift und für einen nachhaltigen Umgang mit dem Wald entschieden hat“, fasste Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen, die Position des größten hessischen Naturschutzverbandes zusammen.

Der Landesbetrieb Hessen-Forst hatte geplant, Ende April auf mehreren Tausend Hektar Wald per Hubschrauber das Gift „Dimethoat“ auszubringen. Der Biologe Eppler betonte, dass die Entscheidung gegen das Breitbandgift ein hoffnungsvolles Signal für das internationale Jahr der biologischen Vielfalt 2010 sei. Die Artenvielfalt der zu großen Teilen europaweit geschützten Wälder sei ein wertvolles Naturerbe und müsse für die Menschen bewahrt werden. Vor allem die alten Eichen- und Buchenwälder seien „Hotspots der Artenvielfalt“, in denen allein über 900 verschiedene und seltene Käferarten lebten. Als Beispiele nannte Eppler Hirsch- und Heldbockkäfer. Die Entscheidung der Ministerin bezeichnete der NABU als „mutigen Schritt, nicht den leichtesten Weg zu gehen“.

Der Beschluss gegen das Giftsprühen bestätige auch den Einsatz vieler Bürger für einen giftfreien Wald. Mehr als 1600 Menschen hätten Briefe mit der eindringlichen Bitte an die Ministerin geschrieben, den Gifteinsatz abzusagen. Die Menschen könnten nun auch im nächsten Frühling angstfrei im Wald spazieren gehen, mit Kindern die Natur erleben und die Artenvielfalt erkunden. In den Wäldern leben echte Raritäten, wie der schöne Wiedehopf und der „Ziegenmelker“ eine faszinierende und seltene Nachtschwalbe.

Nach der Entscheidung gegen den Gifteinsatz komme es nun darauf an, wirkungsvolle Schritte für eine nachhaltige Sicherung und Entwicklung der durch Grundwasserabsenkung, Luftschadstoffe und Klimawandel geschwächten Wälder des Hessischen Rieds in Angriff zu nehmen. Es gebe viele Möglichkeiten, dem Wald zu helfen, so der NABU. „Unsere  Zukunftsvision für die Wälder des Rieds lässt sich in fünf Punkten zusammenfassen“, so Eppler. Die Wälder des Rieds müssten vorrangig der Erholung sowie dem Wasser-, Boden- und Naturschutz dienen, nicht der Holzernte. Die  Waldbewirtschaftung müsse an die aktuellen standörtlichen Bedingungen und den fortschreitenden Klimawandel angepasst werden. Mehrere Waldschutzgebiete sollten eingerichtet werden, in denen erforscht werden kann, wie sich die Riedwälder ohne Nutzung entwickeln. Die Artenvielfalt in den Wäldern des Hessischen Rieds müsse erhalten und gefördert werden. Und alle Möglichkeiten zur Erhöhung des Grundwasserstands in den Wäldern des Hessischen Rieds sollten genutzt werden.

Der NABU Hessen sei bereit, als Partner an der Realisierung eines nachhaltigen Zukunftskonzeptes für die Wälder des hessischen Rieds konstruktiv mitzuarbeiten, so Eppler. Mehr Hintergründe unter www.NABU-Hessen.de

Weitere Informationen

Hartmut Mai
Landesgeschäftsführer NABU Hessen
Tel.: 0171-2025456
E-Mail: Hartmut.Mai@NABU-Hessen.de

> siehe auch PM NABU KV Bergstraße

NABU lehnt Gifteinsatz gegen Maikäfer ab


Angst um Mensch und Tier

27.08.2009 - LAMPERTHEIM

Von Sandra Dörr - Lampertheimer Zeitung

PROTEST Naturschutzbund warnt vor Einsatz chemischer Mittel gegen Maikäfer-Massenvermehrung

Weiße Chemieschutzanzüge, Feinstaubmasken, tote Vögel und Fledermäuse: Mitglieder des NABU-Kreisverbands Bergstraße und des Lampertheimer Ortsvereins haben am Mittwoch im Neuschlosser Wald demonstriert. Mit ihrer Aktion will der Naturschutzbund auf die Pläne von Hessen-Forst aufmerksam machen - und sie verhindern.

Die Forstbehörde will 2010, einem Maikäfer-Flugjahr, das Insektizid Dimethoat großflächig über dem Lampertheimer, Bürstädter und Jägersburger Wald ausbringen, um der geflügelten Plage Herr zu werden. Für die Naturschützer eine Katastrophe; sie fürchten um viele weitere Insektenarten, Fische und Vögel. Zudem belaste der Wirkstoff den Menschen gleichermaßen. Dirk Bernd, stellvertretender Vorsitzender des NABU-Kreisverbands, vermutet gar, dass das "Nervengift (...) aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso krebserregend und erbgutschädlich" ist. Sicher sei, dass durch den Dimethoat-Einsatz die Nahrungskette etlicher seltener Tierarten gestört werde. "Diejenigen, die nicht direkt durch die Giftbelastung eingehen, werden verhungern", so Bernd. Dies bedeute den Tod nahezu aller Jungvögel und der Fledermausbrut in 2010.

Hessen-Forst will das Pflanzenschutzmittel laut NABU-Informationen in zwei Dosen ausbringen; eine Ende April, eine weitere im Mai. Man rechne mit einer Wirkung von drei bis vier Wochen. Genau in dieser Zeit seien jedoch auch schon viele seltene Insekten wie der Heldbockkäfer oberirdisch aktiv. Sie fielen dem Gift gleichfalls zum Opfer.

Auch Andrea Hartkorn, Pressesprecherin des NABU Lampertheim, kritisiert die Hessen-Forst-Pläne. Das Mittel per Hubschrauber auszubringen, sei "absoluter Wahnsinn". Über die Driftwirkung erreiche es zwangsläufig auch umliegende Ortschaften. Bürger aus Lampertheim, Viernheim, Bürstadt und Lorsch müssten für lange Zeit auf Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten sowie Wildprodukte verzichten. Und für Imker tue sich ein noch viel größeres Problem auf: Bienenstöcke müssten im Umkreis von drei Kilometern um die Wälder - ihrem Flugradius - entfernt werden, da sie die gespritzten Bäume zur Produktion von Waldhonig anfliegen und die Ausscheidungen von (vergifteten) Blattläusen sammeln.

NABU-Kreisvize Dirk Bernd sieht in der Wiederherstellung eines stabilen Ökosystems Wald das einzig wirksame und verantwortbare Mittel in einem Kampf gegen die Maikäfer, der an sich gar nicht nötig sein dürfte. Wäre der Wald nicht durch äußere Einflüsse geschwächt, würde die Massenvermehrung der Schädlinge ihm gar nicht erst so große Probleme bereiten, so Bernd. Das Grundwasser anzuheben und die Naturverjüngung sind für ihn und Hartkorn zwei zentrale Maßnahmen, um den südhessischen Wald vor der Vergrasung zu retten. Des Weiteren müsse man dem Klimawandel Rechnung tragen und beispielsweise auch die Anpflanzung anderer, wärmebeständigerer Baumarten ins Auge fassen.

Der Naturschutzbund drängt derweil auf ein Gespräch mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und dem Hessischen Umweltministerium. Die Naturschützer hoffen darauf, den geplanten Gifteinsatz verhindern zu können - und damit "den Wortbruch" des ehemaligen Umweltministers Wilhelm Dietzel: "Kein Gift in Hessens Wäldern", so der NABU.

siehe auch >Pressemitteilung NABU Landesverband Hessen v. August 2009

siehe auch > flyer zur Protestaktion


Insektizid Perfekthion:

Ein in den 40-er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickeltes Gift aus der Gruppe der Organophosphate bzw. organischen Phosphorsäure-Ester, zu dieser Gruppe gehört auch das bekannte Gift E 605 oder auch die im ersten Weltkrieg eingesetzten Nervengase.
Es wird unter Handelsnamen wie Perfekthion oder Danadine hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt, hier mit deutlich höheren Konzentrationen als bei der Maikäferbekämpfung im Wald .
Dimethoat ist ein systemisches Kontakt- und Fraßgift. Die Wirkung beruht auf einer Hemmung des Enzyms Cholinesterase im Nervensystem. Dieses Enzym baut den Nervenbotenstoff Acetylcholin "nach Gebrauch" wieder ab. Geschieht das nicht, gerät das Nervensystem durcheinander. Es kommt zu Zuckungen und Krämpfen, dann dem Tod. Prinzipiell ist die Wirkungsweise bei Insekten, Spinnentieren und Warmblütlern gleich, allerdings ist die tödliche Wirkung bei Säugetieren - also auch dem Menschen - durch eine schnellere Entgiftung nicht so hoch.
Bei Fischen und deren Nährtieren ist die Giftwirkung hoch, bei Amphibien und Reptilien sehr wahrscheinlich. Wirkungen auf (auch Jung-) Vögel sind zweifelhaft, können mangels ausreichender Datenbasis aber nicht ausgeschlossen werden. Die Wirkung auf Fledermäuse dürfte beträchtlich sein, insbesondere auf die Bechsteinfledermaus und ähnliche Arten, die auch Nahrung vom Boden aufnehmen, also auch die sterbenden bzw. toten Maikäfer. Drei Wirkungspfade: Die Aufnahme kontaminierter Nahrung, kurzfristige Nahrungsengpässe, Kontaktwirkung des Insektizids durch Aufnahme über die zarten Flughäute. Besonders gefährdet sind die Jungtiere, beispielsweise durch erhöhte Neigung der Muttertiere zu Aborten und die Aufnahme vergifteter Milch.

Quelle: Hardtwaldfreunde Karlsruhe

Naturschutzbund: Vogelstimmwanderung mit 20 Teilnehmern bei strahlend blauem Himmel / Zu entdecken gab es Laubsänger, Blässhühner und Nilgänse

Der Gesang der Mönchsgrasmücke

Lampertheim. Natur hautnah zu erleben und dabei die Vogelwelt des Biedensands kennen lernen: Die Lampertheimer NABU-Gruppe konnte bei strahlend blauem Himmel eine 20-köpfige Besucherschar begrüßen, die sich am frühen Morgen zur Vogelstimmenwanderung versammelte.

Für den erkrankten Ornithologen Henning Behrens sprang Zweiter Vorsitzender Gerd Will ein. An der Biedensandbrücke rollte der Vogelschützer zunächst eine Karte aus, die das Naturschutzgebiet mit seiner Wegeführung präsentierte.

Er gab einen Überblick zur Entstehung des Biedensands im Jahre 1802. Dieser entstand aufgrund eines Hochwassers, welches eine im Laufe der Jahrhunderte weit ausladende Rheinschlinge bei Lampertheim abschnitt und damit den Hauptstromverlauf erheblich verkürzte. An der Durchbruchstelle entstand das heutige "Welsch Loch", benannt nach dem Nackenheimer Schiffer Johann Welsch. Der Biedensand wurde zur Insel, das Gebiet im Jahr 1937 unter Schutz gestellt.

An der Biedensandbrücke saß in einer Hecke eine Nachtigall, die zu Beginn der Führung schon alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Mit ihrem lauten, kristallklaren und melodiösen Gesang zog sie die Naturfreunde sofort in ihren Bann. Für einen Moment präsentierte sich der spatzengroße Vogel, sogar auf einem Ast, obwohl er es lieber vorzieht, sich im Gebüsch zu verstecken. Auf dem Weg durch den Auwald war anfangs die markante Flötenstrophe der Mönchsgrasmücke zu hören.

Anhand eines Bestimmungsbuches konnte Gerd Will die Besucher auf ihre typische schwarze Kopfplatte aufmerksam machen. Etwas leiser zwitscherten im Hintergrund Amsel, Zilp-Zalp, Laubsänger, Meisen und Buchfink. "Im Auwald leben viele Spechtarten, wie etwa Grün-, Klein-, Mittel-, Schwarz- und Buntspecht", erklärte Will. Am Heckenbereich an der Heegwasserwiese war der Gesang einer Dorn- und Gartengrasmücke zu hören.

Unschwer an der Stimme zu erkennen war der Kuckuck, der sich auch einmal zeigte und an der Aussicht am Rallengraben mit flachem Flügelschlag vorbei flog. Dort gab es auch einige Blässhühner, Nilgänse, Kormorane und einen Schwarzen Milan zu sehen. Am Welschen Loch beobachteten die Exkursionsteilnehmer Haubentaucher, Graugänse und Graureiher. Beim Fretterloch kamen die Ferngläser wieder zum Einsatz. Dort wurde eine Weißkopfmöwe gesichtet sowie Kanada- und Nilgänse. aha

Südhessen Morgen
19. Mai 2009


NABU pflanzt rund 200 Sträucher auf Ausgleichsflächen

Sandgrube als Rückzugsgebiet

Anke Diehlmann, Walter Liesewitsch und Gerd Will bei der Pflanzaktion

Lampertheim. Mit Schubkarre, Spaten und Gießkanne rüstete sich die Lampertheimer Naturschutzbund (NABU)-Gruppe, um rund 200 Sträucher entlang der Sandgrube Feuerstein einzupflanzen.

Diese wurden durch Ausgleichsmaßnahmen der Stadt Lampertheim zur Verfügung gestellt. "Die Sandgrube ist ein gutes Beispiel dafür, wie frühere Wunden in der Landschaft verheilen und zu Rückzugsgebieten für bedrohte Tiere und Pflanzen werden", erklärte Gerd Will, zweiter Vorsitzender der NABU-Gruppe. Noch vor dreißig Jahren wurde hier Sand abgebaut. Danach lag sie rund zwanzig Jahre brach und wurde schließlich aus Mitteln der naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgaben der Stadt gekauft und an den NABU übertragen. Schon einmal hatte man hier auf einer Seite außerhalb des Zaunrandes Sträucher angepflanzt - damals noch mit Unterstützung der Stadt. Da die Gelder knapp sind, muss diesmal selbst mit angepackt werden. Somit wird nun die gegenüberliegende Seite mit heimischen Arten wie Schwarzer Holunder, Hartriegel, Heckenkirsche, Schwarz- und Weißdorn, Pfaffenhütchen, Schneeball sowie Salweide bepflanzt. Die Sträucher bieten einen zusätzlichen Schutz zur Umzäunung.

Angelockt durch den Blütenduft werden sich bald Insekten wie Bienen und Schmetterlinge einfinden. Aber auch Unterschlupfmöglichkeiten für viele Vogelarten und Kleinsäuger soll der Heckenstreifen bieten. Da es im Biotop ein großes Amphibienvorkommen gibt, schauten auch Mitglieder der Mannheimer NABU-Gruppe vorbei und packten auch gleich tatkräftig mit an.

Gerd Will und Andrea Hartkorn bei der Pflanzaktion an der Grube Feuerstein

Seltene Arten

Gerd Will zeigte ihnen die streng geschützten Knoblauch- und Kreuzkröten, die nun auch die Wanderung zu ihren Laichgewässern angetreten hatten. "Die Wasserfläche mit den flachen Uferbereichen bietet vielen Amphibienarten wie auch der Erdkröte, dem Spring- und Wasserfrosch sowie Teich- und Bergmolch ideale Bedingungen zum ablaichen", erklärte Will.

