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Nisthilfen für Wildtiere

 
 Warum Nisthilfen?

Heimische Wildtiere haben über Jahrtausende in unserer Region überlebt - warum also Nisthilfen anbringen, um diesen Tieren zu helfen? Durch den Menschen wurde unsere Landschaft vor allem im vergangenen Jahrhundert nachhaltig verändert; so wurden etliche Wälder, Waldsäume, Hecken und nicht nutzbare "Wildnis" zerstört oder durch intensive Nutzung überformt.

Wildtiere, die in solchen und anderen naturnahen Strukturen beste Möglichkeiten zu Aufzucht, Ernährung und Schutz ihrer Jungen fanden, suchen nun Ersatz für solche verlorengangenen Lebensräume - etliche Vogelarten beispielsweise sind dem Menschen in seine Siedlungen gefolgt; so galt etwa die Amsel vor wenigen Jahrhunderten noch als scheuer Waldvogel!

Doch auch in unseren Städten und Dörfern werden naturnahe Strukturen in den letzten Jahrzehnten deutlich weniger. Neubauten bieten kaum noch Nischen im Mauerwerk, moderne Dachverkleidungen haben keine Einschlupfmöglichkeiten mehr ins Dachgebälk, Gärten werden zunehmend "ausgeputzt" und auch im "öffentlichen Grün" wird alten Bäumen und Totholz verstärkt zu Leibe gerückt - alles zum Schaden der Tierwelt in unseren Siedlungsbereichen!

Die naturnahe Aufwertung von Gärten, öffentlichen Anlagen und Gebäuden, die bereits seit vielen Jahren vom NABU forciert wird, beinhaltet auch die artgerechte Ausbringung von Nisthilfen für Wildtiere - diese Ersatz-Wohnhöhlen werden von Vögeln, Fledermäusen und Insekten begierig angenommen und mancherorts beträgt die Nutzungsquote über 90 Prozent...

Ob Sie "klassische" Holzbetonkästen aus dem Handel oder Vollholzkästen vorziehen ist eher eine Frage des Geschmacks - den Tieren ist es recht egal! Der NABU nutzt für seine über 3000 ehrenamtlich betreuten Nisthilfen im Oldenburger Land selbstgebaute Vollholzkästen, die als Witterungsschutz lediglich mit einer Dachpappe versehen sind.

 Nistkasten

 Vogelkästen:

Schon seit vielen Jahrzehnten sind Nistkästen für Vögel am Haus und im Garten ausgesprochen beliebt - wichtig ist hierbei, auf die Platz- und Wärmebedürfnisse der verschiedenen Arten Rücksicht zu nehmen! Meisen, Stare und Spatzen gehören zu den Arten, die fast in jedem Garten anzusiedeln sind - doch auch Rotschwänze, Rotkehlchen, Zaunkönige, Kleiber und viele andere nehmen gerne Bruthilfen an, wenn natürliche Baumhöhlen oder andere Niststrukturen fehlen...

Spezialkästen für Mauersegler, Baumläufer oder sogar für Eulenvögel sind dann sinnvoll, wenn Sie solche Arten in Ihrem Bereich beobachten - scheuen Sie sich nicht, im Zweifelsfalle bei unserer Ortsgruppe nachzufragen! Wir können Ihnen evtl. Nistkästen zur Verfügung stellen!

Anbringung: Grundsätzlich sollten Vogelkästen nach Möglichkeit an ruhigen Orten, in einer Höhe ab 3 m angebracht und nach Südosten oder Osten ausgerichtet werden. Die Anbringung an Bäumen oder Hauswänden (optimal unter Dachüberständen) spricht meist unterschiedliche Arten an - doch manche Vögel, wie beispielsweise Spatzen und Kohlmeisen sind nicht wählerisch und lassen sich häufig auch durch die Nähe des Menschen nicht stören.

Pflege: Nistkästen für Vögel sollten jeden Herbst gereinigt werden - alte Gelege entfernen und den Kasten ausfegen. Achtung: benutzen Sie Arbeitshandschuhe, da die Gelege häufig Parasiten enthalten, die "in der Not" auch auf Menschenhände wechseln! Lassen Sie die Kästen über Winter hängen - zwar verwittern sie etwas schneller, doch suchen viele im Winter bei uns verbliebene Singvögel bei starkem Frost den nächtlichen Schutz dieser Kästen auf...

Nistkästen allein sind noch nicht alles, was zu einer erfolgreichen Brut nötig ist - ein selbstverständlich giftfreier Garten mit dornenbewehrten Wildsträuchern, Wildstauden, und anderen naturnahen Elementen bietet sowohl Nahrung als auch Schutz für die Jungtiere!