Und nicht nur Amphibien fühlen sich wohl. Auch die Vogelwelt hat das Gebiet für sich erobert. So zeigen sich Teichhuhn, Blässralle, Zwergtaucher, Stockenten, Teichrohrsänger, Eisvogel, Grau- und Seidenreiher oder auch die selten gewordene Rohrweihe. Dem sandigen, nährstoffarmen Boden trotzen angepasste Pflanzenarten wie Bergsandglöckchen, Wicken, Königskerzen, Johanniskraut und Nelkengewächse, die sich mit ihren schönen Blüten präsentieren. aha

Südhessen Morgen
06. April 2009


Wo sich Eisvogel und Kröten wohl fühlen


Naturschutzbund: Verein lädt zu einem Spaziergang zur Sandgrube Feuerstein

Lampertheim. Auch dieses Jahr lud der Lampertheimer Naturschutzbund (NABU) zu einem Spaziergang zur Sandgrube Feuerstein ein. Allerlei Wissenswertes erfuhren große und kleine Naturfreunde über das schützenswerte Biotop sowie über die momentane Amphibienwanderung.

Bei der Begrüßung erklärte Vorsitzende Andrea Hartkorn den etwa 30 Besuchern die Notwendigkeit der Amphibienschutzzäune, die gegenüber der Sandgrube am Waldrand aufgestellt worden sind. "Wenn Molche, Kröten und Frösche aus ihrer Winterstarre erwachen, wandern sie zu ihren Laichgewässern", erklärte sie. Dann müssten sie den nicht ausgebauten Weg überqueren, was zahlreichen Amphibien das Leben kosten würde.

"Sie stoßen dann auf den Schutzzaun, laufen an ihm entlang und plumpsen in die eingegrabenen Eimer", sprach sie. Bevor sie jedoch zweimal täglich aus den Eimern herausgeholt und in die Sandgrube Feuerstein verfrachtet werden, notieren sich zweiter Vorsitzender Gerd Will sowie Mitglied Walter Lisewitsch die Anzahl und Arten für die statistische Erfassung.

"Bisher sind 500 Erdkröten, 20 Grasfrösche, 60 Bergmolche und 15 Teichmolche gesammelt worden. Die seltenen Kreuz- und Knoblauchkröten machen sich erst noch auf den Weg", erklärte Gerd Will. Er zeigte den Besuchern Fotografien dieser streng geschützten Arten.

Ideales Rückzugsgebiet

Das Biotop sei mit Grundwasser gespeist und biete zudem vielen Vogelarten ein ideales Rückzugsgebiet. Eisvogel, Grau- und Seidenreiher sowie die seltene Rohrweihe wurden hier schon gesichtet. Auch Blässrallen, Zwergtaucher, Stockenten, Teichrohrsänger und das Grünfüßige Teichhuhn fühlen sich hier wohl.

Noch vor über 30 Jahren wurde hier Sand abgebaut. Dann lag die Grube 20 Jahre brach. Aus Mitteln der naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgaben der Stadt Lampertheim konnte die Grube vor sieben Jahren gekauft und an den NABU übertragen werden.

Abschließend führte die Vorsitzende die Besucher noch an der Sandgrube entlang. Diese biete mit ihrem typischen Mikroklima einer Vielzahl von hoch spezialisierten Pflanzen und Tieren mit sehr geringen Ansprüchen, einen optimalen Lebensraum. aha

Südhessen Morgen
18. März 2009


Amphibienzäune wurden aufgestellt

Langsam erwachen die Amphibien aus ihrer Winterstarre. Dann buddeln sich Kröten, Frösche und Molche wieder aus der Erde, um sich auf die Wanderungen zu ihren Laichplätzen zu begeben.Dazu müssen sie oftmals Straßen überqueren, was ihren sicheren Tod bedeuten würde.

Noch vor Eintritt ihrer gefährlichen Wanderungen werden daher bundesweit Amphibienschutzzäune aufgebaut. Auch in Lampertheim stellte die Ortsgruppe des NABU wieder die Zäune an der Sandgrube Feuerstein und am Sandtorfer Weg auf.

Die Naturschutzjugend half bei dieser Aktion wieder mit.

weitere Bilder >Naju

28. Februar 2009

Lampertheim: Weichen für Bürgerinitiativen-Gründung sind gestellt

Beim ICE auf die Hinterfüße stellen

Lampertheim. Die Lampertheimer wollen im Spiel der Kräfte nicht untergehen. Schon gar nicht, wenn es um derart entscheidende Fragen wie die Planung einer ICE-Neubautrasse geht. Deshalb wird jetzt eine Bürgerinitiative gegründet, mit deren Hilfe vor allem die Position Lampertheims zur ICE-Trasse in Verhandlungen mit Bahnvertretern deutlicher gemacht werden soll.

Nach Informationen des Initiators, Dekan Karl Hans Geil, liegen der Bahn noch nicht einmal die Beschlüsse der Lampertheimer Stadtverordnetenversammlung zur ICE-Streckenführung vor. Geil wörtlich: "Wir müssen uns in Lampertheim auf die Hinterfüße stellen." Zudem hätten es Interessierte und Betroffene mit unterschiedlichen Realitäten zu tun, die in der öffentlichen Diskussion auch für bedrohliche Szenarien sorgte, meinte der evangelische Kirchenmann mit Bezug auf die Debatte über die sogenannte Mark-Variante nach einem Vorschlag des Mannheimer SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Mark.

Zusammen mit Ulrich Guldner und Dieter Goll steht Geil als Mitglied eines dreiköpfigen Sprecherteams zur Verfügung, das von der zu gründenden Bürgerinitiative zu wählen ist. Goll betont, es gehe nicht darum, eine Neubaustrecke zu verhindern. Auch stehe die Initiative in verantwortlicher Weise hinter den verkehrspolitischen Absichten des ICE-Regionalforums, den Mannheimer Hauptbahnhof nicht vom Schnellbahnnetz abzukoppeln.

Grundlage für die Positionsfindung der Bürgerinitiative sei der Beschluss der Lampertheimer Stadtverordnetenversammlung vom 20. Juni letzten Jahres. Demnach soll die neue Trasse so lange wie möglich entlang der A 67 geführt werden. Frühestens südlich der Kreuzung von L 3110 und A 67 solle die Trasse in südwestlicher Richtung abknicken. Diese Diagonale sei als bergmännischer Tunnel zu bauen. Einen gleich lautenden Beschluss hat auch der Kreistag gefasst. Teilweise hat diese Position auch Niederschlag im Zielkatalog des ICE-Regionalforums gefunden.

Schon zum 9. Februar, wenn in Frankfurt ein regionaler Projektbeirat tagt, der sich mit der Planung der ICE-Trasse, soll die Bürgerinitiative eine eigene Stellungnahme erarbeitet haben. urs/sm

Aktuelles auf der Homepage der BI > www.bila-ice.de


BI konstitiuert sich im Januar

ICE-Trasse: Anfang 2009 wird ein Treffen einberufen

Lampertheim. In den Reihen der Lampertheimer Kommunalpolitiker war in den vergangenen Wochen immer wieder zu vernehmen gewesen, die Stadt müsse ihre Interessen im Zusammenhang mit dem Neubau der ICE-Trasse deutlicher artikulieren. Die Parlamentarier werden alsbald Gelegenheit haben, selbst dazu beizutragen.

Denn der Agenda 21-Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen will Anfang Januar ein konstituierendes Treffen mit allen für die Thematik relevanten und betroffenen Interessengruppen organisieren. Der städtische Agenda-Beauftragte Michael Köthe koordiniert die Schritte, die sich seit den von Dekan Karl Hans Geil einberufenen Bürgerversammlungen abgezeichnet haben. Geil hatte einen gesellschaftlichen Beitrag der evangelischen Kirche darin gesehen, einer Bürgerinitiative den Weg zu bereiten, damit Lampertheim angesichts der widerstreitenden Interessen in der Metropolregion nicht von den Trassenplanungen der Bahn überfahren wird. Gemäß seines Auftrags ist der Agenda-Arbeitskreis vorrangig am Schutz von Mensch und Natur interessiert.

Er sieht sich freilich mit den wirtschaftlichen Interessen der Metropolregion an einer Koppelung des Mannheimer Hauptbahnhofs ans europäische Schnellbahnnetz konfrontiert. Inwieweit es der Bevölkerung des Kreises Bergstraße gelingen wird, dies bei der Trassenplanung in die Waagschale zu legen, vermag Köthe nicht zu sagen.

Sprecher gesucht

Bei dem geplanten Treffen Anfang 2009 soll auch ein Sprecher benannt werden. Auch in dieser Frage zeichnet sich für den Agenda-Beauftragten noch keine ideale Person ab. Klar sei allenfalls, dass der Sprecher über gute fachliche Kenntnisse im Zusammenhang mit der Trassenplanung verfügen müsse. urs

Südhessen Morgen
09. Dezember 2008

Monsterfratzen, Spinnen und Fledermäuse

Kürbisfest in ehemaliger Storchenstation



Lampertheim. Im Gebäude der ehemaligen Storchenstation des Lampertheimer Naturschutzbundes (NABU) waren alle Tische besetzt. Fünfzehn kleine Naturschützer schnitzten eifrig lustige oder schaurige Gesichter in ihre ausgehöhlten Kürbisse. Die beiden Jugendleiterinnen Andrea Hartkorn und Anke Diehlmann hatten zum Kürbisfest eingeladen.

Doch nicht nur kreative Schnitzkunst war angesagt, sondern auch das Zubereiten einer Kürbissuppe. Dafür hatten die Leiterinnen so genannte Hokkaido-Kürbisse besorgt. Beim Kleinschneiden und Pürieren durften die Kinder mithelfen. Im großen Topf wurde das Ganze noch mit schmackhaften Gewürzen zubereitet.

Wer mit Kürbisschnitzen fertig war, konnte sich draußen entweder an einem Naturerlebnisspiel beteiligen oder eine gruselige Halloween-Maske aus Tonpapier basteln.

Mit Wasserfarben wurden Teufels-, Monster- und Hexenfratzen oder Spinnen und Fledermäuse draufgemalt. Für Augen und Nase wurde ein kleines Loch heraus geschnippelt. Schließlich wurde die Gruselmaske um den Kopf herum gelegt und zusammen geklebt.

Die Leiterinnen verteilten abschließend noch kleine Teelichte, welche in die ausgehöhlten Kürbissen hinein gelegt wurden. Der Raum wurde verdunkelt und die orangefarbigen Gewächse fingen an zu leuchten. Jetzt setzten die Kinder noch die Halloween-Masken auf und die Gruselstimmung war perfekt. aha

Südhessen Morgen
30. Oktober 2008


Erstes kreisweites NAJU-Zeltlager in Bürstadt

 

Zum ersten Mal wurden die Zelte für ein kreisweites Jugendzeltlager des NABU Bergstraße in Bürstadt aufgeschlagen. Kinder und Jugendliche der Naturschutzjugend aus Bürstadt, Lorsch und Lampertheim hatten dabei die Gelegenheit ein erlebnisreiches Wochenende zu verbringen.

Auf dem Gelände des Bürstädter Naturschutzbundes riss am vergangenen Freitag Nachmittag die regenverhangene Wolkendecke auf. Sogleich wurde das große Zelt auf der Anlage in Augenschein genommen. Hier war genug Platz, um es sich für die kommenden zwei Nächte gemütlich zu machen. Viele campingerfahrene Jugendliche brachten jedoch ihre eigenen Zelte mit. Dadurch gab es keinerlei Gedränge um den besten Schlafplatz.

Bald war schon Zeit zum Abendessen, deshalb sammelten die Kinder schon bald fleißig Holz für den Grillplatz. Hierfür wurden auch besonders lange und dünne Zweige für das beliebte "Stockbrotessen" gefunden und geschnitzt. Zur Dämmerung gab es Lagerfeuerromantik pur, mit stimmungsvoller Gitarrenmusik und fetzigen Liedern wie beispielsweise dem berühmten "Schnakenrock".

Am nächsten Tag gab es neben Ballspielen auch viel zum Basteln und zum Werken. Kleine Klappstühle wurden gezimmert und angemalt. Mit Sägen, Feilen und Raspeln bearbeitete der NABU-Nachwuchs samt Betreuer diverse Ytong-Steine. Es entstanden dabei Köpfe, Vasen und allerlei Getier. Auch neue Wohnungen für Wildbienen wurden angefertigt. Für die Nisthilfen wurden Bambus, Zweige und Steine verwendet.

Am Abend wanderten die Betreuer mit ihren Schützlingen zur Brücke am alten Bahnwärterhäuschen. Dort hoffte die Gruppe, auf umherflatternde Fledermäuse zu treffen, die dort zu beobachten sind. Leider waren die Nachtjäger wohl schon anderweitig unterwegs, so dass keine gesichtet wurden. Entschädigt wurden alle aber von einem ganz anderem Naturschauspiel. Die partielle Mondfinsternis, bei fast klarer Nacht, sorgte für erstaunte Gesichter bei den jungen Naturfreunden, die gespannt auf den Schatten der Erde am Himmel blickten.

Ganz ohne Fledermäuse lief der Abend dennoch nicht ab.

Der Lorscher Fledermausexperte Klaus Schumacher, brachte zur anderthalbstündigen Wanderung einen Pflegling, eine Breitflügelfledermaus, mit.

Am Sonntagmorgen wurde dann nach einem ausgiebigem Frühstück wieder aufgeräumt und die Sachen gepackt. Die Betreuer der einzelnen Jugendgruppen Christine Winkler, Marion Jöst, Andrea Hartkorn, Reiner Molitor und Nicolai Poeplau waren mit dem Ablauf zufrieden.

Auch in den kommenden Jahren wollen sie wieder ein kreisweites Zeltlager für die Jugen des Naturschutzbundes sorgen. Hierfür möchte man auch noch mehr Bergsträßer Naturschutzjugendgruppen gewinnen.

Bilder des Zeltlagers stehen auf der Internetseite nabu-bergstrasse.de.

Ferien: Grundschüler zu Besuch an der ehemaligen Storchenstation / Vormittag mit Naturschützerin Andrea Hartkorn

"Haben Käfer auch Augen?"

Lampertheim. Jan hat mit seinem Fangnetz etwas aus dem Wasser gefischt. Dann kramt er nach seiner Lupe, um sich den Fund genauer anzugucken. "Ein Rückenschwimmer", sagt er und strahlt. Mit blauen Gummistiefeln, einer Kappe gegen die Sonne und einem T-Shirt, auf der eine riesige Ameise abgebildet ist, hat sich der Siebenjährige perfekt auf den Vormittag an der ehemaligen Storchenstation mit Andrea Hartkorn vom Naturschutzbund (NABU) vorbereitet.

Jan und 14 weitere Grundschüler der Hüttenfelder Seehof-Schule halten fleißig Ausschau nach Kaulquappen und Wasserinsekten in zwei Teichen. Der Ausflug zur Storchenstation ist einer der Programmpunkte, die sich Ursel Senftner und Julia Kühner für die Ferienbetreuung überlegt haben. Von acht bis 13 Uhr werden die Grundschüler zwei Wochen lang betreut. "Das ist vor allem für berufstätige Eltern praktisch", erklären die beiden Betreuerinnen.

"Das juckt", sagt plötzlich Laura und zeigt auf ihre Hand. Die Siebenjährige hat versehentlich in eine Brennnessel gelangt. Trotzdem greift sie wieder nach ihrem Kescher und taucht ihn in den kleinen Tümpel. "Welche Tiere leben denn im und am Wasser?", fragt Andrea Hartkorn. "Fische, Frösche und Wasserschnecken", ruft ein Junge. "Libellen", sagt ein anderer. "Und auch Molche leben im Wasser", ergänzt Hartkorn.

Jeder bekommt ein Glas

Die Kinder werden in zwei Gruppen eingeteilt. Sieben Jungen und Mädchen machen sich auf zum kleinen Teich. Jeder bekommt noch ein kleines Glas mit. "Hier könnt Ihr die Tiere unterbringen, die ihr gefangen habt", gibt ihnen Hartkorn mit auf den Weg. "Als erstes müsst Ihr aber etwas Teich-Wasser in das Glas füllen." "Dürfen wir die Tiere dann behalten?", fragt ein Junge. - "Nein", antwortet Hartkorn. "Die wohnen doch hier im Wasser und fühlen sich anderswo nicht wohl."

Die zweite Gruppe bleibt am Haus der ehemaligen Storchenstation. Dort lernen die Kinder, wie aus Kaulquappen Frösche werden. Aus dem kleinen NABU-Aquarium dürfen sie schließlich auch einen Gelbrandkäfer, Kaulquappen und andere Insektenlarven fischen und sie beobachten. Und dann zeigt Andrea Hartkorn noch präparierte Käfer, die im Wald vorkommen. "Wie heißt denn dieser Käfer?", fragt die Naturschützerin und zeigt auf ein Exemplar mit einem besonders auffälligen Oberkiefer. "Das ist ein Hirschkäfer", ruft Jana sofort und Lukas fragt schließlich: "Haben Käfer auch Augen?" - "Ja, klar", betont Hartkorn. "Sonst können sie ja gar nichts sehen."

"Kinder sind meist sehr offen und neugierig", ist die Erfahrung der Naturschützerin. Daher freut sie sich, wenn sie Jungen und Mädchen, durch die Flora und Fauna Lampertheims führen kann.

"Trotzdem kann es auch vorkommen, dass Kinder der Natur gegenüber nicht zugänglich sind." Kürzlich erst sei ein Junge in ihrer Gruppe gewesen, der schon zu Beginn der Führung besonders aggressiv gewesen sei und seinen Fuß über einen Käfer oder Frosch gehalten habe. "Ich habe ihn beiseite genommen und mit ihm geredet." Da sei er plötzlich ganz interessiert bei der Sache gewesen und habe viele Fragen gestellt. "Wenn so etwas passiert, ist das natürlich ein schönes Erfolgserlebnis", fasst Hartkorn zusammen während sie zurück zur ehemaligen Storchenstation läuft.

Dort stehen mittlerweile schon einige Gläser mit kleinen Insekten und Frosch- und Molchlarven. Gemeinsam mit Andrea Hartkorn bestimmen die Kinder die Tiere schließlich noch, bevor es mit ihren beiden Betreuerinnen wieder zurück nach Hüttenfeld geht.

Von unserem Redaktionsmitglied Claudia Kölbl
Südhessen Morgen
04. Juli 2008

Wird größter Flachwassersee in Südhessen der Verlandung überlassen?

Zunehmende Verlandung droht durch Verbuschung des Flachwassersees

>aktueller Pressebericht vom 27. Mai 2008 / Südhessen Morgen (pdf-Datei)

Stadtentwicklungs- und Bauausschuss: Thema Altrhein

Welsches Loch: Haken dran

Lampertheim. Nach knapp zweijähriger Projektstudie hat die Arbeitsgemeinschaft Auengewässer den parlamentarischen Gremien nun eine Arbeitsgrundlage vorgelegt. Zusammen mit dem Institut für Umweltstudien (IUS) in Heidelberg unterbreitete die Arbeitsgemeinschaft dem Stadtentwicklungs- und Bauausschuss gestern Abend ein Konzept mit Sanierungsvorschlägen.

Laut Projektbegleiter Andreas Ness herrscht im Bereich Welsches Loch und Rallengraben kein Handlungsbedarf. Er teilt damit die Auffassung der Landesbehörden. Allerdings ließ die Lampertheimer Agenda 21-Arbeitsgruppe Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen gestern ein Papier kursieren, in dem sie von einem Nichtstun am Welschen Loch abrät: Ein Verschwinden der Wasserfläche wäre mit Blick auf die Bedeutung des Biotops für die Vogelwelt ein großer Verlust für das Naturschutzgebiet.

Der Gewässerexperte rät unterdessen zur Beobachtung des Welschen Loch. Es sei nicht anzunehmen, dass das Biotop in absehbarer Zeit vertrockne. Für den Altrhein und das Heegwasser schlug Ness hingegen konkrete Maßnahmen vor: eine Frischwasserzufuhr (die durch die Verbindung zwischen Neu- und Altrhein im Zuge der Deichrückverlegung entsteht), ein Zurückholzen der Uferpappeln, die Bewirtschaft mit Fischarten in Verbindung mit neuen Wasserpflanzen. Während für die Frischwasserzufuhr das Land Baden-Württemberg aufkomme, wären für die Ufergehölzpflege mit Kosten in Höhe von rund 60 000, für den Fischbesatz 20 000 und für die Ansiedlung neuer Wasserpflanzen 15 000 Euro zu rechnen.

Eine Entschlammung von Altrhein und Heegwasser "kann", so der Gewässerexperte, "Sinn machen". In diesem Fall wären laut Ness rund eine halbe Million Kubikmeter Schlick zu entfernen. Kosten: zwei bis drei Millionen Euro. Zu entsorgen wäre der Schlick Ness zufolge in einem Baggersee oder über ein künstliches Loch in einer Größe von 4,5 Hektar und 20 Meter Tiefe. Für die Maßnahme stellte Ness EU-Fördermittel in Aussicht. Von einer Verklappung im Rhein rät der Fachmann ab: Bei Hochwasser würde der Schlamm wieder in die Auenlandschaften geschwemmt.

Erster Stadtrat Ulrich Vonderheid schlug vor, hinter der Option, das Welsche Loch auszubaggern, "einen Haken zu machen". Es gebe zur Zeit keine stichhaltigen Argumente für einen solchen Eingriff. urs

Südhessen Morgen
21. Mai 2008

siehe auch Statement des Agenda-21-Arbeitskreises Naturschutz


Naturschutz: "Stunde der Gartenvögel" will Spaß an der freien Natur vermitteln

Fernglas, Zählbogen, Bleistift und viel Geduld


Teilnehmer entdecken zahlreiche Gartenvögel in den
Lampertheimer Hubengärten


Lampertheim. Quer durch die Republik rief wieder der Naturschutzbund und sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz Bayern e.V. Vogelfreunde dazu auf, sich eine Stunde lang alle Piepmätze im Garten zu notieren. Auch die Ortsgruppe Lampertheim hatte dazu aufgerufen, bei der Aktion "Stunde der Gartenvögel", ob privat oder in einer Gruppe, mitzumachen.

"Dabei geht es nicht um die exakte Bestimmung von Bestandszahlen", erklärte Zweiter Vorsitzender Gerd Will. Wichtiger sei vielmehr dabei, Spaß und Freude an der Vogelbeobachtung in freier Natur zu haben. Die Meldungen würden aber auch an den Bundesverband weitergegeben, der dadurch Trends und Anteile der Populationen bestimmen kann. Zudem sollen dabei Kenntnisse über die Entwicklung einzelner Vogelarten sowie zu regionalen Unterschieden gewonnen werden.

Die Lampertheimer Naturschützer suchten sich diesmal für eine gemeinsame Mitmachaktion das Gelände an den Hubengärten heraus. Zwar zog nur eine kleine Gruppe los, um sich dort über die Vogelwelt schlau zu machen, doch schließlich konnte die Zählung auch jeder interessierte Gartenbesitzer bei sich zu Hause durchführen.

Girlitz - fotografisch festgehalten von Klaus Markhoff

Mit Fernglas, Zählbogen und Bleistift ausgestattet, wurden nun die ersten Vogelbeobachtungen notiert. Da sich nicht jeder Piepmatz freiwillig zeige, war es nun auch wichtig, seine Ohren zu spitzen. So wurden entlang an Hecken und Sträuchern schon bald Mönchsgrasmücken ausgemacht. "Der typische Gesang beginnt mit einer leise schwätzenden Strophe und nimmt dann an Lautstärke zu", erklärte Vogelschützer Will. In die aus flötenden Tönen bestehenden, kurzen Strophen würden auch teilweise Imitationen anderer Vögel eingefügt. Kurz danach war auch der melodiöse und schöne Gesang von Amseln zu hören. Der Bekanntheitsgrad der größten heimischen Drossel sei daher relativ groß. Immer wieder flogen auch mit lautem "Tschilpen" die munteren Spatzen durch die Gärten. "Eigentlich nennt man sie ja Haussperlinge", zwinkerte Will. Sie gehörten zu einer Vogelart, die besonders weit verbreitet ist. Daher sei auch ihr Bekanntheitsgrad relativ groß.

Zudem zeigen die frechen und gewitzten Kerlchen auch geselliges und soziales Verhalten. Neben Blau- und Kohlmeise, wurden auch Buchfink, Elster, Grünfink, Hausrotschwanz sowie Zaunkönig, Nachtigall und Zilp-Zalp vernommen.

Fleißig notiert wurden auch die Anzahl der Stare, die ab und zu durch die Gärten streiften. Ein fröhlich zwitschernder Girlitz konnte gut auf einer lichten Baumkrone geortet werden. Seine Verwandtschaft zum Kanarienvogel sei äußerlich durchaus erkennbar: das Männchen trägt einen gelben Bürzel und zur Brutzeit auch eine grünlich-gelbe Stirn, Kehle und Brust. Seine lang anhaltendes, etwas hektisch und klirrendes "zr'r'rilitt" erinnerte an einen quietschenden Kinderwagen.

An einer Hecke hinter einem Gartenzaun, vernahm Will den Gesang einer Dorngrasmücke. An ihrem typisch grasmückenartigen "Geplapper", mit schnellen, gequetschten Tonfolgen, war sie für das Ohr des Vogelschützers unschwer zu erkennen. Abschließend konnten die Vogelfreunde noch einen Storch und zwei Bussarde am Himmel ausmachen. Mit den ausgefüllten Meldebogen, die online an den Bundesverband NABU weitergeleitet werden, nehmen die Teilnehmer automatisch auch an einer Verlosung teil. Es locken wieder Preise wie eine Reise in die Niederlausitz ins Naturparadies Grünhaus sowie Ferngläser, Fahrräder, Buchpreise und Touren-Rucksäcke. aha

Südhessen Morgen
15. Mai 2008


Tag der offenen Tür: Für kleine und große Naturfreunde der Sandgrube Feuerstein gab es viel zu entdecken

Wo Erdkröten und Teichmolche wohnen




Lampertheim. Zum ersten Mal öffnete der Lampertheimer NABU die Pforten an der Sandgrube Feuerstein. Zum Tag der offenen Tür konnten sich große und kleine Naturfreunde Einblick in das schützenswerte Biotop verschaffen. Zweiter Vorsitzender Gerd Will hat sich auf Amphibien- und Vogelschutz spezialisiert und informierte über die aktuelle Amphibienwanderung.

"Mittlerweile konnten wir schon etliche Kröten, Frösche und Molche zählen", erklärte er. Will und sein Mithelfer Walter Lisewitsch haben in den Eimern, die gegenüber am Waldrand, am Amphibienschutzzaun eingegraben wurden, jede Menge dieser Tiere statistisch erfasst.

So seien bisher etwa 1500 Erdkröten, 150 Bergmolche, 10 Teichmolche, 15 Wasserfrösche, ein Dutzend Kreuzkröten und sechs der sehr seltenen Knoblauchskröte sowie ein Exemplar des nicht minder seltenen Springfrosches, gesammelt worden.

Auch die Vogelwelt sei hier in der mit Grundwasser gespeisten Sandgrube mit Grünfüßigem Teichhuhn, Blässralle, Zwergtaucher, Stockenten sowie Teichrohrsängern vertreten.

Im Jahr 2002 konnte Will auch die sehr selten gewordenen Rohrweihe, einen schlanken, schmalflügeligen Greifvogel, brüten sehen. "Ab und zu besucht uns auch hier der bunt-schillernde Eisvogel sowie Graureiher und Seidenreiher", erklärte er stolz.

Von 1974 bis 1983 wurde hier noch Sand abgebaut. Danach lag sie jahrzehntelang brach. 2002 konnte die Grube aus Mitteln der naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgaben der Stadt Lampertheim gekauft und an den NABU übertragen werden. Die Naturschützer entrümpelten das Gelände und ließen einen neuen Zaun darum ziehen. Sie sei ein gutes Beispiel dafür, wie frühere Wunden in der Landschaft verheilen und zu Rückzugsgebieten für bedrohte Tiere und Pflanzen werden können.

Will forderte die jüngsten Besucher auf, schon mal fleißig Kröten, Frösche und Molche aus den Eimer zu sammeln, die in der vorherigen Nacht in die Eimer geplumpst waren. Bevor die kleinen Tiere ins nasse Element entlassen wurden, demonstrierte er mit einer Erdkröte ein Experiment. Er setzte sie in einen mit Sand gefüllten Eimer. Sogleich grub sie sich mit schaufelartigen Bewegungen in den Sand hinein. "Sie wird deshalb im Volksmund auch Schaufelkröte genannt", erläuterte er.

Anschließend gab es noch eine Führung um die Sandgrube. Auf einem Trampelpfad galt es, sich entlang an Büschen und allerlei interessantem Pflanzenwuchs zu schlängeln. NABU-Kreisvorstandsmitglied Dr. Nicolas Chalwatzis, Insektenkundler und botanisch bewandert, zeigte den Naturfreunden die Rosetten der Königs- und Nachtkerzen. "Hier, auf sandigem Boden und in vollsonniger Lage gedeihen sie am besten", bemerkte er. Im Sommer wachsen dann die langen Stängel, an denen sich wunderschöne, einzelne gelbe Blüten öffnen. "Diese sind dann allerdings sehr kurzlebig", erklärte Chalwatzis. "Sie öffnen sich erst in der Abenddämmerung und sind meistens bis zum nächsten Mittag wieder verblüht."