Fledermauskästen:

Fledermauskästen sind keine "Nistkästen" im eigentlichen Sinne - sie dienen als Schlafquartier. Doch rotten sich die Weibchen mit ihren Jungen gerne zusammen; wir fanden schon bis zu 40 Tiere in einem einzigen Fledermauskasten. Die Männchen sind eher Einzelgänger, nutzen aber ebenfalls die angebotenen Kästen. Natürlicherweise nutzen Fledermäuse Baum- oder Felshöhlen als Schlafquartiere - diese sogenannten Sommerquartiere sind jedoch nicht identisch mit den Winterquartieren; zur Überwinterung sind besondere kleinklimatische Bedingungen nötig, die ein Fledermauskasten oder ein Dachstuhl nicht erfüllen.

Anbringung: Die Kästen sollten in einer Höhe von mindestens 3 m (besser höher) unter Dachtraufen oder an Baumstämmen angebracht werden; optimale sind mehrere Kästen in unterschiedlichen Himmelsrichtungen (Süd, Südost und Ost), da die Tiere bei wechselnden Temperaturen jeweils wärmere oder kühlere Schlafplätze benötigen.

Große Abendsegler beispielsweise nutzen Kästen an Bäumen - der An- und Abflugbereich darf nicht durch Äste und Zweige gestört sein. Andere Arten wie die Breitflügelfledermaus nehmen als typische Dachstuhlbewohner Kästen an Hauswänden als Ersatzquartier an, falls der ursprüngliche Einschlupf in einen Dachstuhl etwa durch Renovierungsmaßnahmen abgedichtet wurde.

Pflege: Fledermauskästen - meist flache Holzkonstruktionen - benötigen bei richtiger Bauweise keinerlei Reinigung und sind deshalb vollkommen pflegefrei.

 Fledermauskasten

 

 Insekten-Nisthilfen:

Es gibt eine Unzahl von heimischen Insektenarten, die teilweise nur durch Fachleute zu unterscheiden sind - hier soll es um Wildbienen, Hummeln, Wespen und Hornissen gehen. Diese Arten lassen sich grundsätzlich in zwei Gruppen einteilen: Staatenbildende, also "soziale" Arten und "solitäre" Arten. Letztere Bauen keine Nester, sondern die Weibchen legen ihre Eier einzeln in kleine Gelege mit Futterdepots ab. Dementsprechend lassen sich auch die verschiedenen Nisthilfen für Insekten in diese beiden Gruppen einteilen. Alle Insekten bevorzugen sonnige und trockene Nistplätze.

Staatenbildende Insekten: Hummeln, Wespen und Hornissen bauen unterschiedlichste Nester in Dachstühlen, Baumhöhlen, lockerer Erde, Steinhaufen etc.. Die "Gemeine Wespe" und auch Hornissen nehmen schon mal einen unbenutzten Vogelkasten an; doch gibt es auch spezielle, großräumige Hornissenkästen mit Kühlschlitzen - hier kann das Hornissenvolk zu seiner vollen Größe anwachsen. Hummeln kann je nach Art mit einem Erdnest oder speziellen Hummelkästen geholfen werden, die mit etwas trockenem Nistmaterial vorgefüllt werden.

 Baupläne: Nicht staatenbildende Insekten:

Hier gibt es vor allem etliche Wildbienenarten - die Weibchen legen ihre Eier einzeln in geeignete Hohlräume ab, die auf jeden Fall trocken und sonnig gelegen sein sollten. Natürlicherweise wären dies Auschlupflöcher von holzbohrenden Insekten, kleine Spalten in Holz oder Mauerwerk und andere kleine Zwischenräume. Als Ersatz können Sie diesen Tieren vorgebohrte Hartholzblöcke, gebündelte Röhrichtstängel, Lehmnistblöcke, Steinhaufen und anderes anbieten.

Hier eine Auflistung der Arten,
die häufig an künstlichen Nistplätzen anzutreffen sind:

 

Hylaeus communis

Gewöhnliche Maskenbiene

Megachile centuncularis

Blattschneiderbienen-Art

Megachile rotundata

Luzerne-Blattschneiderbiene

Megachile willugbbiella

Garten-Blattschneiderbiene

Osmia adunca

Natterkopf-Mauerbiene

Osmia bicornis

Rostrote Mauerbiene

Osmia brevicornis

Schöterich-Mauerbiene

Osmia caerulescens

Blaue Mauerbiene

Osmia campanularum

Scherenbienen-Art

Osmia cantabrica

Scherenbienen-Art

Osmia cornuta

Gehörnte Mauerbiene

Osmia crenulata

Gekerbte Löcherbiene

Osmia florisomnis

Hahnenfuß-Scherenbiene

Osmia leaiana

Distel-Mauerbiene

Osmia rapunculi

Glockenblumen-Scherenbiene

Osmia truncorum

Gewöhnliche Löcherbiene

 

Übrigens - Wildbienen stechen uns Menschen nicht!

 

Weiterführende Informationen zu Wildbienen findet man u.a. unter www.Wildbienen.de.

 

 

 

 

 


 

 

 

 

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