Auf dem Rundweg konnten sich die Besucher eine gute Übersicht über die relativ große Sandgrube verschaffen. "Botanisch lohnt es sich insbesondere im Frühsommer, wieder in der Sandgrube vorbei zu schauen", so Chalwatzis. Dann würden sich Wildrosen, Bergsandglöckchen, Wicken, Nelkengewächse in ihrer schönsten Blütenpracht präsentieren. aha

Südhessen Morgen
19. März 2008


Baumstämme als Unterschlupf

Niströhren für Steinkauz im NSG Lampertheimer Altrhein

Der Steinkauz - vom Aussterben bedrohte Kleineule


Lampertheim. Sicher klettert Waldarbeiter Nikolaus Rapp die Leiter hinauf. Auf seiner linken Schulter trägt er eine runde, etwa acht Kilogramm schwere Niströhre. Schwungvoll hievt er sie auf den dicken Ast einer alten Silberweide. Mit ihren etwa 80 Zentimetern sieht die Röhre nicht gerade nach einem Singvogelbrutkasten aus. Für kleine Piepmätze ist sie auch nicht gedacht, wohl aber für eine kleine Eulenart, die demnächst hier einziehen soll: Der Steinkauz. Die vom Aussterben bedrohte Eule ist etwa 22 Zentimeter groß.

Insgesamt werden fünf solcher Steinkauzröhren vom Forstamt Lampertheim für das Gebiet in der Bonaue auf dem Naturschutzgebiet "Lampertheimer Altrhein" bereitgestellt. "Früher gab es hier etwa acht bis neun Brutpaare. Vor fünf Jahren konnte ich nur noch ein Paar Steinkäuze sichten", bedauert Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes NABU. Eigentlich seien die offenen, mit Schafen beweideten Wiesen sowie das spärlich bewaldete Gelände ein idealer Lebensraum der kleinen Eule.

Waldarbeiter Rapp befestigt eine Nisthöhle für den Steinkauz

"Aus Verkehrssicherungsgründen mussten mehrere alte Bäume gefällt werden", erklärt er. Diese aber seien für den Steinkauz wichtig. In den häufig hohlen Stämmen findet er Unterschlupf und Nistmöglichkeiten. Alte Obstbäume der Streuobstwiesen sowie Kopfweiden werden daher von ihm bevorzugt.

"Als Kopfweide bezeichnet man eine Weide, deren Stamm ab einer gewissen Höhe abgesägt wird. An der Schnittfläche treibt der Baum wieder neue Triebe aus", erläutert Eppler. Doch mit dem relativ niedrigen Schnitt der hier wachsenden Kopfweiden war Eppler nicht zufrieden. "Für den Steinkauz sind sie nicht ideal", bemerkt er. Nahrung finden die kleinen Eulen hier jedoch genug. Sie jagen vorzugsweise in der Dämmerung und nachts. Auf ihrem Speisezettel stehen große Insekten wie Käfer und Grillen, aber auch Mäuse, Kleinvögel, Jungschlangen, Eidechsen und Regenwürmer.

Gerhard Eppler gibt noch Laub als Nestunterlage in die Röhre hinein

Ein Blick in eine Steinkauzröhre hatte Eppler einmal ein eindrucksvolles Erlebnis verschafft. Wie aufgereiht lagen erlegte Mäuse nebeneinander in der Röhre, die Jungvögel seien kaum mit dem Fressen nachgekommen. "In Abhängigkeit von der Feldmausdichte legt der Steinkauz schon Ende März bis zu sieben weiße, nahezu kugelige Eier", erklärt Eppler. Nach etwa drei bis vier Wochen schlüpfen die Jungen schließlich. Als noch nicht flugfähige "Ästlinge" verlassen sie nach etwa 35 Tagen den Brutraum. Wenn es dann endlich mit dem Fliegen klappt, wandern sie aus dem Revier ab.

"Die Steinkauzröhren haben zwei Öffnungen", erklärte Gerd Will vom Lampertheimer Naturschutzbund und deutet auf die Frontseite. Die größere sei das Einflugloch, die kleinere diene sozusagen als "Guckloch". Mit Hilfe einer Taschenlampe könne man in diese Öffnung sehen. Gesäubert werden müssten diese Röhren nur alle paar Jahre. Zudem seien sie durch die zwei hintereinander versetzten Einschlupflöcher mardergeschützt. Bevor die großen Röhren auf ausgewählten Silberweiden, Schwarzpappeln oder Eichen befestigt werden, gibt Eppler noch etwas Laub und trockenes Gras hinein. Diese Einstreu soll als Nestunterlage den zukünftigen Steinkäuzen im Naturschutzgebiet dienen.

Südhessen Morgen, 15.02.2008/aha


NABU für Bündelung von A67 und neuer ICE-Trasse in Südhessen

Für die Bündelung der Trassen -
gegen weitere Durchschneidung des Waldes


Wetzlar; Der NABU Hessen protestiert gegen den angeblichen Kompromiss der Bahn AG und der Metropolregion Rhein-Neckar, die ICE-Neubaustrecke von Lorsch aus ohne Trassenbündelung mit der Autobahn A 67 quer durch den Wald nach Mannheim führen zu wollen. „Die Riedwälder am Rande des Ballungsraums sind von herausragender Bedeutung als Erholungsraum für die Menschen, als Grundwassereinzugsgebiet und nicht zuletzt für den Naturschutz“, so Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen.

Es gehe nicht an, eines der letzten zusammenhängenden Waldgebiete in der hessischen Rheinebene durch eine Bahntrasse zu zerstückeln, für die es umweltverträglichere Varianten gibt. Eppler weist darauf hin, dass die in Rede stehende Variante durch den Wald im Raumordnungsverfahren nicht näher untersucht worden ist. Somit müsste vor einem Planfeststellungsverfahren, das jetzt eigentlich ansteht, ohnehin das Raumordnungsverfahren noch einmal neu aufgerollt werden. Ein neues Raumordnungsverfahren würde die Streckenplanung noch einmal um Jahre zurückwerfen, auch dies sei nicht im Sinne des Umweltschutzes. Man wolle schließlich schnell möglichst viel Verkehr auf die Schiene verlagern.

Auch ein Verkehrsprojekt von europäischer Bedeutung dürfe nicht auf dem Rücken der Natur und der Menschen in einer schon stark belasteten Region durchgesetzt werden. Im Viernheimer, Lorscher und Lampertheimer Wald liegen außerdem mehrere nach EU-Recht ausgewiesene FFH- und Vogelschutzgebiete – auch diese von europäischem Naturschutzrang. „Das wird Probleme geben“, ist sich Eppler sicher und kündigt energischen Widerstand des Naturschutzbundes gegen Trassenpläne durch den Wald an.

siehe auch >hr-online-Video "Bergstraße erteilt ICE-Trasse eine Absage"


Rückblick 2007

Hygieneartikel & Co. gehören nicht ins Klo
NABU Lampertheim beteiligt sich bei Aktionstagen
für Schüler mit eigenem Stand

NABU-Stand präsentierte die Vogelwelt des Naturschutzgebietes, insbesondere die Wasservögel

Umweltinformationen für Schüler

Das Hygieneartikel und Co. nicht ins Klo gehören, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Doch Informationsbedarf ist nach wie vor gegeben. In diesen Tagen macht die Umweltkampagne der Stadtentwässerung Lampertheim in Zusammenarbeit mit der Initiativgruppe zur Rettung des Lampertheimer Altrheins in den Räumen des Kanu-Clubs Station. Dort werden die Schüler der weiterführenden Schulen in Lampertheim mit Informationen rund um die Themen fachgerechte Entsorgung, Umweltschutz und Altrhein versorgt. Ergänzt wird das Programm mit Exkursionen auf dem Gelände der Lampertheimer Kläranlage. red.

Südhessen Morgen v. 25.10.07



Herbst zeigt sich von der schönsten Seite
Naturkundliche Radwanderung mit dem Lampertheimer Naturschutzbund


Lampertheim. Zu einer gemeinsamen naturkundlichen Radtour entlang des Altrheins und seiner einzigartigen Landschaft hatte der Lampertheimer Naturschutzbund seine Gäste mitgenommen. Die Sonne präsentierte den Herbst von seiner schönsten Seite. Treffpunkt war an der Biedensandbrücke. Von dort aus starteten ein Dutzend Radler in Richtung Hochwasserdamm.

Hier oben konnte man sich einen Blick auf den Altrhein und seiner wild-romantischen Natur verschaffen. Die Radtruppe machte Halt am ehemals "Hohen Weg", der heutigen Wormser Straße, die bis zum "Kechlers Brunnen" verläuft. "Der damalige Hohe Weg diente gleichzeitig als Rheindamm, auch heute noch", erklärte Zweiter Vorsitzender Gerd Will. "Kechler" sei damals ein Lampertheimer Personenname gewesen. Der Brunnen, der nach ihm benannt wurde, lag rechts an der Wormser Straße an der Abzweigung nach dem früheren Bahnhof "Lache".

Am Küblinger Damm

Mit dem Wort "Lache" verbanden einige Teilnehmer richtigerweise die Verbindung zu "Wasserlache", einem Wort südbadischer Abstammung. "Um 1880 stand dort eine Dampfziegelei. Der Bahnhof wurde zehn Jahre später dem Verkehr übergeben", erklärte Will. Die Strecke reichte von Weinheim bis Worms. Nächste Station der Radeltour war der Küblinger Damm. Dieser, vom Hohen Weg abgehend bis zum früheren Mainzer und Wormser Zollhaus, wurde 1738 vom Rheindürkheimer Jakob Küblinger errichtet.

Wegweiser "Eiserne Hand"

Historisch Interessantes erfuhren die Naturfreunde auch am Wegweiser "Eiserne Hand". Dieser wurde 1774 aus Holz errichtet und zeigt den Weg zum Bürgerfeld nach Worms. "Die Benutzung des Weges war damals allerdings nur Wormsern vorbehalten", so Will. Jenes "Bürgerfeld" sei bis 1801 Eigentum der Wormser Bürgerschaft gewesen. Zwischen dem Küblinger Damm und dem Altrhein liegen die "Lüssen". Diese waren so genannte Hubwiesen des großen Hubgutes. Heute haben sich dort Industriegebiete angesiedelt. Etwas versteckt und nicht gleich zu erkennen war das Freischärlergrab, das die Radler neben einer Hinweistafel entdeckten. Mit Freischärler wird ein Angehöriger einer militärischen Gruppe bezeichnet, der sich ohne Ermächtigung einer der kriegsführenden Staaten an einem Krieg beteiligt. "Flößer aus Kastell fanden 1848 einen solchen tot im Altrhein und haben ihn hier in aller Stille beigesetzt", erklärte Will.

Am Freischärlergrab

Abschließend wurde die alte Streuobstwiese "Zwetschgengärtchen" erkundet. Am Altrhein gelegen und vom Forstamt betreut, bot sich ein idyllisches Bild mit gemähter Wiese und alten Obstbäumen. "Allerdings werden dort heutzutage überwiegend Apfel- und Birnbäume angepflanzt", so Will. aha

Am Zwetschgengärtchen - alte Streuobstwiese

Südhessen Morgen
05. Oktober 2007


Fledermausbeobachtung an der Biedensandbrücke
Gewinnspiel für Kinder und anschließende Abendwanderung

Großer Andrang auf der Biedensandbrücke - viele große und kleine Bat-Fans kamen zur Fledermausbeobachtung
Bild: Asel

Den "Biedensand-Vampiren" auf der Spur

NABU Lampertheim veranstaltet Fledermausexkursion / Kleine Tiere mit großem Hunger

Vom 27.08.2007/Lampertheimer Zeitung

bj. LAMPERTHEIM Freitagabend auf der Biedensand-Brücke: In der Dämmerung sammelte sich eine Gruppe von fast 80 Personen, größtenteils Kinder, das Panorama des Altrheins im Rücken. Es herrschte Stille, ein jeder horchte konzentriert. Plötzlich drangen knackende und klickende Geräusche aus einem kleinen Gerät, Kinder riefen und zeigten in die Luft - sie waren mitten in einer Fledermausexkursion des NABU Lampertheim.  
Bei dem kleinen Gerät handelte es sich um den so genannten Bat-Detektor, er macht die hochfrequenten Schreie der Fledermäuse, die der Mensch nicht wahrnehmen kann, hörbar. Und da verschiedene Fledermausarten auch verschiedene Frequenzen für ihre Rufe benutzen, lässt sich mit dem Gerät auch bestimmen, welcher Art die Fledermaus angehört, die gerade ihre Runden dreht.

Ein Rattern aus dem Lautsprecher des Detektors zeugte von Wasserfledermäusen, die in der Nähe der Brücke über den Altrhein flatterten, verfolgt von den Lichtkegeln einiger Taschenlampen. Wasserfledermäuse gleiten dicht über die Wasseroberfläche und jagen die Insekten, die sich dort tummeln. Fledermäuse benötigen viel Nahrung, da sie einiges an Energie verbrauchen: Bis zu 4000 Fliegen vertilge eine einzelne Fledermaus pro Nacht, so die Naturschützer. Entsprechend lange sind sie unterwegs. Die hochfrequenten Schreie nutzen sie dabei sowohl zur Orientierung als auch zur Jagd.

Zwergfledermaus
Zwergfledermaus - nur daumengroß

Zu beiden Seiten der Brücke hielten nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern Ausschau nach den Fledermäusen. Waren gerade keine Fledermäuse zu sehen oder zu hören, testeten Andrea Hartkorn, Erste Vorsitzende des NABU Lampertheim, und Jugendleiterin Anke Diehlmann das Wissen der Mädchen und Jungen um die Fledermäuse. Warum hängen Fledermäuse im Schlaf mit dem Kopf nach unten? Es dauerte eine Weile, bis jemand die richtige Antwort fand: Damit sie keine Probleme beim Losfliegen bekommen. Nur wenige Fledermäuse können nämlich vom Boden aus abheben.

Weltweit gibt es etwa 950 Fledermausarten, in Deutschland kommen 23 vor. "Fledermäuse kann man eigentlich überall in Lampertheim beobachten", so Diehlmann. Dazu müsse man nicht extra das Naturschutzgebiet aufsuchen. In Höhlen, Kellern und alten Stollen verbringen die Tiere den Tag, aber auch in den Hohlräumen alter Bäume. Da es in diesem Jahr oft kühl war oder geregnet hat, gibt es weniger Insekten, was für die Fledermäuse ein geringeres Nahrungsangebot zur Folge hat. Die durchgeführten Maßnahmen zur Schnakenbekämpfung hatten dagegen jedoch kaum Einfluss auf den Bestand, denn die Fledermäuse ernähren sich auch von Faltern und anderen Insekten.

Entdeckten die Teilnehmer eine neue Fledermaus, testete Hartkorn die verschiedenen Frequenzen, um die Art zu bestimmen. Schließlich bekamen die Beobachter sogar den Großen Abendsegler zu Gesicht, und auch Zwergfledermäuse sahen sie.

Auch ein kleines Gewinnspiel veranstalteten die Naturschützer. Als Preise winkten Fledermaus-Überraschungspakete. Ihren Abschluss fand die Fledermausexkursion mit einer Nachtwanderung im Naturschutzgebiet.



Schüler entdecken Biedensand
Exkursion über das Naturschutzgebiet

Am 22. Juni startete die Klasse 3 c der Schillerschule gemeinsam mit dem NABU Lampertheim zu einer Biedensandexkursion.

Zweiter Vorsitzender Gerd Will und Sigrid Stedefeder zeigten auf dem Weg zum Welsch Loch die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt des Biedensands. Gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Renate Brückner ging es für die Schüler über die Streuobstwiese zum Rallengraben. Dabei erzählten die Fachleute etwas über die Geschichte des Naturschutzgebietes.

Auf dem Steg am Rallengraben
Gerd Will zeigt Nester der Gespinstmotte


Spannender Blick in die Kinderstube der Vögel
Naturschützer überprüfen Nistkästen im Lampertheimer Wald

Lampertheim. Jedes Jahr im Frühsommer heißt es für die aktiven Mitglieder des Lampertheimer Naturschutzbundes (NABU) das Fahrrad satteln und Richtung Stadtwald radeln. Denn dort wartet wieder eine Menge Arbeit auf sie. Die etwa 180 Nistkästen müssen wieder auf ihren Inhalt kontrolliert werden. Die Daten werden an das Forstamt weitergeleitet.

Überwiegend Kiefernbäume säumen die unterschiedlichen Abteilungen wie Rennweg, Schafweide und Kapuzinerschlag des Lampertheimer Waldes. Diese hochwachsenden Nadelbäume sind zwar anspruchslose und wichtige Forstbäume, bieten jedoch keine optimalen Brutmöglichkeiten für die heimische Vogelwelt. Deshalb hat der NABU dort Nistkästen aus stabilem Holzbetonmaterial für Vögel, aber auch Fledermauskästen aufgehängt. Für deren Pflege und Kontrolle kommen mitgebrachte Arbeitshandschuhe, Stäbe zum Ab- und Aufhängen der Kästen, Reinigungsschaber sowie ein ausgedienter Schraubendreher und Notizblöcke zum Einsatz.

Fünf türkisfarbene Trauerschnäppereier

Routiniert hängen die Helfer die bewährten, mit ein oder zwei Einfluglöchern versehenen, vier bis fünf Kilo schweren Nisthöhlen ab. Vorsichtig wird die mobile Vorderwand, die extra für Reinigungs- und Kontrollzwecke konstruiert wurde, geöffnet.
Gerd Will, Zweiter Vorsitzender und Vogelschutzexperte der Lampertheimer NABU-Gruppe erkennt schon am Nistmaterial, welcher Vogel hier gebrütet hat.

„Jede Vogelart hat ihre arttypische Nestbauweise“, erklärt Will. Die Kohlmeise baue ihr Nest aus Moos, Flechten, Halmen und Würzelchen während ihre kleinere Verwandte, die Blaumeise, es neben Moos mit weichen Tierhaaren und Federn auspolstert. Das Nest des schwarz-weiß gefärbten Trauerschnäppers beinhalte hingegen überwiegend Laub, Halme, Wurzeln und Zweige. Andere Nistkästen sind regelrecht zugemauert.

„Hier war der Kleiber am Werk. Er verklebt die Öffnung der Bruthöhle anderer Vögel mit Lehm, um sie selbst zu nutzen“, erläutert Will. Dabei baue der Kleiber den Eingang gerade so groß, dass Marder und Krähen die Brut nicht erbeuten können. Mancher Nistkasten im Lampertheimer Wald wurde aber auch von anderen Tieren genutzt. So offenbarten sich den Naturschützern in zwei Kästen flinke Gelbhalsmäuse, welche die Vogelbrutstätten besetzt hatten. Auch ein nicht mehr bewohntes Wespennest wurde gesichtet.

Immer wieder erleben die Helfer vom Lampertheimer NABU bei der Nistkasten-Kontrolle Überraschungen - zum Beispiel, wenn sie Fledermaus-Nachwuchs entdecken.

Bei insgesamt sechs Nistkästen wurden Wochenstuben von Fledermäusen entdeckt. Gerd Will tippte dabei entweder auf die Rauhaut- oder die Fransenfledermaus, die sich beide äußerlich sehr ähnlich seien. Auch die stark gefährdeten Langohrfledermäuse, die mit ihren langen, braunen Ohren unverwechselbar sind, kamen zum Vorschein. Etwa zwanzig der nachtaktiven Flattermänner mit Nachwuchs befanden sich jeweils darin. Insgesamt gab es durch die längere Regenperiode
im Mai einige Brutausfälle durch tote Jungvögel. Betroffen waren überwiegend Kohlmeisen und Trauerschnäpper.

„Die Vogelweibchen bringen mit ihrem nassen Gefieder Feuchtigkeit ins Nest. Das hat zur Folge, dass die Jungvögel durch Unterkühlung sterben. Aber in der Natur sind solche witterungsbedingten Ausfälle durchaus normal“, erklärt Will.

Südhessen Morgen v. 13.06.2007/aha

"Düdlioh" flötet der Pirol

Naturschutzbund ruft zur Zählung von Singvögeln auf

Was für britische Naturliebhaber schon seit langem zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung geworden ist, wird nun auch vom Naturschutzbund (NABU) in Deutschland praktiziert. Bei der bundesweiten Aktion "Stunde der Gartenvögel" werden alle Vögel gezählt, die beim Blick in den Garten oder den örtlichen Park entdeckt werden. Auch der Lampertheimer NABU hat dieses Jahr wieder eine solche Veranstaltung durchgeführt und am vergangenen Sonntag zur "Zählstunde" aufgerufen.

Dabei konnte die heimische Vogelwelt auf der ehemaligen Storchenstation unter fachkundiger Führung von Gerd Will beobachtet werden und in Meldebögen eintragen werden. "Die Station wurde vor 20 Jahren gegründet. Das Gelände war jedoch langfristig ungeeignet für Störche", erklärte er. Allerdings profitiert heutzutage jede Menge Getier von dem naturbelassenen Areal. So finden hier nebst laut quakenden Fröschen in den dort angelegten Teichen sowie Igel, Eidechse und Blindschleichen auch allerlei Vögel Unterschlupf.

Aus den Bäumen und Gebüsche zwitscherte und tirilierte es, was der Schnabel hergab. Der Kuckuck war schnell in die ausgeteilten NABU-Zählbögen eingetragen. Er sei in diesem Gebiet oft zu hören und unschwer an seinem Ruf zu erkennen. Neben "Allerweltsvögeln" wie Amsel, Meisen und Spatzen gab es aber auch Arten zu vernehmen, die man nicht jeden Tag wahrnimmt. So waren die etwa zehn Teilnehmer vom akustisch wie optisch auffälligen Pirol mit seinem klangvoll flötenden "Düdlioh" begeistert. "Er wirkt eher wie ein Vogel aus den Tropen. Mit seinem knallig gelben Kopf, Rücken und Unterseite und seinen schwarzen Flügeln und Schwanz ist er nicht zu übersehen", erklärte Will.

Gruppenfoto - "Stunde der Gartenvögel" auf der ehemaligen Storchenstation

Beim Streifgang durch das Gelände war auch der virtuose Gesang der Nachtigall nicht zu überhören. Ihr melodiöser Gesang hatte schon Dichter und Musiker inspiriert. Wenn sie richtig in Fahrt kommt, schmettert sie ihren potentiellen Konkurrenten ein Stakkato schnell wiederholter Silben entgegen. Der Warnruf des Eichelhähers wirkte dagegen kreischend laut. "Kommt man ihm zu nahe, dann krächzt er ganz ärgerlich", verrät Will. Doch punkten kann er immerhin mit seinem prachtvoll bunten und schillernden Gefieder. "Der kleine Zaunkönig hat sein Nest ganz versteckt im Gebüsch", erklärte Will den zehn Teilnehmern. "Dass aus so einem kleinen, zarten Vogel jedoch ein solch kräftiger Gesang ertönt, ist schon verwunderlich", fügte er hinzu. Wenn er sich richtig ins Zeug lege, dann könne der Winzling bis zu 90 Dezibel Lautstärke erreichen.

Auch Stare ließen sich blicken. "Sie imitieren mit ihrem Gesang andere Vogelarten. Ab und zu auch mal andere Geräusche aus der Umgebung wie Klingeltöne von Handys oder quietschende Schaukeln", so der Naturschützer. Zu hören gab es auch die wohlklingenden, orgelnden Gesänge der Gartengrasmücke und der Mönchsgrasmücke. Gurrende Ringeltauben und die selten gewordene Turteltaube konnten die Besucher nebst Baumfalke in den Bäumen beobachten. Auf einem Baum entdeckten die Teilnehmer auch eine Kauzröhre. "Sie wurden dieses Jahr für den Steinkauz aufgehängt. Allerdings gibt es darin noch keine Brut. Sie brauchen noch ein paar Jahre Eingewöhnungszeit", so Will.

Aus dem sumpfigen Gebüschen drangen die mehrfach wiederholten gequetschten Silben "tschirr", "tiri" oder "djäg" der Teichrohrsänger. Auch ein anderer Bewohner bewachsener Ufer, das Grünfüßige Teichhuhn, ließ die kleinen und großen Naturfreunde aufhorchen. Seine einsilbigen, schnarrenden und auch knarrenden Laute werden von ihm oft stundenlang vorgetragen.

"Die Meldebögen dürfen jetzt an die NABU-Sammelzentrale verschickt werden", verkündete Will. Es locken Preise wie eine fünftägige Reise an den Kaiserstuhl oder auch Ferngläser, Armbanduhren, CDs und ein Norwegen-Bildband. Auch Sonderpreise für Online-Meldungen biete der NABU an. Welcher Vogel in diesem Jahr auf den Spitzenplatz in die Hitliste der Gartenvögel kommt, kann in den nächsten Tagen unter www.nabu.de erfahren werden. aha

Südhessen Morgen
15. Mai 2007

Naturerlebnis auf dem Biedensand

Lampertheim. Das frühe Aufstehen am Sonntagmorgen hatte sich gelohnt. Bei der Vogelstimmenwanderung auf dem Naturschutzgebiet "Lampertheimer Altrhein" bekamen etwa 15 interessierte Besucher einiges zu hören. Schon zu Beginn der dreieinhalbstündigen Exkursion wurden sie an der Brücke, das ins Naturschutzgebiet führt, von den lauten, klangvollen Flötenstrophen der Mönchsgrasmücke begrüßt.

Zur morgendlichen Wanderung bei sonnigem Wetter und lauer Frühlingsluft hatte die Lampertheimer Ortsgruppe des Naturschutzbundes eingeladen. Die Führung der Vogelstimmenwanderung übernahm der Ornithologe Henning Behrens. Er ist Mitglied der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und kennt sich in Lampertheims Vogelwelt genau aus. Der Vogelkundler erklärte an der Schautafel die Entstehung des "Biedensands". Dieser entstand im Jahre 1802 aufgrund Hochwassers, welches eine im Laufe der Jahrhunderte weit ausladende Rheinschlinge bei Lampertheim abschnitt und damit den Hauptstromverlauf wesentlich verkürzte.

Kuckuckslichtnelke - eine heimische Feuchtwiesenart auf dem Biedensand

An der Durchbruchstelle entstand das heutige "Welsch Loch" und der "Biedensand" wurde zur Insel. Dank seinem großen Vogelreichtum gilt das Naturschutzgebiet als wichtigster Rastort für Zugvögel in Südhessen und dient als Brutgebiet für etliche Vogelarten. Schon nach wenigen Metern Wanderung konnte der markante und abwechslungsreiche sowie kristallklare Gesang der Nachtigall vernommen werden. "Sie gehört zur Familie der Drosseln und ist eher ein unscheinbarer Vogel, der unauffällig im Gebüsch lebt", erklärte Behrens. "Hier im Auwald gibt es auch verschiedene Spechtarten wie beispielsweise Klein-, Mittel-, Bunt-, Schwarz- und Grünspechte", bemerkte Behrens. Auf dem Waldweg zur sonnigen Heegwasserwiese erfreuten sich die Besucher an den Melodien von Zilp-Zalp, Meisen, Buchfinken und Grasmückenarten.

An der blütenreichen Wiese angekommen, wurde ein Greifvogel am blauen Himmel gesichtet. "Es könnte sich um eine Rohrweihe oder auch eine Wiesenweihe handeln", so Behrens. Ihre Lebensräume sind feuchte Gelände mit nassen Wiesen und Schilfbeständen. Von fern ertönte der Ruf des Kuckucks. Der mittelgroße, graue Vogel mit hellem Bauch und feinen Streifen auf der Brust konnte bei der Wanderung auch im Flug beobachtet werden. So beispielsweise an der Aussicht am Rallengraben, als er von einem anderen Vogel verfolgt wurde. Hier ertönten auch die Gesänge der Rohrsänger. Sie brüten im Schilf und ernähren sich von Insekten.

Haubentaucher - Symbolvogel des NSG Lampertheimer Altrhein

"Blaukehlchen brüten hier auch", erklärte der Vogelexperte. Die Vögel mit der auffällig leuchtendblauen Kehle mit weißem Stern-Fleck geben abwechslungsreiche Töne von sich. Ihr hastig vorgetragener Gesang mit zirpenden und schnurrenden Strophen, ist durchmischt mit Schwirrlauten, Pfeiftönen und Imitationen. Am "Welsch Loch" konnten die Wanderer Lachmöwen, Graureiher, Störche und ein Milan mit ihren Ferngläsern erspähen. Beim "Fretterloch" wurden verschiedene Gänsearten, eine Mittelmeermöwe und auch der Symbolvogel des Naturschutzgebietes, der Haubentaucher, gesichtet. Er ist bekannt für seine spektakulären Balzrituale und baut Schwimmnester aus Wasserpflanzen. aha

Südhessen Morgen
8. Mai 2007


Exkursion mit LGL-Klasse zum "Welsch' Loch"


Eine 5. Klasse des Lessinggymnasiums machte bei schönem Wetter am 19. April einen Ausflug ans Welsche Loch. Dabei erfuhren sie von der Lampertheimer NABU-Vorsitzenden Andrea Hartkorn einiges zur aktuellen Verlandungsproblematik der Auengewässer.

Auf ihrem Rückweg wurden ihnen noch Mülltüten von ihrer Lehrerin Gabriele Waldkircher überreicht. Beim Aufsammeln entdeckten die fleißigen Naturfreunde auch problematischen Müll wie beispielsweise einer Zahnbürste mit Batterien, zerbrochene Flaschen und Autoreifen.


Kinder werden Umweltfreunde

Evangelischer Kindergarten Rosenstock setzt auf die Sinne

Lampertheim. In einem dreimonatigen Projekt haben die Erzieherinnen der Kindertagesstätte Rosenstock ihren Vorschulkindern Lebens- und Lernräume geboten, in denen sie mit allen Sinnen die Natur und die Umwelt positiv erleben konnten. Inhaltlich gestalteten sich ihre Treffen sehr unterschiedlich: Zum Einstieg gab es viele Spiele und Anregungen zur Sinneswahrnehmung, denn die Umwelt wahrzunehmen, zu spüren und zu genießen ist Voraussetzung, um Wertschätzung entwickeln zu können.

Die Kinder trafen sich mit Markus Hörner vom Forstamt Lampertheim im Wald, wo sie Interessantes über die einheimischen Tiere und den Baum als Lebewesen erfahren durften. Eine Exkursion auf den Biedensand wurde von Andrea Hartkorn vom Naturschutzbund (NABU) fachkundig begleitet. Einen weiteren Höhepunkt bildete ein Besuch der Naturschule Bergstraße im Kindergarten. Hier konnten die Kinder kleine Experimente mit den vier Elementen machen.

Weitere Themen waren der Regenwurm, Steine, Traumfänger aus Naturmaterialien herstellen sowie Müll und Umweltverschmutzung. In diesem Zusammenhang beteiligten sich die Kinder an der Aktion "Saubere Gemarkung". Ziel des Projektes war es, das Interesse an einer nachhaltig aktiven Umweltverantwortung zu wecken. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: 19 Kinder erhielten einen Umweltpass, der sie als Umweltfreunde auszeichnet. zg

Südhessen Morgen
7. April 2007

Hochzeitsreise auf Leben und Tod

Frühzeitige Krötenwanderung wegen milden Wetters / Damit die Tiere nicht unter die Räder kommen, stellt der NABU Zäune auf

Lampertheim. Auch bei den Lampertheimern Amphibien herrscht vorzeitige Frühlingsstimmung. Die milden Temperaturen wecken Kröte, Frosch und Molch aus ihrem Winterschlaf und veranlassen sie, zu ihren Laichgewässern zu wandern. Dort werden sie sich paaren und für Nachwuchs sorgen. Dabei ist ihre Hochzeitsreise nicht ganz ungefährlich. Bei der Überquerung von Straßen entscheidet oft der Zufall über Leben und Tod.

Daher werden an gefährdeten Stellen, etwa am Waldrand bei der Sandgrube Feuerstein oder am Sandtorfer Weg, vom Lampertheimer Naturschutzbund (NABU) Amphibienschutzzäune aufgebaut. Den Aufbau an der Natostraße hat die Stadt Lampertheim übernommen. Die Frösche und Kröten laufen an der Innenseite dieser Zäune entlang und fallen dann in Behälter. Frühmorgens und abends kontrollieren dann die Naturschützer die Vorrichtungen, um die Kröten, Frösche, Berg- und Teichmolche über die Straße zu ihrem Teich zu tragen. Außerdem werden die unterschiedlichen Arten dabei statistisch erfasst.

Erdkrötenweibchen trägt Männchen huckepack zum Laichgewässer

Die Amphibien laufen vornehmlich nachts, von Einbruch der Dunkelheit an bis zum Tagesanbruch. "Die feuchtwarme Witterung der letzten Tage wird nun den ersten großen Schwung der Wanderung auslösen", erklärt zweiter NABU-Vorsitzender Gerd Will. Zuerst seien die Erdkröten, Spring- und Grasfrösche unterwegs, die stets zu den Gewässern zurückkehrten, in denen sie geboren wurden.

Das meist kleinere Männchen klammert sich während der Paarung bei fast allen Arten unter den Achseln des Weibchens fest. Dieses trägt das Männchen manchmal bis zu mehreren Tagen auf dem Rücken. Bei den Frühlaichern reisen die Männchen Huckepack zum Laichgewässer. "Die Sandgrube Feuerstein bietet für Amphibien ideale Bedingungen, dort gibt es flache Uferzonen mit Wasserpflanzen und genügend Platz zum Ablaichen", so Will weiter.

totgefahrener Grasfrosch - eine nächtliche Straßensperrung wäre der nachhaltig beste Schutz für Amphibien

Ärgerlich findet er jedoch, dass die Stadt die nicht ausgebaute Straße an der Feuersteingrube nachts nicht sperren wolle. Es sei nicht nur die Arbeit, die der Zaunaufbau bei Wind und Wetter bereite, sondern auch die Tatsache, dass es dort nicht überall möglich sei, die Schutzzäune aufzubauen. An diesen Stellen liefen Kröten und Frösche weiterhin ungeschützt über die Straße und würden dann von Autoreifen regelrecht platt gefahren. Das Argument der Stadt, die nicht ausgebaute Straße werde auch vom Militär genutzt, lässt er nicht gelten. "Es gibt dort Ausweichstraßen. In anderen Städten ist eine nächtliche Sperrung für einige Wochen auch selbstverständlich", gibt Will zu bedenken.

Zum Aufbau des etwa 350 Meter langen Zaunes kamen auch die jungen Naturschützer des NABU. Sie halfen, mittels Spaten und Harken die grünen Plastikzäune standfest zu machen. Nebenbei erklärten ihnen die Naturschutzjugend-Betreuerinnen Sinn und Zweck dieser Aktion. aha

Südhessen Morgen
26. Februar 2007

Kleine Hilfestellung für Mutter Natur

Der NABU stellt zusammen mit Kindern Amphibienzaun auf / Überlebenswichtig und lehrreich

Redaktion Lampertheimer Zeitung
vom 26.02.2007

jab. LAMPERTHEIM Am Samstag hieß es "Ran an die Spaten und Löcher graben". Aber das Sprichwort "Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" sollte hier keine Verwendung finden. Schließlich sollen lediglich die Frösche und Kröten in die Eimer plumpsen, um sie dann sicher über die Straße zu bringen. Der Naturschutzbund (NABU) stellte am Wochenende wie jedes Jahr seinen Amphibienzaun auf.

Die Straße zur Sandgrube "Feuerstein" ist nicht ausgebaut, und man muss um viele Schlaglöcher herumlaufen, wenn man vom Parkplatz der Gaststätte "Heide" am Militärübungsgelände vorbeispaziert und sich in Richtung Sandtorfer Weg/Blumenau bewegt. Wer am Samstag immer dichter an die Sandgrube herankam, hörte schon von Weitem Kinderstimmen, die interessierte Fragen stellten und Erwachsene, die schon fleißig dabei waren, einen grünen kleinen Amphibienzaun aus Plastikfolie aufzustellen.

Die NAJU half fleißig mit

Andrea Hartkorn, Vorsitzende des NABU Lampertheim, erklärte den Kindern geduldig, wozu der Zaun gut ist. Er soll die Kröten und Frösche schützen, damit sie nicht von den vorbeifahrenden Autos überfahren werden. Die Kinder schienen mit der Antwort zufrieden zu sein, schnappten sich Eimer und Spaten und warteten auf Anweisungen. Eine von ihnen lautete: "Alle 10 bis 15 Meter einen Eimer eingraben. Also macht 15 große Schritte und dann ein schönes Loch nahe am Zaun." Die Kröten, Frösche und das andere Getier sollen in die Eimer fallen, die von den NABU-Mitgliedern Walter Liesewitch und Gerd Will morgens und abends kontrolliert werden. Was folgt, ist der anschließende Transport zum Teich. Jedes Jahr um diese Zeit erwachen je nach Witterung allmählich die ersten Erdkröten aus dem Winterschlaf und wandern zur Sandgrube, um abzulaichen.

Doch das Aufstellen des zirka 350 Meter langen Zaunes hat, so Hartkorn, nicht nur Vorteile für die Amphibien. Auch die Kinder der NABU-Jugend und andere Nachwuchs-Biologen profitierten von der Arbeit: "Durch ihre Hilfe bekommen die Kinder einen Bezug zur Natur und sehen, dass ihre Arbeit sinnvoll ist." Einige Exemplare der Wasser- und Landtiere werden als Anschauungsmaterial in artengerechte Schaukästen gesetzt. Als am Samstag dann das "Krötenwetter" einsetzte, wie Andrea Hartkorn den Regen nennt, ließen sich die Helfer und die Kinder nicht abschrecken und arbeiteten weiter an dem lebenswichtigen Bauwerk.

Nachdem die Arbeit schließlich verrichtet war, gingen die jungen Naturliebhaber gemeinsam mit Andrea Hartkorn durch das künstliche Biotop, das seit 2002 in den Händen des Naturschutzbundes liegt. "Das ist ein sehr großes Gelände, ideal auch für Wasservögel", erklärte die NABU-Vorsitzende. So sahen die Kinder in der Sandgrube unter anderem Blesshühner und Enten. Außerdem erweckten merkwürdige steinerne Anhäufungen ihre Aufmerksamkeit. Mit Natursteinen, eine Schenkung des Angelsportvereins, sollen am Ufer des Loches kleine Steinhaufen entstehen, auf denen sich allerlei Getier sammeln kann. Man hofft somit auch Eidechsen anzulocken. Die Vorsitzende ist der Meinung: "Ein solches Rückzugsgebiet ist für Tiere und Pflanzen in der heutigen Zeit wichtig", und dies müsse auch den Kindern näher gebracht werden. Bei dem zehnjährigen Florian Zehnbauer, der bereits zum zweiten Mal mithalf, scheint dieses Vorhaben geglückt. Der kleine Naturschützer sagte: "Ohne Hilfe der Menschen können diese Amphibien nicht überleben. Deswegen helfe ich hier gerne mit."

Ganz ohne Sorgen geht es auch an der Sandgrube nicht zu. "Der Wasserstand ist problematisch, er ist zu niedrig", so Hartkorn. Man hoffe aber, dass sich das bald ändert. Immerhin: Die Aktion am Samstagmorgen war erfolgreich und der Zaun steht. Nun können die Kröten kommen.

ARCHIV 2006


Ärger um Betongleitwände

Behörde sieht keinen Handlungsbedarf

Schlagabtausch zwischen Naturschützern und Straßenverkehrsamt über die Betongleitwände

vom 10.11.2006/Oliver Lohmann

LAMPERTHEIM Ist die Betongleitwand auf der B 44 eine Gefahr für Tiere und auch für Menschen? Gestern trafen sich Naturschützer, Politiker und das Amt, das die Betonwände gebaut hat, zur Diskussion über diese Frage.  

Neue Argumente wurden gestern nicht ausgetauscht, die Fronten blieben hart: auf der einen Seite Naturschützer und Jäger, auf der anderen Seite das Amt für Straßen- und Verkehrswesen Bensheim (ASV) mit Pressesprecher Markus Schmitt. Für die Naturschützer-Gruppe kritisierte Jäger und Agenda-21-Mitglied Alfred Laut das Vorgehen des Amtes als "Behördenwillkür". Ohne mit den Naturschützern vor Ort zu sprechen, sei eine Betonwand auf der Bundesstraße 44 gebaut worden. Diese mache es dem Wild unmöglich, die Straße zu passieren. Zahlreiche Tiere hätten bereits ihr Leben lassen müssen. Laut forderte Querungshilfen in Form von Lücken in der Betonwand oder Rohren.

ASV-Sprecher Schmitt wollte Lauts Wild-Todeszahlen nicht akzeptieren. Er verlasse sich lieber auf die Unfallzahlen der Polizei - und da gebe es keinen Unterschied zwischen vor und nach der Betongleitwand. Es bestehe daher kein Handlungsbedarf für die Behörde. Nachträglich Rohre für Tiere einzubauen, sei nicht möglich. Falls dadurch die Statik der Wand bei einem Unfall beeinträchtigt werde, hätte die Behörde den Schwarzen Peter. "Die Wände schützen den Verkehr auf der anderen Fahrbahn vor einem durchbrechenden Lastwagen. Außerdem schützen sie Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe vor einem Unfall und sind weniger reparaturbedürftig", so Schmitt. Alternativ zur Betongleitwand gebe es noch ein Stahlsystem, das aber nicht nur viel teurer, sondern für Rehe noch schwerer zu überwinden sei.

Laut und die anderen Naturschützer befürchten, auch beim Ausbau der B 47 zwischen der Rheinbrücke und Lorsch werde eine Betongleitwand gebaut. Schmitt konterte, dabei handle es sich um einen Neubau, womit die Naturschutzverbände ohnehin um ihre Meinung gefragt würden. Die B 44 sei nur saniert worden, da sei eine Einbindung der Verbände nicht nötig.

Lorschs Bürgermeister Klaus Jäger stellte sich auf die Seite der Naturschützer: "Man hätte die Verbände vorher hören müssen, und man hätte Lücken in den Wänden lassen können für die Tiere." Lampertheims Stadtoberhaupt Erich Maier bat Schmitt, als sich die Diskussion im Kreis drehte, um die Prüfung von Querungshilfen. Dieser sagte das zu, wollte aber keine große Hoffnung machen. Schmitt versicherte auch, dass die Lücke zwischen den beiden Wänden nach und nach verfüllt werde - dadurch könnten Rehe die Stelle überwinden. Trotz einiger Vorwürfe reichten sich Laut und Schmitt abschließend sogar die Hand zur Versöhnung.

siehe auch Artikel im TIP-Wochenblatt als pdf-Datei

Betongleitwände:
Sicherheitsrisiko für Mensch und Tier?

Streit um Anzahl totgefahrener Rehe auf der B 44:
Naturschützer sind sauer auf Verkehrsbehörde

22.09.2006/Südhessen Morgen
von Redaktionsmitglied Alexandra Schorre

Lampertheim. Die Lampertheimer Naturschützer um Hegegemeinschaftsleiter Alfred Laut sind stinksauer. Anlass dafür geben einmal mehr die Betongleitwände auf den Bundesstraßen 44 und 47, gegen die die Naturschützer schon seit Anfang des Jahres Sturm laufen und um die es auch bei der jüngsten Kreistagssitzung ging. Auf eine Anfrage der Grünen, wie viele tote Tiere seit der Errichtung der neuen Barriere auf der B44 zwischen Lampertheim und Bürstadt gezählt worden seien, hatte die Kreisverwaltung Zahlen des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) vorgelegt. Und die stimmten hinten und vorne nicht, schimpfte Alfred Laut gestern im Gespräch mit dem "Südhessen Morgen".

Zwei überfahrene Ratten, zwei Hasen, vier Katzen, sechs Tauben, einen Dachs und zwei Igel hat der Streckenwart laut ASV zwischen Dezember und Juli eingesammelt. Nicht gerade schön, aber für das ASV auch kein Grund, an der Notwendigkeit der Betongleitwände zu zweifeln. Völlig außer Acht gelassen worden sei bei dieser Statistik jedoch das Schalenwild, moniert Alfred Laut. Hätte das ASV bei den Jägern nachgefragt, wüsste es, dass allein zwischen April und August auch drei Rehe und ein weiterer Dachs auf der Strecke ihr Leben gelassen hätten. Stattdessen werde nun mit "falschen Zahlen" agiert, wirft Laut der Behörde im Namen des Lampertheimer Arbeitskreises Agenda-21 und der Jägerschaft vor.

Betongleitwände

Vor allem im Frühjahr, wenn das Rehwild Nachwuchs bekommt und ältere Jungtiere verstoßen werden, hätten sich die Betonmauern auf der B44 als Todesfalle erwiesen, erklärt Laut. Einige junge Böcke hätten in Richtung Felder und Rheinauen-Bereich fliehen wollen und seien beim Versuch die B44 zu überqueren, umgekommen. Die Dunkelziffer überfahrener Tiere sei noch wesentlich höher, ist Laut überzeugt. "Autos erlegen mehr Wild als so mancher Jäger." Ein Großteil der Kleintier-Kadaver werde jedoch binnen kurzer Zeit von Füchsen und Greifvögeln "entsorgt".

Wenn nach der B44 auch die B 47 Richtung Lorsch in Höhe des Waldgebietes mit Betongleitwänden ausgebaut werde, sei die Katastrophe perfekt, befürchtet Laut und malt ein Horrorszenario: "Uralte Fernwechsel und damit auch der wichtige Gen-austausch können dann nicht mehr stattfinden. Eine ganze Region wird abgeschottet, wir verinseln quasi zwischen Mannheim und Darmstadt." Darüber hinaus gingen mit dem wertvollen Wildfleisch "nachwachsende Ressourcen" verloren.

Dieter Melchior hält bei der Demo gegen die Betongleitwände am 30. März 2006 die Ansprache vor dem ASV in Bensheim

Laut und seine Mitstreiter wollen nicht falsch verstanden werden. Auch für sie gilt: Der Schutz von Menschen steht über dem Tierschutz. "Allerdings muss sich das gar nicht ausschließen", gibt der Leiter der Hegegemeinschaft Südliches Ried zu bedenken und verweist auf Erkenntnisse von Automobilclubs. Demnach erhöhten Betongleitwände die Verkehrssicherheit zwar dort, wo ein Lkw nach einem Unfall droht, auf die Gegenfahrbahn zu geraten. "Aber das gilt ja wohl in erster Linie für Autobahnen und nicht für Bundesstraßen, auf denen maximal 100 Stundenkilometer gefahren werden dürfen." Für Autofahrer sei das Risiko sogar höher, wenn sie in die Betonmauer krachen statt in eine herkömmliche Leitplanke, die noch nachgeben könne. "Deshalb sind die Betonmauern auf der B44 einfach Unsinn - für Mensch und Tier!", lautet das Resümee der Mauergegner.

Wenn die Betonplanken auch für die B47 nicht zu verhindern sein sollten, soll dort zumindest eine so genannte Grünbrücke den gefahrlosen Wildwechsel ermöglichen, wünscht sich Alfred Laut. Eine solche Brücke - die erste und einzige im Kreis Bergstraße - existiert bereits zwischen Mörlenbach und Birkenau. Sie werde nach anfänglicher Scheu inzwischen gut von den Tieren angenommen, berichtet Laut. In den Betongleitwänden selbst Durchlässe für Tiere zu schaffen, hatte das ASV bereits mehrfach mit der Begründung abgelehnt, es gefährde die Stabilität der Konstruktion.

Als nächstes wollen die Naturschützer die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden Lampertheim, Bürstadt und Lorsch zu einem Ortstermin einladen.



"Rohre hätten Wildwechsel ermöglicht"

Hegegemeinschaftsleiter Alfred Laut glaubt den Zahlen der Verkehrsbehörde nicht

vom 23.09.2006

LAMPERTHEIM Gar nicht einverstanden ist Alfred Laut, Leiter der Hegegemeinschaft Südliches Ried und Mitglied der Agenda-21-Gruppe, mit den Zahlen des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) über tote Tiere auf der B 44. Die Angaben seien viel zu niedrig.  

Von Oliver Lohmann

Seit Dezember 2005 kontrolliere ein Streckenwart die B 44 zwischen Lampertheim und Bürstadt - bis Juli dieses Jahres habe er folgende toten Tiere aufgefunden: zwei Ratten, zwei Hasen, vier Katzen, sechs Tauben, ein Dachs und zwei Igel. Diese Angaben stammen aus der Antwort der Kreisverwaltung auf eine Anfrage der Bergsträßer Grünen. Der Lampertheimer Jäger Alfred Laut hat nach eigenen Angaben bereits vier tot gefahrene Rehe auf der Strecke entdeckt. "Die Zahlen des ASV sind nur die Spitze des Eisberges. Kleintiere, die auf der Straße sterben, sind nach einer Stunde, in der viele Autos über sie fahren, nicht mehr zu erkennen. Auch Füchse und Bussarde wissen, dass sie an der B 44 Futter finden. Das kann man daher gar nicht alles entdecken und zählen", meint Laut im Gespräch mit der LAMPERTHEIMER ZEITUNG. 20000 Rehe würden in Hessen jährlich im Straßenverkehr umkommen.

"Ein Reh könnte eine Betongleitwand überspringen. Aber auf der B 44 gibt es die Wand gleich doppelt und mit unterschiedlichen Höhen. Da das Reh nicht sieht, wo es landen würde, springt es hier nicht drüber", erläutert der Hegegemeinschaftsleiter. Ein Wildschwein laufe an der Wand entlang, bis sie zu Ende ist. Doch der Weg kann auf der B 44 weit sein. Es gibt keinen Durchlass. Laut ASV werde dadurch der Querschnitt geschwächt, es könnte zu Lkw-Durchbrüchen kommen. Laut glaubt das nicht, es müssten Lücken von einem Meter Breite machbar sein. Im Übrigen hätte man Rohre in die Wände einbringen können, das hätte dem Wild einen gefahrloseren Wechsel ermöglicht. Daneben gebe es die Möglichkeit von Über- und Unterquerungen.

"Mich ärgert diese Behördenwillkür. Es werden Entscheidungen getroffen, ohne die Menschen zu fragen, die sich auskennen." Laut bestreitet auch, dass die Betongleitwände mehr Menschenschutz bedeuten. "Die Betonwände stammen aus den Alpen, sollen dort verhindern, dass ein Bus in eine Schlucht stürzt. Das ist sinnvoll. Aber bei uns sind sie nicht nötig. Sie können zu schweren Unfällen führen." Die Wände, die bei Lorsch aufgestellt wurden, findet Laut nicht so dramatisch, weil es dort wenig Wildwechsel gebe - angesichts von Autobahn, Kleingärten und Gewerbegebiet.

Aber es gelte nun, mit aller Macht zu verhindern, dass Betongleitwände zwischen Rosengarten und Lorsch installiert werden. Hier ist ein vierspuriger Ausbau der Straße geplant. "Wenn auch die B 47 dichtgemacht wird, kann das Schwarzwild nicht mehr wechseln. Das wäre eine Katastrophe. Wir verinseln genmäßig, denn auch die Autobahnen verhindern ja, dass ein Wildschwein weiterziehen kann", erklärt Laut. Ein Wildschwein auf Futtersuche oder in der "Rauschzeit" sei in der Nacht 30 Kilometer und mehr unterwegs.

Notfalls werde in Sachen B 47 der Klageweg beschritten, versichert Laut. Glücklicherweise nehme die Zahl der Betongleitwand-Gegner zu - auch bei den Parteien. "Demnächst wollen wir uns mit den Bürgermeistern von Lampertheim, Bürstadt und Lorsch an einen Tisch setzen, um das Thema zu erörtern."

Lampertheimer Zeitung v. 23.09.06


Link zum Untersuchungsprogramm 2006/07
Lampertheimer Auengewässer >hier


Workshop "darf" weitermachen...

Parlament bewilligt Gelder für Altrhein-Initiative

Rot-Grün und FDP setzen Ausgaben in Höhe von 6000 Euro durch /
CDU: "Kasperletheater"

Lampertheim. Die Arbeitsgemeinschaft Auengewässer kann weitermachen.
Das Stadtparlament hat gestern abend gegen die Stimmen der CDU beschlossen, der Bürgerinitiative zur Durchführung von Gewässerproben 6000 Euro zu bewilligen. Außerdem wurde durch die rot-grüne Mehrheit der parlamentarische Antrag vom Dezember letzten Jahres erneuert, die Verwaltung möge Verhandlungen mit der Landesregierung über ein Ausbaggern des Welschen Lochs aufnehmen.

Laut SPD-Fraktionschef Hans Hahn ist die bewilligte Summe ausreichend, um eine Untersuchungsreihe durchzuführen. Die von der Verwaltung vorgeschlagenen Ausgaben in Höhe von 20 000 Euro - für die die CDU eingetreten war - umfassten auch die Erstellung eines Maßnahmen- und Sanierungskonzepts. Diese Kosten sollen nach Ansicht der rot-grünen Koalition zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden.

Hans Hahn äußerte zugleich die Missbilligung seiner Fraktion über die Weigerung des Ersten Stadtrats Ulrich Vonderheid (CDU), Gespräche mit dem Umweltminister aufzunehmen. Stattdessen habe dieser wenige Tage vor den Kommunalwahlen das Altrhein-Hearing initiiert. Der Sozialdemokrat kritisierte wie Max Plenert vom Grünen-Koalitionspartner auch, dass wichtige Informationen - etwa über das Zustandekommen des Betrags von 20 000 Euro - gar nicht oder nur schleppend von der Verwaltung an die Gremien erteilt worden seien.

Für CDU-Fraktionsmitglied Dieter Meyer zeigte die Position von Rot-Grün nach den Abstimmungsverhalten in den Ausschüssen: "Das Kasperletheater geht weiter." Und Christdemokrat Michael Jacobi befand: "Der Erste Stadtrat hat alles richtig gemacht." Ohne eine Informationsgrundlage, die durch die Untersuchungs-ergebnisse erst erarbeitet werden solle, seien solche Verhandlungen von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Ulrich Vonderheid selbst wies die Debatte innerhalb der rot-grünen Koalition als "Spielerei" zurück. Er wehrte zudem "mit Vehemenz" Unterstellungen ab, er habe sich in Sachen Altrhein aus partei- oder wahltaktischen Gründen engagiert. urs

Südhessen Morgen
15. Juli 2006


Adresse des Artikels:
http://www.morgenweb.de/region/lampertheim/20060715_lac1100025_19506.html




Workshop "Regenerierung der Lampertheimer Auengewässer" vor dem Aus?

Stellungnahme zum Hick-Hack der lokalen Politik bezüglich Finanzierung
eines Maßnahmen-Konzeptes zur Sanierung der Gewässer


Karte Naturschutzgebiet "Lampertheimer Altrhrein"

Mit großem Befremden haben wir festgestellt, dass die Bewilligung von 20.000 Euro zur Erhebung von Daten als Basis für das Ausbaggern des Altrheins und das Wiederherstellen des Welsch'en Lochs gefährdet ist.

Die letzten Sitzungen sowie Gespräche mit Abgeordneten haben gezeigt, dass wesentliche Informationen über das Naturschutzgebiet Lampertheimer Altrhein entweder als Halbwahrheiten oder gar nicht verarbeitet worden sind. Es drängt sich für Bürger dieser Stadt ferner auf, dass das Wohl dieser Gemeinde politischen Streitereien geopfert wird.

Wir erinnern die Parteien an ihre Wahlversprechen, sich für den Erhalt des Naturschutzgebietes Lampertheimer Altrhein einzusetzen. Dazu ist nötig

1. eine genaue Untersuchung des gesamten Gebietes, um das oder die Problemfelder zu erkennen und entsprechende Lösungen zu erarbeiten;

2. die Genehmigung für die Lösungen durchzusetzen und

3. die Finanzierung in Angriff zu nehmen.

Altrheinfreunde Lampertheim,
Initiative zur Rettung des Naturschutzgebietes Lampertheimer Altrhein,
Agenda-21-Arbeitskreis "Naturschutz, Landwirschaft, Ressourcen

> zum Positionspapier
> zum Positionspapier

(pdf-Datei)

Habicht
Der Habicht - Vogel des Jahres 2015

online Vogelführer


Stoppt TTIP


Agenda-21-Arbeitskreis
Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen sammelt über 1.000 Überschriften für die Erhaltung des 'Welsch Lochs'

Pressetermin mit gesammelten Unterschriften
Dieter Melchior, Hartmut Büchner, Andrea Hartkorn und Alfred Laut präsentieren die Unterschriftenlisten
Bild: Robert Hörner

Unterschriften sollen Ministerium wecken

Lampertheimer Arbeitskreis Agenda 21 will das Welsche Loch vor der Verlandung bewahren

Lampertheim. Das Welsche Loch droht zu verlanden, und das darf nicht passieren, darin sind sich die Mitglieder des Agenda-21-Arbeitskreises einig. "Wir müssen dringend eingreifen", lautet das Motto, um das für Tier und Mensch so wertvolle Flachgewässer vor der Austrocknung zu schützen.

Aus diesem Grund hat der Arbeitskreis vor einigen Wochen begonnen, in der Lampertheimer Bevölkerung Unterschriften "zur Ausbaggerung des Welschen Lochs" zu sammeln, die an den Hessischen Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) übergeben werden sollen. Um über die aktuelle Lage zu informieren, trafen sich Andrea Hartkorn, Alfred Laut, Hartmut Büchner und Dieter Melchior am Biedensand.

"Mit der Unterschriftenaktion wollen wir zeigen, dass wir was machen und dass die Lampertheimer Bevölkerung hinter uns steht", meinten Andrea Hartkorn und Alfred Laut. Bereits am Agenda-Infostand auf dem Schillerplatz vor knapp vier Wochen war die Resonanz sehr gut, und es kamen um die 280 Unterschriften zusammen. Mittlerweile ist die Unterschriftenliste, die in Geschäften und Vereinen ausgelegt wurde, noch viel länger geworden, und die Naturschützer können einen ganzen Zettelberg mit insgesamt 1107 Unterschriften präsentieren. "Unser Ziel waren 500 plus. Dass es so viele werden, damit hat keiner von uns gerechnet", freute sich Laut.

Mit ihrer Aktion möchte der Agenda-Arbeitskreis darauf aufmerksam machen, dass der Prozess der Verlandung im Welschen Loch keineswegs als naturgemäßer Vorgang gesehen werden darf. "Für den gegenwärtigen Zustand ist vor allem der Mensch verantwortlich", bekräftigte Laut, denn dieser habe aus einem Naturschutzgebiet eine Kulturlandschaft gemacht. Nicht zuletzt sei die Rheinbegradigung ein wesentlicher Grund für den miserablen Zustand des Welschen Lochs. "Immer mehr Auenlandschaften verschwinden, wir müssen jede weitere retten", stellte Andrea Hartkorn fest.

Man dürfe das Gewässer nicht sich selbst überlassen, denn es sei vor allem für die dort lebenden Wasservögel unentbehrlich. Es gebe allerlei Tierarten, insbesondere Enten- und Gänsearten, die nur im Tiefwasser zurechtkommen. Hier finden sie vor allem die nötige Nahrung, in Form von Fischen und anderen Lebewesen. Wenn diese Auen nicht mehr existierten, werde sich das negativ auf die Artenvielfalt auswirken.

"Das ist ein richtiger Teufelskreis", meinte Laut. "Gerade für die alten Lampertheimer gibt es keinen Altrhein ohne Welsches Loch", sagte Laut. Die zunehmende Verschlammung des Welschen Lochs führe zudem zu einer vermehrten Weidenansammlung und damit zur weiteren Zerstörung des Gebietes. Wenn aber ausgebaggert werde, würden auch die Weiden zerstört, und wahrscheinlich sei dann eine Aussamung und Verwurzelung im Erdreich nicht mehr möglich, erklärte Hartkorn.

Den geplanten Brief an das Hessische Umweltministerium bezeichnete Laut als "Hallo-Wach-Tablette", um den Verantwortlichen die Augen zu öffnen. "Wir müssen erst das Land Hessen überzeugen, um Chancen auf eine EU-Finanzspritze zu haben", sagte Hartkorn. Trotz vieler Hürden, die ihnen noch bevorstehen, sehen sie zuversichtlich in die Zukunft. Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem schweren Weg seien die Unterschriften allemal. nik

aus: Südhessen Morgen
08. Juni 2006

Adresse des Artikels:
http://www.morgenweb.de/region/lampertheim/20060608_srv0000403_15706.html


Rastplatz auf dem Weg nach Spanien

Agenda-21-Arbeitskreis sammelt 1100 Unterschriften für die Rettung des Welschen Lochs

Vom 07.06.2006

LAMPERTHEIM Das Welsche Loch gilt als größter Flachwassersee Südhessens. Wenn ihm aber nicht geholfen wird, findet er nur noch Erwähnung in heimatgeschichtlichen Büchern.  

von Oliver Lohmann

Stolze 1107 Unterschriften sind das Ergebnis einer Sammelaktion des Agenda-21-Arbeitskreises Naturschutz für das Welsche Loch. "Schon an unserem Info-Stand am 6. Mai sind 280 Unterschriften zusammengekommen. Listen in Geschäften und bei Vereinen sorgten danach für weitere 800 Signaturen", berichtete Arbeitskreis-Mitglied Andrea Hartkorn gestern gegenüber der LAMPERTHEIMER ZEITUNG. Die Mitstreiter Alfred Laut, Dieter Melchior und Hartmut Büchner freuten sich ebenfalls - die vielen Unterschriften zeigten, dass die Lampertheimer Bevölkerung das Welsche Loch erhalten möchte.

Die Unterschriftenlisten gehen auf dem Postweg an den hessischen Umweltminister Wilhelm Dietzel. Sie sind überschrieben mit folgendem Text: "Wir, die Unterzeichner aus Lampertheim und dem Kreis Bergstraße, fordern die Hessische Landesregierung auf, schnellstmöglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um das Welsche Loch als offene Wasserfläche langfristig zu erhalten. Der See hat als Winterquartier und Rastplatz für zahlreiche Zugvogelarten internationale Bedeutung. Alternativen wie Abwarten oder eine bewusste Inkaufnahme der Verlandung lehnen wir ab."

Der Agenda-21-Arbeitskreis für Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen fordert eine großflächige Ausbaggerung des Sees. Kritisch sehen die Naturschützer die jahrelange "Untätigkeit" von Behörden. Auch von Politikern jeder Ebene hätten sich die Lampertheimer mehr Engagement gewünscht. Seit dem heißen Sommer 2003, als der See erstmals austrocknete und sich eine Verlandung mit Weidenbewuchs einstellte, sei das drohende Ende offenkundig. Bei der geforderten Ausbaggerung soll es auch den Weiden an den Kragen gehen. "Auwald haben wir genug. Aber Wasserflächen, die als Rast- und Überwinterungsgebiete gelten, nicht", so Alfred Laut. Die Agenda-21-Mitglieder freuen sich, dass sich ihnen weitere Gruppen angeschlossen haben, nachdem sie auf die Bedrohung des Welschen Loches aufmerksam machten.

Das Besondere am Welschen Loch sei die geringe Wassertiefe. "Manche Vogelarten, wie beispielsweise Reiher, Kormorane oder Strandläufer, sind auf diese Flachgewässer angewiesen. Hier finden sie Nahrung und die Möglichkeit zum Nisten. Sie kommen aus Skandinavien, zum Teil sogar aus der Tundra, und rasten hier auf dem Weg nach Spanien", so Laut weiter. Die Artenvielfalt sei jetzt schon beschnitten.

Vom Land Hessen erwarten die Lampertheimer Naturschützer, dass es Gelder bei der Europäischen Union auftreibt, um dem Welschen Loch zu helfen. Umweltminister Dietzel soll eingeladen werden, sich das Gewässer anzusehen. "Viele denken, die Verlandung sei einfach ein natürlicher Prozess. Doch der Mensch hat mit der Rheinbegradigung bereits die Natur beeinflusst. Die Verlandung geht heute zehnmal schneller als früher vonstatten", sagt Laut.

aus: Lampertheimer Zeitung, 7.06.06


aus: TIP, 29.03.06


Maikäfer - flieg?

Massive Pestizideinsätze gegen Maikäfer in den 60er Jahren haben nicht nur den Maikäfer selbst, sondern mit ihm hunderte von weiteren Insektenarten an den Rand der Ausrottung gebracht. 30-40 Jahre hat es gedauert, bis sich zumindest der Maikäfer von den Chemieeinsätzen wieder etwas erholt hat. Die Freude daran vermögen die meisten Förster allerdings nicht zu teilen. Die Riedforste sind durch Auto- und Industrieabgase des Ballungsraums Rhein-Neckar geschwächt. Zudem macht Trockenheit durch Grundwasserabsenkung  infolge von übermäßiger Trinkwasserentnahme dem Wald zusätzlich zu schaffen. Knabbern dann noch die Engerlinge des Waldmaikäfers an Feinwurzeln von Eichen und Buchen, wird der Ruf nach Pestizideinsätzen wieder laut. Seit einigen Jahren werden daher im Labor und in kleinen Feldversuchen verschiedene Bekämpfungsmethoden erprobt – bisher ohne eindeutige Ergebnisse. 

In Hessen soll in der ersten Maihälfte erstmals auf rund 400 Hektar ein Großversuch gestartet werden, bei dem sowohl das Gift Neem-Azal wie auch ein parasitärer Pilz zum Einsatz kommt. Neem-Azal wird aus den Samen des aus Indien stammenden Neem- oder Niehm-Baumes gewonnen und ist ein Vielzweckgift mit dem Wirkstoff Azadirachtin, das auch im ökologischen Landbau zum Beispiel zur Kartoffelkäferbekämpfung zugelassen ist. Es wirkt also nicht maikäferspezifisch, sondern gegen praktisch alle Insekten, die es beim Fressen aufnehmen. „Der Wald ist kein Kartoffelacker“, so NABU-Naturschutzreferent Mark Harthun, „sondern ein Lebensraum mit zahlreichen wild lebenden Tier- und Pflanzenarten.“ Große Teile der südhessischen Wälder gelten als europaweit besonders wertvolle Lebensräume und sind daher geschützt. 

Dies gelte auch für den Lorscher Wald, in dem eine der beiden geplanten Bekämpfungsflächen liegt. Dank bedeutsamer Vorkommen von Mittel- und Grauspecht, Wendehals, Heidelerche, Ziegenmelker und Baumfalke ist der Lorscher Wald als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Wichtig für diese Arten ist der lückige Charakter des Waldes, der laut Pflegeplan „durch kräftige Durchhauungen und lokalen Kleineinschlag“ bewahrt werden soll. Das Absterben von Bäumen nach Maikäferfraß würde ebenfalls für Auflichtungen sorgen, unterstütze somit die Lebensraumvielfalt und die Schutzbemühungen. Auch Fledermäuse nutzen die Maikäfer als Kraftnahrung für sich und ihren Nachwuchs. Um geeignete Jagdreviere zu finden, legen die Insektenjäger aus ihren Quartieren im Odenwald kommend Entfernungen bis zu zwanzig Kilometern zurück. 

Das Vielzweckgift  könnte auch zum Todesstoß für die Raupen seltener Schmetterlingsarten werden, die zeitgleich mit den Maikäfern im Blattwerk fressen – etwa Spanische Flagge, Großer Schillerfalter und Nagelfleck sowie Blauer und Brauner Eichenzipfelfalter. Auch mögliche Wirkstoffanreicherungen bei Insektenfressern wie Vögeln und Fledermäusen müssten erforscht werden. 

„Gifteinsatz hat im Wald nichts zu suchen, egal ob das Gift aus Naturstoffen gewonnen wird oder synthetisch“, betont Harthun. Sollten die Forstbehörden wegen gravierender Schäden auf einer Maikäferbekämpfung bestehen, dürften ausschließlich biologische Methoden wie der Beauveria-Pilz zur Anwendung kommen. Zudem sei ein Pestizideinsatz langfristig sinnlos. „Wir wissen heute, dass sich die Maikäferbestände in langen Rhythmen von 30 bis 45 Jahren entwickeln. Auf dem Höhepunkt der Vermehrung nehmen dann Krankheiten und Parasitenbefall überhand, so dass die Bestände von ganz alleine zusammenbrechen.“ Die Aktion könnte den Fraßdruck der Engerlinge auf die Baumwurzeln sogar verlängern, da sie der Bestandsentwicklung die Spitze nimmt und so den natürlichen Komplettzusammenbruch verhindert. „Das wirkt populationsökologisch wie ein erfrischender Aderlass. Die Forstbehörden müssten immer wieder neu Gift ausbringen.“ Stattdessen appelliert der NABU an den hessischen Umweltminister Dietzel auf eine Stärkung der Wald-Ökosysteme zu setzen.

NABU Positionspapier zur Maikäferbekämpfung >pdf-Datei

 



Demonstration am 30.3.2006 um 15:00 Uhr vor dem Amt für Straßenbau und Verkehrswesen,
in Bensheim, Gärtnerweg 29


Liebe Freundinnen und Freunde, 


die Betongleitwand auf der B44 zwischen Lampertheim und Bürstadt ist Ursache dafür, dass es zu zahlreichen Unfällen mit Kleinwild gekommen ist. Die Wildtiere können die Fahrbahn nicht mehr vollständig überqueren, bleiben an der Betongleitwand hängen und werden so das Opfer der Fahrzeuge. Um Druck auf die Verantwortlichen auszuüben, diesen Zustand zu beseitigen und an anderer Stelle zu verhindern (B47!), rufen wir zu einer Demonstration auf. Diese soll am


30.03.2006 um 15.00 Uhr
vor dem Gebäude des Bensheimer Straßenbauamts


stattfinden.

Unter dem Motto: "Wir sind das Volk! Die Mauer muss weg!", wollen wir gegen die Arroganz der Behörde vorgehen, die diese Baumaßnahme ohne Berücksichtigung möglicher Folgewirkungen errichtet hat und die zunehmende Zahl der Wildunfälle damit rechtfertigt, dass die Tiere auch vorher oftmals nicht lebend über die Straße gekommen seien.

Veranstaltet wird die Demo vom lokalen Agenda-21-Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen (Lampertheim) und der Ortsgruppe Lampertheim Bündnis 90/DIE GRÜNEN.
Bitte eine Trillerpfeife mitbringen, wir möchten uns bemerkbar machen :-)



Betongleitmauern auf der B 44 -
muss das sein?


aus: Südhessen Morgen, Januar 2006

Sendebeitrag vom 31.01.2006 im HR (Videoclip) mit Statement unseres Agenda-21-Arbeitskreises > Videoclip




 

Das Welsche Loch
im NSG "Lampertheimer Altrhein"

Droht das Welsche Loch zu verschwinden?




Wer sich schon mal einen ausgedehnten Spaziergang durch das Naturschutzgebiet "Lampertheimer Altrhein" gegönnt hat, wird es bestimmt schon entdeckt haben: das Welsche Loch. Es ist eine zentral gelegene Wasserfläche innerhalb des so genannten Biedensandes, die bei einem Rheindurchbruch in den Jahren 1801/1802 entstand. Jetzt aber droht es zuzuwuchern.

Vor rund 200 Jahren betrug ihre Tiefe noch sechs bis sieben Meter. Doch Rheinkorrekturen, die in den Jahrzehnten danach erfolgten, zogen eine Ablagerung von Flusssedimenten nach sich. Heutzutage ist deshalb das Welsche Loch in den Sommermonaten nur noch etwa 60 Zentimeter tief. Begrenzt wird es durch einen natürlichen Silberweidenwald.

Naturfreunde und Vogelkundler schätzen dieses Gebiet für seinen großen Vogelreichtum. Reiher, Kormorane, Gänse, Enten und Taucher haben hier ihre Brutplätze. Auch unterschiedliche Fischarten leben in den Randzonen aus Röhricht und überfluteter Vegetation. Gute Beobachtungsmöglichkeiten bietet dort eine Aussichtsplattform, von der aus Naturliebhaber das gegenüberliegende Naturreservat "Ludwigsinsel" sehen können.


Blickwinkel aus der Vogelperspektive - auf das zum ersten Mal komplett ausgetrocknete "Welsche Loch" im NSG Lampertheimer Altrhein im Sommer 2003

Doch zunehmend Sorgen bereitet die Ausbreitung von Weiden am Rande und innerhalb der Wasserfläche. "Der extrem warme und trockene Sommer 2003 führte zu einer fast kompletten Austrocknung des Welschen Lochs und begünstigte die Weidenentwicklung", erklärt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU. "Im Juni oder Juli findet die Samenreife der Silberweiden statt. Unter optimalen Bedingungen erfolgt die Keimung innerhalb von Stunden, und die Sämlinge entwickeln sich schon am nächsten Tag."

Da sie jährliche Überflutungen in Extremfällen bis zu 300 Tagen unbeschadet überstehen, nimmt er an, dass sie sich weiterhin ausbreiten werden. Ein Zuwachsen der Wasserfläche am Welschen Loch wäre demnach über kurz oder lang zu erwarten. Schließlich würde dadurch auch der Biedensand, eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Hessens, an Attraktivität verlieren.


Fortschreitende Verlandung durch Weidenwuchs (November 2005)

"Die aus dem nördlichen Raum kommenden Zugvögel nutzen dieses Gewässer sozusagen als Tankstelle für die Futtersuche. Unser Arbeitskreis tendiert daher zum Erhalt einer offenen Wasserfläche", betont Alfred Laut, ein Sprecher des Agenda-21-Arbeitskreises "Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen".

Mittlerweile hat sich der Arbeitskreis an die Obere Naturschutzbehörde in Darmstadt gewandt, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Seitens des Arbeitskreises und des NABU wurden auch Vorschläge unterbreitet. Doch sowohl ONB als auch Forstamt betrachten erforderliche Maßnahmen kritisch. Als zu teuer, zu aufwändig und langwierig geht man den notwendigen Schritten bisher aus dem Weg.

Der Agenda21-Arbeitskreis bemüht sich weiterhin um die Akzeptanz und die Erhaltung dieses Vogelschutzgebietes.

> hier geht's zum Aktions-Flyer "Welsches Loch - wie lange noch?"

Am 6. Mai gab es durch den Agenda-21-Arbeitskreis in Lampertheim auf dem Schillerplatz ein Info-Stand über das Welsche Loch. Dort hatten wir auch Unterschriften für die Ausbaggerung gesammelt. Zudem lagen sie bis Ende Mai aus. Insgesamt wurden über tausend Unterschriften gesammelt!

> Pressemeldung

 

 

 


Wir über uns
Aktuelles
Termine/
Veranstaltungen

Projekte
Lokale Agenda 21
Naturschutzjugend
Tipps und Infos
Galerie
Links
Kontakt
News
Impressum